Eine feurige Gulaschsuppe und Volkstänze in rot-weiß-grüner Landestracht waren über Jahre das Markenzeichen des Freundeskreises Vác beim Herbstfest in Donaueschingen. Bei der jüngsten Festauflage war das anders. Die seit einigen Monaten währende Führungskrise wurde für alle Festbesucher sichtbar. Mit Minimalaufwand wurde lediglich ein Stand mit ungarischer Salami und Weinen angeboten. Der traditionelle Besuch einer Schülergruppe aus Vác musste aus organisatorischen Gründen kurzfristig abgesagt werden. Diese Lücke füllte eine ungarische Tanzgruppe aus Deutschland optisch auf.

Dieses erste Herbstfest auf Sparflamme war bereits in der Hauptversammlung des rund 80 Mitglieder zählenden Vereins vor einigen Monaten entschieden worden, weil es an Mitmachbereitschaft fehlte und der Verein nach Ablauf der Amtszeit des langjährigen Vorsitzenden Artur Zwetschke seit rund einem Jahr führungslos ist.

Das Dilemma hat sich über Jahre entwickelt. Dem inzwischen 22 Jahre alten Verein fehlen jüngere Mitglieder, die das Ruder übernehmen könnten. Neben Artur Zwetschke sind inzwischen auch der Kassier Willi Hönle und die Schriftführerin Renate Koloczek aus ihren Ämtern ausgeschieden. Neben der schwierigen Ämterbesetzung ist zudem das Interesse Donaueschinger Jugendlicher an Vác-Reisen deutlich zurück- gegangen und umgekehrt können sich ungarische Jugendlichen die Fahrt auf die Baar nicht leisten.

Apropos Geld. Hier übt der frühere Kassier Willi Hönle offen Kritik an der Stadt. Es sei doch Aufgabe der Stadt, die Städtepartnerschaften zu pflegen. Ein Freundeskreis könne da nur unterstützend wirken. „Die finanziell Unterstützung der Stadt wurde in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgefahren, Wir haben zuletzt die Flüge für die Schüler über die Herbstfesterlöse bezahlt und die Stadt hat dafür den Zuschuss vom Regierungspräsidium erhalten und einbehalten.“

Die Stadt wiederum hat ihr Versprechen eingehalten, sich um eine neue Führung zu bemühen. So hat sie Bürger mit ungarischen Wurzeln angeschrieben. Doch auch aus diesem Kreis fand sich bislang niemand, der Verantwortung im Freundeskreis übernehmen möchte. Hönle rechnet damit, dass es angesichts der anhaltenden Krise bald eine weitere Mitgliederversammlung geben und trotz gut gefüllter Kasse die Existenz-Frage erneut gestellt werde.