Wenn die Fans der Neuen Musik im Oktober in Donaueschingen einfallen, dann interessiert hier weniger, was in den Donauhallen oder den Schulsporthallen so musikalisch geboten wird. Denn bei den Konzerten selbst ist die Zahl der Donaueschinger doch eher gering. Doch die eine oder andere Klanginstallation lockt dann doch auch die Einheimischen an – schließlich kann man hier kostenneutral einen Blick drauf werfen, was sich der Musiktagestross in diesem Jahr wieder Ausgefallenes einfallen lassen hat.

Bild: Schönlein, Ute

Dabei war es 1993 noch nicht einmal sicher, ob der Versuch von Armin Köhler, als langjährige Künstlerischer Leiter der große Gestalter der Donaueschinger Musiktage, den Bürgern die Neue Musik näher zu bringen, überhaupt ankommen würde. Denn Köhlers Engagement für die Klangkunst war anfangs nicht unumstritten. Wolfgang Rihm sprach in diesem Zusammenhang provokant von "klingenden Gartenzwergen" – in Anspielung auf Klangkunst-Artefakte, die aus Sträuchern und Büschen hervortraten. Inzwischen hat sich die Gattung Klangkunst längst zu einer eigenständigen und weithin respektierten Kunstform entwickelt, deren aktuelle Entwicklungen nun bereits zum 25. Mal in Donaueschingen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es wird gar über eine dauerhafte Klanginstallation, die in der Pergola vor den Donauhallen ständig ein Zeugnis von den Musiktagen liefern soll, nachgedacht. Der Künstler selbst hat vor Ort schon geprobt, um die Feinabstimmung vornehmen zu können.

"Die Klangkunst ist in den vergangenen Jahrzehnten zu unserem wichtigsten Labor geworden", sagt der Köhler-Nachfolger Björn Gottstein, der seit 2015 die Künstlerische Leitung der Musiktage übernommen hat. "Von der Klangkunst haben wir gelernt, wie man dem Klang eine Bedeutung verleiht, wie Kontext auf den Klang wirkt und wie ein Klang uns und unsere Körper affiziert." Die Klanginstallationen wären aber auch wichtig für die Öffnung der Musik in den öffentlichen Raum hinein gewesen. "Gerade in Donaueschingen haben die Installationen ein ganz neues Publikum angesprochen", so Gottstein.

Wegweisende Klangkunst-Arbeiten der vergangenen Jahre waren für Gottstein die auf mehrere Räume verteilte Installation "von der Wiege bis zum Graab" von Georg Nussbaumer im Jahr 2003, die einen Flügel als Synonym von Wiege, Bahre, Wanne und oder auch Sarg zu einem lebensumspannenden Universal-Instrument machte. Oder auch "wasserspiegel" von Bernhard Leitner, der in den sogenannten Donautempel ein architektonisch autarkes Element einfügte, durch das das Geräusch des in die Brigach herabfallenden Wassers der Donau im Tempel gebündelt hörbar und somit der Tempel akustisch gestaltet und belebt wurde. Und schließlich – aus dem Jahr 1993 – "FM o99.5" von Franz Martin Olbrisch, ein 48-stündiges durchkomponiertes Radioprogramm, das sich aus mehr als 2.000 Ausschnitten aus dem Tonarchiv der Donaueschinger Musiktage zusammensetzte und mit dem der Komponist eine Art musique concrète der Neuen Musik schuf.

In diesem Jahr stellt das Klangkunstprogramm der Donaueschinger Musiktage Arbeiten von Carlos Gutiérrez Quiroga, Zimoun, Liping Ting, Magdi Mostafa und Younes Baba-Ali vor, die einen Zusammenhang zwischen Lebenswirklichkeiten, kulturell geprägten Klangvorstellungen und den verwendeten Materialien herstellen.

Musiktage bieten von Freitag bis Sonntag fünf verschiedene Klanginstallationen

Die Klangkunst gibt es dieses Mal an fünf Stationen in der Stadt. Am morgigen Freitag findet von 17 Uhr bis 19 Uhr ein Eröffnungsspaziergang und eine Führung mit der Kuratorin Julia Gerlach statt. Treffpunkt ist die Alte Hofbibliothek. Die Klanginstallationen gibt es dann am Freitag von 17 Uhr bis 20 Uhr, am Samstag, 20. Oktober, von 10 Uhr bis 20 Uhr und am Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr.

  • Museum Art-Plus: Der Schweizer Künstler Zimoun stellt zwei Installationen vor, die den Raum mit mechanischen Klangerregern in rhythmisch komplexe Zeitstrukturen verwandeln. Die Eröffnung findet am heutigen Donnerstag um 19 Uhr statt.
  • Fischhaus: Carlos Gutiérrez Quiroga und Tatiana López Churata zeigen mit "iiiiuuiiii uuiiiuu" Klangskulpturen, bei enen "pfeifende Gefäße" aus den Anden eine große Rolle spielen und die psychoakustischen Instrumentalklängen der Aymara, einer indigenen Andengesellschaft, erklingen.
  • Alte Molkerei: Liping Ting verteilt sein "Water – Timing series L.) Licht Leuchten" auf vier Räume und verwendet für sein Werk Papier, Steine und Klang. Der erste Raum widmet sich den Sternen, der zweite dem Leben, der dritte den Flugschatten und der vierte dem Helligkeitshunger. Die Aufführungen finden am Freitag 18.15 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils um 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr statt.
  • Alte Hofbibliothek: Im Gewölbekeller zeigt Magdi Mostafa "Surface of Spectral Scattering". Dabei handelt es sich um eine interaktive Licht-Klanginstallation, die ähnliche Auswirkungen haben soll wie Phantomschmerzen.
  • Heinrich-Feurstein-Schule: In der Turnhalle zeigt Younes Baba-Ali "Tic Nerveux". Dabei handelt es sich um einen Drei-Kanal-Videoinstallation, die das nervöse Klicken dreier Stifte in aysnchroner Abfolge zeigen.