Vor 33 Jahren war die Tanne in der Nähe der Grundstückgrenze zur Alemannenstraße gepflanzt worden. Damals zog eine Familie in ein Reihenhaus an der Friedhofstraße ein. Acht Jahre später zog die Familie Neumann ein und gut ein Vierteljahrhundert später hat sich der inzwischen zu groß gewordene und windbruchgefährdete Nadelbaum in ein magisches Totem verwandelt. Ein Totempfahl ist bei den Indianern in Nordamerika ein mythisches Zeichen, das die Verbindung zwischen einem Menschen und einer Naturerscheinung darstellt, weiß das Lexikon.

Stammholz kann verfeuert werden

Der Besitzer ist offen für Kulturen unterschiedlicher Herkunft, er freut sich über einen tollen Hingucker, der von vielen Passanten bewundert wird, und dass es für den über die Jahre ans Herz gewachsenen Baum weitergeht. Zweige und Äste wurden bereits eingesammelt und das übrig gebliebene Stammholz kann im Kamin verfeuert werden. Die kleine Enkelin freut sich über das mächtige, inzwischen mit Holzschutzfarbe gestrichene Totem.

Am Ende der Friedhofstraße steht ein weiteres Totem, das die Wolterdingerin Sandra Reiner geschaffen hat.
Am Ende der Friedhofstraße steht ein weiteres Totem, das die Wolterdingerin Sandra Reiner geschaffen hat. | Bild: Wolfgang Neumann

Die Idee für den mytischen Pfahl hat sich der Eigentümer übrigens in der Nachbarschaft geholt. „Bei der Familie Kuttruff, ein paar hundert Meter weiter an der Friedhofstraße, steht auch ein Totem.“ Dieses wurde im Stil der Indianer in Nordamerika von der Wolterdingerin Sandra Reiner geschnitzt.

Weltmeister an der Kettensäge

Dass das Totem an der Allemannenstraße, auf dem ein Bär eine Eule und einem Adler schultert, so naturnah und eindringlich gelungen sind, hat seinen Grund. Es entstand unter der Kettensäge von Igor Loskutow. Der Holzkünstler aus Tallinn verwendete die traditionellen Totems als Vorbild, interpretiert sie aber in seinem eigenem Stil. Er zeigt seit geraumer Zeit seine Arbeiten in der Region. „2015 ist er Weltmeister im Kettensägenschnitzen geworden. Zuletzt hat er diesen Titel erneut in 2019 erworben“, sagt Neumann nicht ohne Stolz.