2004 war es, als die katholische Frauengemeinschaft (KFD) Donaueschingen ihr 75-jähriges Bestehen feierte. „Wir feierten damals im vollbesetzten Sternensaal, außerdem gab es damals von den ‚Jungen Frauen‘ bis zu Gymnastikgruppen noch jede Menge KFD-Unterabteilungen“, erinnert sich Brigitte Schlatter, Mitglied des aktuellen Leitungsteams, an diesen Höhepunkt im Vereinleben.

Um die Jahrtausendwende scharen sich die kfd-Frauen um die legendäre Langzeitvorsitzende Vorsitzende Elisabeth Kronschnabl.
Um die Jahrtausendwende scharen sich die kfd-Frauen um die legendäre Langzeitvorsitzende Vorsitzende Elisabeth Kronschnabl. | Bild: Franz Krickl

Heute aber kämpft die kfd um das Überleben, muss Schlatter, Mitglied des Leitungsteams, einräumen. Allein die Funktionsbezeichnung der Donaueschingerin weist auf den seit Jahren schlummernden Spaltstoff hin. „Einen kompletten Vorstand haben wir schon seit Jahren nicht mehr“, fährt sie fort. Dem Leitungsteam gehören neben Pfarrer Erich Loks, ihr und Roswitha Votteler lediglich zwei weitere Frauen in gewählter Funktion an. Und beide geben ihre Ämter ab. Schriftführerin Agnes Hennch, 70, muss sich verstärkt um ihren Mann kümmern. „Das Amt macht Arbeit. Das geht nicht einfach nebenher“, sagt sie. Und Kassiererin Rita Hansel will sich mit ihren 75 Jahren ebenfalls von ihren Vereinsverpflichtungen zurückziehen. Dem Leitungsteam gehörten dann keine gewählten Mitglieder mehr an.

Ursula Kinzelmann (links) und Traudel Scheu (rechts) ehren im Jahr 1999 die langjährige Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft, Elisabeth Kronschnabl.
Ursula Kinzelmann (links) und Traudel Scheu (rechts) ehren im Jahr 1999 die langjährige Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft, Elisabeth Kronschnabl. | Bild: Franz Krickl

Wenn nun bei der Generalversammlung am Mittwoch, 22. Januar, 18.30 Uhr, im Mariensaal über die Zukunft der KFD diskutiert wird, besteht dennoch Hoffnung. Das sagt Gabi Fuchs-Bechinger. Sie ist auf Diözesanebene Bildungsreferentin und bei der Problematik Vorstands-Besetzungen – bei 600 kfds in der Diözese ein regelmäßiges Thema – für die Begleitung von Frauengemeinschaften auf der Baar zuständig. In den vergangenen Monaten habe es intensive Gespräche gegeben, zuletzt auch diese Woche.

Das Bundesverdienstkreuz am Bande bekam die gute Seele der kfd, Elisabeth Kronschnabl, im Jahr 2001 von Oberbürgermeister Bernhard Everke überreicht.
Das Bundesverdienstkreuz am Bande bekam die gute Seele der kfd, Elisabeth Kronschnabl, im Jahr 2001 von Oberbürgermeister Bernhard Everke überreicht. | Bild: Franz Krickl

Diese würden sich eventuelle auszahlen: Läuft alles nach Plan, dann dürfen Hennch, Hansel und Schlatter wie gewünscht ihre Posten aufgeben. „Es zeichnet sich ab, dass sich Frauen zur Wahl stellen werden“, so Fuchs-Bechinger. Damit könne die KFD zumindest mit einem reinen Pflichtprogramm weitergeführt werden. Unterstützt durch Schulungen und organisatorische Hilfe vom Diözesanverband könnte sich ein Kernvorstand etablieren und weitere engagierte Frauen anziehen, so die Hoffnung. Denkbar wäre eine heute gar nicht sichtbare Entwicklung, ein Neuanfang außerhalb ausgetretener Pfade. Eine Chance also, die sich aus der Krise entwickeln könnte.

Der Forbestand lässt sich nicht erzwingen

Für Brigitte Schlatter, die sich auf Diözesanebene für den Sozialverband berufstätiger Frauen engagiert und in Donaueschingen Gottesdienste organisiert und Fachwissen weiterträgt, kommt ein Vorstandsamt nicht mehr in Frage. Auch weil sich die 66-Jährige um ihre pflegebedürftige Mutter kümmert. Roswitha Votteler, bisher Beisitzerin, könnte es sich vorstellen, im Vorstand weiterzuarbeiten. Sie findet es schade, dass dem ältesten Frauenverband der Welt in Donaueschingen das Ende droht. Doch der Fortbestand lasse sich nun mal nicht erzwingen. „Unsere Mitglieder sind in einem hohen Alter, Junge kommen kaum neu dazu.“ Überdies wirke das Katholische heute leider eher abschreckend als verbindend.

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Es lief zuletzt zu rund. Davon ist Brigitte Schlatter überzeugt. Nach den jahrzehntelangen Leitungsfunktionen von KFD-Ikonen wie Antonie Stocker oder Elisabeth Kronschnabl habe sich eine geräuschlos funktionierende Vorstandsarbeit als Selbstverständlichkeit eingespielt. Auch die Mitgliederzahlen, aktuell rund 130, seien über die Jahre eher stabil. „Das lief einfach“, so Schlatter.

„Die Frauen waren damals froh, von zu Hause weg zu kommen.“
Brigitte Schlatter.

Um die heutige Situation zu verstehen, müsse man sich etwa 50 Jahre zurückversetzen: Damals gab es für Frauen auf dem Land wenig Felder, wo sie wirken und vor allem entscheiden konnten. Und die KFD sei nach Einschätzung der mit allen Rechten ausgestatteten Männer noch die harmloseste Form der Freizeitgestaltung für deren Ehefrauen. „Die Frauen waren damals froh, von zu Hause weg zu kommen“, so Schlatter. Heute haben junge Frauen einen Beruf, Kinder und wenn es die Zeit erlaubt, vielfältige Freizeitmöglichkeiten von Sport bis Fortbildung. Kaum Chancen für die kfd, der ein katholisch-konservativer Nimbus anhängt. ‚Dabei könnte man Veränderungen eher von innen vorantreiben, so Brigitte Schlatter.