Seit dem 14. Juli ist der Künstler Daniel Beerstecher mit seiner Performance „Walk in Time“ an der Donau unterwegs. Im Rahmen der Donaugalerie Tuttlingen, einem Skulpturenprojekt im öffentlichen Raum, legt er als Living Sculpture (Lebende Skulptur) in einem meditativen Slow Walk täglich in sechs Stunden nur etwa 700 Meter zurück. Ziel ist nach gut 42 Kilometern am 21. September der Flugplatz in Neuhausen ob Eck, wo die Landebahn zu seiner Zielgeraden wird. Die Halbmarathonstrecke hatte er nach 30 Gehtagen geschafft.

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In einer permanenten Live-Übertragung wird die Performance im Museum Art-Plus, in der Städtischen Galerie Tuttlingen und der Kunsthalle Göppingen gezeigt. Aber auch im Internet kann man Daniel Beerstecher auf seiner Homepage www.walk-in-time.de wortwörtlich auf Schritt und Tritt verfolgen. Man sieht dabei nur seine meist verschränkten Hände sowie seine Füße, wie sie sich zeitlupengleich auf wechselndem Untergrund fortbewegen, und nimmt die Umgebungsgeräusche wahr. So wird das bloße Zuschauen bereits zu einer kleinen Meditationsübung, auf die man sich einlassen muss.

Daniel Beerstecher auf seinem Weg.
Daniel Beerstecher auf seinem Weg. | Bild: Stanislaus Plewinski

Diese besonders intensive Form der bewussten Entschleunigung sei eine Antwort auf einen hektischen, tempobestimmten Alltag. „Es soll eine Gegenposition darstellen zum kapitalistischen System, das auf immer weiter fortschreitendes Wachstum angewiesen ist. Diese Entschleunigung erfolgt auf eine radikale Weise. Würde ich das nur vier Tage machen, würde es keinen interessieren“, so der Künstler in einem Interview mit dem Museumspraktikanten Norman Wursthorn.

Selbstüberwachung und Zwang

Indem sich Beerstecher jedoch selbst medial überwacht und sich und sein Tun öffentlich macht, verortet er sich zugleich in eben jener Welt, aus der er auszubrechen versucht. Beerstecher wirft auf diesem Weg Fragen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen auf: das selbstoptimierende Individuum, die Digitalisierung und den gefühlten Zwang, permanent mit der technischen Entwicklung Schritt halten zu müssen.

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Beerstechers Gehmeditation hat ihren Ursprung im Zen-Buddhismus, mit dem er erstmals während eines Auslandssemesters in Japan in Kontakt kam. „Es geht darum, dass man sich auf das Gehen selbst fokussiert. Man konzentriert sich auf jeden einzelnen Abschnitt eines Schrittes: Anheben, Nach-vorne-Setzen, Absetzen, Verwurzeln. Es gibt bis zu sechs Abschnitte, in die ein Schritt unterteilt werden kann. Je mehr man sich auf das Gehen konzentriert, desto langsamer wird man“, erläutert der Künstler.