Leere Schaufenster und Schilder von Immobilienmaklern: Hier gab es früher einmal einen Einzelhändler, nun herrscht Leerstand. Wird die Donaueschinger Innenstadt immer unattraktiver? Auf der einen Seite das Einkaufen, um sich mit dem Notwendigen einzudecken. Auf der anderen Seite das Einkaufen als Genusserlebnis. Ist beides in Donaueschingen möglich? Klagen gibt es einige. Man müsste handeln. Doch was kann die Stadtverwaltung eigentlich genau machen?

  1. Wie hat sich der Leerstand in den vergangenen Jahren entwickelt?Akribisch führt Donaueschingens Wirtschaftsförderer Theo Kneer über die Entwicklung Buch. In einer Karte, die die Innenstadt aufzeigt, hat er aufgezeichnet, wo Geschäftsräume leer stehen. Doch es gibt auch Felder in einer anderen Farbe: die Neubelegungen. „Man kann unterstreichen: Der Leerstand bewegt sich auf dem gleichen Niveau“. Rund zehn Leerstände seien in diesem Jahr „neu besetzt“ worden.
  2. Woher kommt das Gefühl, dass so viel Geschäfte leer stehen?Begründen kann man das durch den Wandel. Denn viele Neueröffnungen gehören nicht mehr zum klassischen Einzelhandel, sondern sind im Bereich Dienstleister anzusiedeln: Friseure, Nagelstudios oder gar ein Tattoo-Studio. „Dienstleister treten verstärkt auf und weniger der klassische Einzelhandel. Ein weiterer Grund, dass das Gefühl entsteht, dass der Leerstand zunimmt, könnte die Karlstraße sein.
    Mit der ehemaligen Metzgerei Kanstinger, der geschlossenen Salzgrotte und dem Eckgeschäft, wo einst der Hosenshop Girl zu finden war und vor Kurzem ein Dessousgeschäft eröffnet hat, trat der Leerstand gehäuft auf.
  3. Handelt es sich um eine Entwicklung, die nur Donaueschingen betrifft?„Es tut sich etwas im Bereich des Einzelhandels“, so der Bürgermeister Bernhard Kaiser und meint das durchaus nicht positiv. „Die Einzelhändler segeln hart am Wind“, sagt Kaiser und verweist auf eine Studie des Handelsverbands Deutschland. Dieser geht von einem Verlust von 50 000 Geschäften in den kommenden Jahren aus und warnt schon länger vor sinkenden Käuferzahlen und einer Verödung der Stadtzentren. Gründe gibt es viele, doch ganz vorne ist der Online-Handel aufzuführen.
  4. Wie geht es nach der Schließung von Zweisam-Mode weiter?„Die Schließung von Zweisam-Mode ist natürlich ein Aderlass für die Innenstadt“, sagt der Bürgermeister. Bedauerlich, nicht nur weil einer der „wichtigen Frequenzbringer“ wegfällt, sondern auch aus familiären Gründen für die Familien Kaltenbach. Doch es gibt auch Hoffnung: „Wir haben Kontakt mit einem halben Dutzend Interessenten“, sagt Kneer und fügt hinzu: „Wir hoffen inständig, dass wir einen adäquaten Nachfolger finden.“ Schon alleine die Fläche mit 800 Quadratmetern sei interessant und wesentlich einfacher zu vermarkten, als kleine Einheiten.
    „Die Chancen stehen also nicht schlecht“, sagt der Donaueschinger Wirtschaftsförderer.
  5. Was kann die Stadt für den Einzelhandel tun?„Wir pflegen einen engen Schulterschluss mit den Einzelhändlern“, sagt Bürgermeister Kaiser. Wichtig sei die Kontaktpflege, das Netzwerken, sowie „Augen und Ohren“ offen zu halten. „Wir sitzen nicht in unseren Büros und machen die Türe zu“, so Kaiser. Doch nicht immer ist es einfach: „Uns fehlt seit Jahren ein Markenschuhgeschäft“, erklärt Kaiser. Aber: „Wir sind ganz gut unterwegs“, ist sich der Bürgermeister sicher.
  6. Welche Stellschrauben gibt es noch für eine attraktive Innenstadt?„Man muss die Stadt als Organismus betrachten“, fordert der Bürgermeister. Man müsste auch das drumherum betrachten. So würden auch die Wirtschaft mit ihren 10 000 Arbeitsplätzen und der Tourismus mit seinen 200 000 Übernachtungen im Jahr Wirtschaftsförderung betreiben. Kaiser richtet seinen Blick auf die beiden neuen Firmen Nexus und Sage. Insgesamt sind dadurch rund 220 Arbeitsplätze direkt in der Innenstadt entstanden. Das sind Mitarbeiter, die in der Mittagspause nur wenige Schritte für Besorgungen oder ein Essen bei einem der Donaueschinger Gastronomen haben. Auch in der Sanierung des Residenzbereiches sieht Kaiser eine Wirtschaftsförderung. Denn das Donaueschinger Aushängeschild lockt Besucher an. Besucher, die dann auch den Donaueschinger Einzelhandel und die Gastronomen unterstützen. Nötig sei auch das richtige Marketing. „Wir müssen die Stadt als Aufenthaltsort anpreisen.“
  7. Wie können Fehlentwicklungen vermieden werden?„Wir haben dafür ganz früh eine Sensibilität entwickelt“, erklärt Kaiser. So wurde in Donaueschingen bereits Anfang der 1990er Jahre ein Einzelhandelskonzept entwickelt. Was soll wo angesiedelt werden? Und vor allem: Wie soll verhindert werden, dass die Innenstädte unter den großen Gewerbegebieten mit Vollsortimentern leiden? Antworten darauf gibt das Einzelhandelskonzept. Zwei Standorte außerhalb der Innenstadt können weiterentwickelt werden – das Donaucenter und das Gewerbegebiet zwischen Donaueschingen und Hüfingen. Weitere großflächige Ansiedlungen sind nicht geplant. An anderen Orten wurde nicht so früh steuernd eingegriffen. Den Blick muss man nicht weit schweifen lassen, regionalen Schiefstand auszumachen. So wurde beispielsweise in Bad Dürrheim lange Zeit angesiedelt, ohne dass es ein Limit gab. Verhältnismäßig zum benachbarten Villingen-Schwenningen war das lange nicht. Nur langsam holt die Doppeltstadt auf. Ein anderes Beispiel ist Zimmern ob Rottweil.
  8. Was können die Donaueschinger selbst machen?Erst einmal in ihrer Innenstadt einkaufen und so den Einzelhandel unterstützen. „Oft wird ja das eigene Umfeld heruntergeredet“, erklärt Kaiser und Kneer fügt hinzu: „Gerade im Bereich Bauplätze bekommen wir viele Rückmeldungen, dass Donaueschingen schön ist und dass man gerne hier wohnen möchte.“ Auswärtige, die in die Donaueschinger Innenstadt kommen, äußern sich beispielsweise positiv, dass man kostenfrei parken kann oder dass es noch besondere Geschäfte gibt, im Vergleich zu Innenstädten, in denen sich die großen Ketten aneinanderreihen und man das Angebot bekommt, das es überall gibt. Die Grundidee des Zusammenschlusses „Buy Local“, bei dem der Donaueschinger Gewerbeverein kurze Zeit Mitglied war, sei ein wichtiger Ansatz. Auch wenn „Buy Local“ nicht das war, was sich die Donaueschinger Einzelhändler vorgestellt haben, sei es doch wichtig, das Bewusstsein für das lokale Einkaufen zu schärfen. Jeder sollte darüber selbst einmal nachdenken, findet Kneer, der auch noch einen interessanten Ansatz präsentiert: „Man muss die Innenstadt einfach als ein einziges, großes Warenhaus betrachten, in dem man Parken, Essen und Trinken kann.“
  9. Haben große Ketten Interesse, sich in Donaueschingen anzusiedeln?„Wenn es Geschäfte mit besonderen Sachen gibt, dann macht das ja auch den Charme der Innenstadt aus“, sagt Kaiser. Mit großen Filialisten sei das so eine Sache. Zum einen würden diese sich an der Einwohnerzahl orientieren, zum anderen wären die verfügbaren Flächen ausschlaggebend. Leerstehende Geschäfte in Donaueschingen haben meist eine Fläche zwischen 100 und 200 Quadratmeter. Wenn sie etwas größer sind, dann vielleicht auch mal 300 und bis 400 Quadratmeter. Für große Ketten sind diese Flächen aber uninteressant.