Als "Musik für die Passionszeit" hat die Gesellschaft der Musikfreunde ihr Konzert in der Christuskirche angekündigt. Dass daraus zugleich eine konzentrierte Demonstration dessen geworden ist, worin der Reichtum an Formen, an Ausdruck, Struktur und Klang der Barockmusik besteht, hat dem Publikum ein starkes Hörerlebnis beschert.

Ermöglicht haben dies Musiker, die mit historischer Aufführungspraxis bis ins Detail vertraut sind: die Sopranistin Miriam Feuersinger, die Barockgeigerin Mechthild Karkow, der Gambist Martin Jantzen und der Organist Torsten Johann. Ihr Programm hat sich bekannten Größen wie Claudio Monteverdi oder Johann Hermann Schein ebenso gewidmet wie Komponisten, die nur guten Kennern der Musikgeschichte etwas sagen. Hierzu zählen etwa Carlo Farina oder Johann Philipp Förtsch. Zu viert präsentiert sich das Ensemble mit insgesamt vier geistlichen Werken für Sopran, Violine und Basso continuo von Förtsch, dem noch 1990 als "halbvergessen" bezeichneten Heinrich Ignaz Franz Biber und von Schein. Miriam Feuersinger überzeugt mit ihrer intonationssicheren, rhythmisch präzise geführten und vibratofreien Stimme, die den Ton der Gewissheit wie den der Sanftmut adäquat trifft.

Worin die vielschichtige Kunst historisch informierten Violinspiels besteht, lässt faszinierend Mechthild Karkow hören – in absoluter Reinform bei einer Passacaglia für Violine solo des in seiner Zeit als kühn und einfallsreich geltenden Geigers Biber. Mit unerschütterlicher Konstanz behält Karkow die festgelegte thematische Grundlinie bei, um die Biber ein figurenreiches und nicht gerade einfach zu bewältigendes virtuoses Rankenwerk gebaut hat.

Auch Martin Jantzen und Torsten Johann zeigen nachdrücklich, was sie können. Jantzen widmet sich einem Stück des Engländers Christopher Simpson, einem "Ground", in dem improvisatorische, grifftechnisch fordernde Elemente Platz haben. Und Johann beweist mit Liedvariationen von Jan Peterszoon Sweelinck, dass auch mit einer Truhenorgel mit nur zweieinhalb Registern erstaunlich abwechslungsreiche Klanggestaltung möglich ist.