Dem Mitarbeiter eines Donaueschinger Betriebes mittlerer Größe war es am Arbeitsplatz zu kalt. Er reklamierte bei seinem Arbeitgeber. Dieser meinte, die Temperatur sei richtig. Da man sich nicht einigen konnte, traf man sich vor dem Arbeitsgericht Villingen.

In der Produktionshalle des Unternehmens arbeiten mehrere Menschen. In einem Raum war es wärmer, in dem anderen kälter. Ein Mitarbeiter war gesundheitlich angeschlagen und monierte die für seine Verhältnisse zu niedrige Temperatur. Im Dezember vergangenen Jahres und jetzt im März wurden an seinem Arbeitsplatz nur fünf Grad Celsius gemessen, so der Mann. Dies zeigte ein Thermometer an, das der Mitarbeiter von Zuhause mitgebracht hatte. Die Skala des Thermometers wurde zu verschiedenen Zeiten abfotografiert. Aber es wurde vergessen, den Ablesetag auf dem Bild festzuhalten.

Gemäß den Messergebnissen seitens des Arbeitgebers herrschte immer eine Temperatur von 17 Grad. „Wenn die Temperatur niedriger gewesen wäre, wären die Maschinen gar nicht gelaufen“, konterte der Arbeitgeber die Klagen des Beschäftigten. Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen ist bei sitzender Tätigkeit bei einer leichten Arbeitsschwere eine Raumtemperatur von 19 Grad vorgeschrieben. Sollten diese Mindestwerte in den Arbeitsräumen nicht erreicht werden, so ist der Schutz gegen zu niedrige Temperaturen durch zusätzliche technische oder personenbezogene Maßnahmen sicherzustellen. So ist es in der Arbeitsstättenverordnung vorgeschrieben. Arbeitsrechtlich denkbar sind Forderungen der Arbeitnehmer nach mehr Wärme etwa durch stärkere Heizung oder geeignete Bekleidung.

Eine höhere Raumtemperatur scheint aber nicht möglich. Bei erhöhter Raumtemperatur könnten die anderen Kollegen vor lauter Wärme nicht mehr richtig arbeiten, hieß es vor Gericht. Weder Richter noch beklagter Arbeitgeber hatten eine Lösung parat. Entweder man müsste ein Protokoll über längere Zeit führen oder einen Gutachter beauftragen. Das wären wohl die einzigen Möglichkeiten zur Wahrheitsfindung, meinte der Richter – bis er dann vorschlug, dass der Arbeitgeber sich verpflichtet, eine Vereinbarung zu treffen, dass in der Halle immer mindestens eine Temperatur von 19 Grad herrscht. Damit waren beide Parteien einverstanden.