Die Begegnung mit Klangkunst bei den Donaueschinger Musiktagen kann auf zweierlei Weise geschehen: Man lässt sie entweder einfach sinnlich auf sich wirken oder durch entsprechende Erläuterungen erschließen – am besten durch den Künstler selbst.

Die Gesellschaft der Musikfreunde hat sich für den zweiten Weg entschieden und als Einführung in die Musiktage den in Bornheim in der Nähe von Bonn lebenden Klangkünstler Johannes Sistermanns gebeten, seine im Vereinsgebäude des Anton-Mall-Stadions installierte Arbeit "Ma Un Ma" zu erklären.

Sistermanns, der 2001 einige Zeit in Japan verbracht hat, haben es zwei Begriffe der japanischen Sprache angetan: das Ma und das Un. Ma bezeichnet den Raum zwischen den Dingen, der im Deutschen Leere heißt.

Dazu ist es gut zu wissen, dass für den Japaner das Bewusstsein für Leere etwas Positives ist – Ma wird als Freiraum für Möglichkeiten aller Art gesehen. Das Un in der Mitte zwischen den beiden Ma steht dafür, dass etwas unwiederholbar oder unbegreifbar ist.

Der buchstäbliche Wunsch nach "Möglichkeiten über Möglichkeiten" muss damit Sistermanns zu seiner Klangplastik veranlasst haben, bei der es sich, technisch gesprochen, um eine live geführte siebenkanalige Raumkomposition handelt.

Videos, Stimmen, Scheinwerfer, mit Licht unterlegte Texte und Peitschenknallen sowie große Mengen Stretchfolie aus dem Baumarkt werden samt elektronischen Geräten zu einem multimedialen Kunstwerk verschmolzen. Als Peitscher wirken Yannick Berkefeld und Andreas Gänsler mit, zwei Klöpfer der Geißenzunft Dittishausen.

Ästhetisch umfasst den Besucher in den komplett abgedunkelten Räumen der ehemaligen Vereinsgaststätte eine Atmosphäre aus Tönen, Geräuschen und Schwingungen, aus Licht und blauer Farbe.

Für den einheimischen Betrachter mögen noch Erinnerungen an die frühere Nutzung der leer stehenden Gaststätte mit Nebenzimmern und Terrasse hinzukommen. Für Sistermanns ist es jetzt Teil eines Organismus von eigener Qualität – gut 20 Interessierte können sich jetzt schon darüber ihre Gedanken machen.


Die Klangplastik "Ma Un Ma" ist zugänglich heute von 17 bis 20 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Offen, vielseitig und publikumsfreundlich

Die Donaueschinger Musiktage bieten in diesem Jahr wieder eine Fülle frei zugänglicher Veranstaltungen, für die kein Eintritt erhoben wird. Dazu folgende Beispiele:

  • SWR2 Festival-Lounge: Wer sich einen kompakten Überblick über die zeitgenössische Musik verschaffen möchte, ist in der Alten Hofbibliothek an der richtigen Stelle. Zu sehen sind Filmbeiträge über Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und Hans Werner Henze, aber auch zur Geschichte und Gegenwart der Donaueschinger Musiktage oder über das SWR-Vokalensemble. An Hörstationen sind akustische Zugänge zu Kompositionen zum Beispiel von Peter Ablinger, Franck Bedrossian, Peter Eötvös, Georg Friedrich Haas, Rebecca Saunders und anderen Größen eingerichtet. Zudem können in der historischen Atmosphäre des Hauses Speisen und Getränke genossen werden. Die Nutzung des WLAN kostet hier nichts.
  • Klangkunst: Außer am oben genannten Ort kann der Musiktage-Besucher eine Video-Installation in der Alten Hofbibliothek und eine Klanginstallation in der kleinen Sporthalle der Realschule auf sich wirken lassen. Zu festen Terminen ist ein Studiobesuch beim Radioprojekt Good Morning Deutschland in der Flüchtlingsunterkunft, Friedhofstraße 15 a, möglich. Frühester Termin: Freitag, 18.30 Uhr; spätester Termin: Sonntag 15.30 Uhr.
  • Kommodengespräche im Festivalcafé: In der Alten Hofbibliothek befragen die beiden Musikpublizistinnen und Moderatorinnen Barbara Eckle und Lydia Rilling am Freitag und Samstag in insgesamt sieben viertelstündlichen Interviews Musikerpersönlichkeiten zu ihrem künstlerischen Schaffen. Vier der Gespräche finden in englischer, die anderen drei in deutscher Sprache statt.
  • Museum Art Plus: Between pianos lautet das Motto von insgesamt fünf Musikperformances, die das Museum in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Trossingen anbietet. Aufführungen sind heute, Freitag, um 14 und 16 Uhr, am Samstag um 13 und 15.30 Uhr sowie am Sonntag um 15.30 Uhr.
  • SWR2 Cluster Live: Aus dem blauen Rathaus geht der Südwestrundfunk schon heute, Freitag, um 15 Uhr auf Sendung. Rechtzeitig anwesendes Publikum kann Augen- und Ohrenzeuge moderierter Live-Gespräche mit Komponisten, Künstlern und Interpreten werden.
  • Next-Generation-Konzert: Ein viertägiges Studierendenprogramm der Musikhochschulen Basel, Luzern, Stuttgart und Trossingen bietet aktuell etwa 120 Nachwuchsmusikern und -komponisten eine Möglichkeit zum Austausch über das Programm der Musiktage und über das eigene Arbeiten. Am heutigen Freitag präsentieren um 23 Uhr Hochschulensembles aus Trossingen, Stuttgart und Luzern in der Erich-Kästner-Halle neueste Werke ausgewählter Kompositionsstudenten.
  • Donaueschingen Lectures: So lautet der Titel eines neuen Veranstaltungsformats, bei dem profilierte Redner zu grundsätzlich wichtigen Themen Stellung beziehen. Roger Scruton, britischer Philosoph, Publizist und Musikästhet, spricht am Sonntag um 10 Uhr im Strawinsky-Saal etwa eine halbe Stunde lang in englischer Sprache über das, was er unter Zukunftsmusik versteht.