Katrin Bleier hat ihre ersten fünf Monate in Donaueschingen hinter sich. Die neue Leiterin der Musikschule hat den Einstieg gefunden und sitzt sozusagen im Sattel. Sie kann eine künstlerische Ausbildung an der Klarinette vorweisen, ist gut vertraut mit dem Saxophon, hat Musikpädagogik studiert und sich im Fach Kultur- und Medien-Management auf öffentliche Musikschulen spezialisiert: Gute Voraussetzungen, im traditionsreichen 1596 erbauten Schell‘schen Haus als Chefin die Zügel zu übernehmen.

Hier kann nun die Nachfolgerin von Gerhard Eberl, der Donaueschingen Richtung Markdorf verlassen hat, jede Menge musikalische Brötchen backen. Immerhin war dieses Haus nicht nur einst Fürstenbergische Lateinschule, sondern von 1883 bis 1969 auch Hofbäckerei. Bleiers Aufgabe wird darin bestehen, musikalischen Talenten den Weg in die Zukunft zu ebnen. So um die 1600 Schüler und 50 Lehrer hat die Musikschule vorzuweisen. Das ist einerseits ein Zeichen für eine erfreuliche Entwicklung, andererseits wird der Platz knapp für die zahlreichen Kurse. Da trifft es sich gut, dass die Dozenten mehr und mehr mit Außeneinsätzen in andere Schulen ausweichen und sich dadurch die räumliche Situation am Rieple-Platz entspannt.

Jedenfalls prägt die Musikschule seit gut 50 Jahren die Musikstadt Donaueschingen: Mitglieder von Chören, Musikvereinen, Kindergärten oder allgemeinbildenden Schulen machen hier ihre ersten musikalischen Schritte, Landes- und Bundespreisträger gehen aus dem Haus hervor, den Feinschliff machen die Donaueschinger Musiktage oder die benachbarte Hochschule in Trossingen. Aber sie alle arbeiten am Ruf der Stadt als Hochburg musikalischen Schaffens.

„Der Start ist geglückt, die Arbeit macht Freude“, sagt Katrin Bleier. Sie stammt aus Zell am Harmersbach im Kinzigtal und ist seit dem 1. Juni auf der Baar. Sie nennt sich einen „Team Player“, will zunächst die Gegebenheiten vor Ort kennen lernen und daraus Ziele entwickeln. Eines hat sie bereits fest im Blick: „Es geht mir darum, die Musikschule für alle möglichen Interessenten zu öffnen. Große Talente zu fördern und musikalische Breite zu vereinen, das widerspricht sich nicht“, ist die neue Leiterin überzeugt, „Musik für alle“, so beschreibt sie ein Ziel, „denn gute Talente findet man, wenn man auch die Breite anspricht.“

Konkret nennt Katrin Bleier das Projekt im Altenheim St. Michael, in dem Peter Stelzl, Fachbereichsleiter für Posaune und Tuba, in einem Kurs für Veeh-Harfen die Möglichkeit eröffnet, sich ohne große Vorkenntnisse auch im Alter musikalisch zu betätigen. Ein weiteres Projekt: Gemeinsam mit Kunstschule und Kaufmännischer und Hauswirtschaftlicher Schule (KHS) wird ein Cajón-Workshop ins Leben gerufen. Dabei lernen die Teilnehmer, das Spielen auf der „Kistentrommel“, ein Schlag- und Percussions-Instrument, das ursprünglich aus Peru kommt. Der Kurs ermöglicht jungen Flüchtlingen aus der KHS künstlerische Fähigkeiten zu entdecken.

„Ich freue mich darüber, dass die Musikschule ein Teil des Bildungsangebots in der Musikstadt Donaueschingen ist“, sagt Katrin, „es wäre ganz toll, wenn das auch weiterhin so bleibt.“ Und so sind nahezu alle Instrumente an der Musikschule zu erlernen. Flöte, Klavier, Fagott, Harfe Cello und alle Streichinstrumente, Gesang aus Pop und Klassik, Schlagzeug: Die Musikschule, die vergangenes Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte, „deckt im Prinzip alle Wünsche von Kursteilnehmern ab“.

Musikschule und Musiklehrer an den Schulen der Stadt seien Partner der gemeinschaftlichen Arbeit. Katrin Bleier nennt den Saxonett-Kurs, der mit den Kindern der Eichendorffschule läuft: Das Saxonett hat ein Mundstück ähnlich wie es Klarinette oder Saxophon haben und entspreche in der Griffweise der Blockflöte. „Das ermöglicht den Umstieg auf die beliebten Instrumente, die in Vereinen oder Bands gefragt sind.“ Und schließlich ist die Musikschule in die Zusammenarbeit mit der Hochschule in Trossingen eingebunden: Einer der Motoren ist Klavierlehrer Michael Kanczyk. Für die Trossinger Musikstudenten bedeute dieses Projekt methodische Schulung, für die Schüler der Musikschule Donaueschingen bringe es viel Erfahrung, mit Studenten zu arbeiten.

Kooperationen mit Schulen und Musikvereinen soll weiter ausgebaut werden

  • Zur Person: Katrin Bleier ist 1984 in Offenburg geboren, sie wächst in Zell am Harmersbach/Kinzigtal auf. An der Musikhochschule Karlsruhe Studium der Musikpädagogik und künstlerische Ausbildung im Hauptfach Klarinette, Kultur- und Medienmanagement im Fernstudium. Sie unterrichtet von 2008 bis 2016 Klarinette und Saxophon an den Musikschulen Schwieberdingen, Bad Schönborn und Filderstadt, unterrichtet in Musikvereinen. Mitarbeit im Badischen Staatstheater Karlsruhe und in der Philharmonie Baden-Baden, beim Landespolizeiorchester Baden-Württemberg, in der Radiophilharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern. Katrin Bleier ist Dozentin und Jurymitglied beim Blasmusikverband Baden-Württemberg. (bea)
  • Die Musikschule: Die Schüler- und Belegungszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gleichbleibend. Wegen der steigenden Schülerzahlen im Bereich "Tiefes Blech" und der Nachfrage nach Fagottunterricht mussten zwei neue Honorarkräfte eingestellt werden. Die Kooperation mit der Volkshochschule Baar, wo es Zehnter- und Fünfer-Karten für den Unterricht an der Musikschule gibt, wird gut angenommen. Mit vielen Schulen und Kindergärten der Stadt arbeitet die Einrichtung zusammen. Während mit den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen neue Kontakte zustande kamen, soll die Zusammenarbeit mit der Realschule ausgebaut werden. So wird sich die Musikschule am neuen pädagogischen Konzept der Realschule beteiligen. Mit den örtlichen Musikvereinen besteht bereits eine Kooperation, langfristig sollen weitere hinzukommen, wie beispielsweise in Richtung Brigachtal und Bad Dürrheim. Auch im Stadtgeschehen ist die Musikschule fest verankert. So wirkten die Schüler beispielsweise beim Donauquellfest mit oder präsentierten sich beim Tag der offenen Türe. (jak)