Was Konrad Hall vor rund sieben Jahren mit dem Verein "Mach Mit!" ins Leben gerufen hat, trägt inzwischen reiche Früchte: Das vor gut fünf Jahren gegründete Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen an der Haldenstraße hat inzwischen schon rund 54 000 vorwiegend jugendliche Besucher aus der Region zwischen Bodensee und Kinzigtal, vom Breisgau bis ins benachbarte Schwäbische oder aus der Schweiz und Österreich angelockt. Bei vielen Kindern und Jugendlichen wird der Forscher-Instinkt geweckt: Das Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen ist ein Renner.

Denn wo sonst ist so viel spannende Technik in gut durchdachten Modulen aufgebaut? Sie setzen die Fantasie der Kinder frei, Technik lädt ein zum Spiel ohne Grenzen. Und so testen sie, in weiße Labormäntel gehüllt, die Dichte von bestimmten Textilien und Leder, sie bringen mit kräftigem Strampeln auf Fahrrädern einen Dynamo zum Surren, bis die Blaulichter auf ihrem Kopf mit Strom versorgt werden und zu blinken beginnen. Eine Station weiter geht es um Brechungen und Wellenbewegungen des Wassers, oder man kann einen kleinen Roboter programmieren, so dass er gelbe und rote Golfbälle exakt auf ein Lochbrett positioniert.

Die Brechnung von Wellen und Wasser entdecken: Im Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen gehen "junge Forscher" spielerisch auf die Spur der Naturgesetze. (Von links) Tido, Lucas, Philipp, Aaron, Tim, Jonathan und Luis unter dem kritischen Blick von Papa Steffen Schneider-Strittmatter. Bild-Archiv: Manfred Beathalter
Die Brechnung von Wellen und Wasser entdecken: Im Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen gehen "junge Forscher" spielerisch auf die Spur der Naturgesetze. (Von links) Tido, Lucas, Philipp, Aaron, Tim, Jonathan und Luis unter dem kritischen Blick von Papa Steffen Schneider-Strittmatter. Bild: Manfred Beathalter

Wissenschaften sind erlebbar, sie machen neugierig auf Energie, Magnetismus, Hören, Sehen und Riechen. Mechanik, Informatik oder Chemie und Physik, Bewegung und Stillstand. In einem neuen Workshop können Kinder ab der zweiten Klasse eine Reise in das Innere unserer Körper unternehmen, und von den Anfängen der Chirurgie bis zur modernen Medizintechnik und Endoskopie die Medizin kennenlernen.

Im Hintergrund steht der Trägerverein "Mach Mit!", den der Donaueschinger Bauingenieur und CDU-Stadtrat Konrad Hall im Mai 2011 gegründet hat. Bis heute ist Hall als dessen Vorsitzender überzeugt, dass Kinder schon frühzeitig ein Gespür für Technik und "clevere" Produkte entwickeln können. Das Ziel des Museums: Kinder sollen so für diese Bereiche des Lebens sensibilisiert und so zu "Detektiven des Alltags" gemacht werden.

Energie fürs Blaulicht mit dem Fahrrad erstrampelt: Das Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen ist ganz nach dem Geschmack der jungen Techniker (von links) Lucas, Philipp, Tim, Jonathan, Aaron, Luis und Tido aus Immendingen. Bilder: Manfred Beathalter
Energie fürs Blaulicht mit dem Fahrrad erstrampelt: Das Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen ist ganz nach dem Geschmack der jungen Techniker (von links) Lucas, Philipp, Tim, Jonathan, Aaron, Luis und Tido aus Immendingen. Bild: Manfred Beathalter

Im Mittelpunkt steht das "Cradle to Cradle"-Konzept, von der "Wiege zur Wiege". Es ist eine Idee, die von dem deutschen Chemie-Professor Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt wurden: Stoffe und Produkte der Natur zerlegen sich nach einem gewissen Zyklus wieder in ihre Bestandteile, werden dann aber nicht zu Abfall, sondern zu neuen Nährstoffen für Folgeprodukte.

Ein "Museum zum Anfassen", darin sieht Sibylle Koch, die mit ihren Führungen durch das Museum begeistert, das Erfolgsrezept. "Kinder sind ganz scharf darauf, dass man selber etwas machen und anfassen kann", sagt sie. Ihre Erfahrung zum Beispiel aus dem CO-2 Workshop: "Die Kinder kommen immer wieder, man merkt, dass bei ihnen ganz viel hängen bleibt." Nach anfänglichem Widerwillen entdecken manche erst den Spaß an der Sache, "wenn sie dann gehen, sind sie begeistert und strahlen."

Vorstandsmitglied Sigrid Zwetschke ist überzeugt, "dass Kinder von Grund auf neugierig sind und hier auf spielerische Art gefördert werden". Beate Reichert- Klaus ergänzt: "Es ist spannend, weil man vieles im Team erarbeiten muss und weil die Kinder entdecken, dass sie sich etwas zutrauen können." Und mit jungen Tutoren könne man sich offen austauschen.

Ich weiß es: Junge Forscher im Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen auf der Spur der Technik: (von links): Lucas, Aaron, Tim, Jonathan, Philipp, Luis und Tido. Bild-Archiv: Manfred Beathalter
Ich weiß es: Junge Forscher im Kinder- und Jugendmuseum Donaueschingen auf der Spur der Technik: (von links): Lucas, Aaron, Tim, Jonathan, Philipp, Luis und Tido. Bild: Manfred Beathalter

Zu Museum und Trägerverein

  • "Mach Mit!" ist der Förderverein, der im Hintergrund des Kinder- und Jugendmuseums (KiJuMu) Donaueschingen steht und vor fünfeinhalb Jahren das KiJuMu Donaueschingen in der alten Hofbibliothek, Haldenstraße 5, ins Leben gerufen hat. In einer Mitgliederversammlung am Mittwoch zog Konrad Hall, Vorsitzender und Initiator des Projekts, erneut eine erfolgreiche Bilanz: Seit Start des Museums sind 54 000 vorwiegend junge Besucher zwischen sechs und 15 Jahren gezählt worden. Im vergangenen Jahr waren es 9800 Besucher, im Rekordjahr 2016 wurden 11 000 Besucher gezählt.
  • Tutoren sind Jugendliche, vor allem aus dem Fürstenberg-Gymnasium. Sie haben 2017 insgesamt 220 Workshops für private Besuchergruppen, für Kindergärten und Schulen veranstaltet. Dabei geht es um neue Abfallkonzepte genauso wie um Piraten, um neue Produkte und Design, um die Wahrnehmung, um Zahnräder und Getriebe, um Energie oder die Herstellung von Schokolade nach dem Code der Azteken.
  • Die Finanzierung steht. 40 000 Euro stellt jedes Jahr die Stadt Donaueschingen zur Verfügung aber auch große Sponsoren wie IMS Gear, die Tuttlinger Aesculap, Straub Verpackungen aus Bräunlingen, Frei-Lacke oder Kendrion Magnete. Es bestehen Kooperationen mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis und der Hochschule Furtwangen. Der Etat lag 2017 bei rund 140 000 Euro. Damit müssen unter anderem Personal und Tutoren bezahlt werden und die Räume an der Haldenstraße, was 100 000 Euro ausmacht.
  • Lob für die Arbeit überbrachte FDP-Stadtrat Niko Reith. Der Verein "Mach Mit!" und das Museum seien etwas Besonderes, sagt er. Konrad Hall, dem "Impulsgeber" sei es zu verdanken, dass Donaueschingen diesen "Marken-Kern und ein Alleinstellungsmerkmal" bekommen habe. "Das Kinder- und Jugendmuseum stellt einen Schmelztiegel dar. Es fördere gesellschaftliche Kompetenzen "und es ist wertvoll für unsere Stadt." (bea)

Infos im Internet: http://www.kijumu-donaueschingen.de

Telefon: 0771/92947426