Der in Freiburg lebende österreichische Komponist und Musikforscher Gösta Neuwirth hat seinen 80. Geburtstag gefeiert. Eine stattliche Reihe erfolgreicher Komponisten zeitgenössischer Musik und prägende Figuren der Donaueschinger Musiktage haben bei ihm studiert – unter ihnen etwa Peter Ablinger, Hanspeter Kyburz, Isabel Mundry oder Enno Poppe. Jetzt hat ihn die Gesellschaft der Musikfreunde mit einem Konzert im Rahmen ihrer Neuen Reihe geehrt. Motto: Drei Generationen Österreichischer Musik.

Aufgeführt werden drei Werke, die Neuwirth zwischen 1955 und 2011 selbst geschrieben hat, sowie Kompositionen seines österreichischen Lehrers Karl Schiske und seiner ebenfalls aus Österreich stammenden Schüler Ablinger und Martin Kapeller.

Neuwirths eingangs gespielte kurze Sonate für Violine und Klavier, interpretiert von dem erfahrenen Geiger Stefan Häussler und dem nicht minder versierten Pianisten Alfonso Gómez, erschließt sich sowohl klanglich als auch analytisch nicht ohne weiteres. Um fast eine Schaffensperiode älter hört sich da die Sonatine für Klavier op. 42 von Schiske an. Gómez zeigt sich mit deren freier Tonalität und deren in den drei Sätzen jeweils wechselnden Organisationsprinzipen bestens vertraut.

Klar liegt Ablingers Konzept für seine Stücke für Stimme und Klavier auf der Hand. Elektronisch wiedergegebene originale Sprachzeugnisse des österreichischen Schriftstellers Heimito von Doderer, der japanischen Filmschauspielerin Setsuko Hara und des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges werden durch einen synchron gespielten Klavierpart zum klangfarblich und rhythmisch miteinander verschmelzenden Höreindruck. Pianistin Rei Nakamura findet hoch konzentriert und einfühlsam den richtigen Ton.

Zweimal tritt die in Donaueschingen aufgewachsene Sopranistin Julia Spaeth auf: bei Neuwirths "Von Unklaich nach China" für Sopran und Klavier zu vier Händen und bei der Uraufführung des Werkes "Für Gösta Neuwirth" des Österreichers Martin Kapeller. Neuwirth ist persönlich anwesend, Ablinger und Kapeller sind eigens angereist.

Neuwirths 1957 abgeschlossenes Werk nimmt eine Federzeichnung von Paul Klee mit fast identischem Titel als Anregung, um mit eigener Musik und deutschen sowie indianischen Texten zwei weit auseinanderliegende Gedankenwelten zusammenzuführen. Spaeth bringt ihren Sopran klar zur Geltung und deklamiert die zu sprechenden Textpassagen mit ausgewogenem Atem. Kapellers Widmungsstück für Gesang, Violine und Klavier zu vier Händen ist durch stilistische Vielfalt geprägt.

50 Konzertbesucher zeigen mit ihrem Beifall, dass die Neue Reihe wieder interessante Akzente gesetzt hat.

Neue Reihe

Dieses Veranstaltungsformat der Gesellschaft der Musikfreunde bietet die Gelegenheit, sich nicht nur bei den Donaueschinger Musiktagen, sondern das ganze Jahr über mit Entwicklungen der zeitgenössischen Musik und im weiteren Sinne der Klangkunst zu befassen. Neue musikalische Techniken sowie bislang wenig bekannte Ausdrucksweisen des Gesangs und der Sprache stehen im Brennpunkt. Für den Zuhörer bietet die Reihe die Chance auf anregende, ja spannende Entdeckungen.