Einer Stadt ist daran gelegen, neue Bewohner anzulocken. Das sorgt für Wachstum und sprudelnde Steuern. Das Problem: zur Verfügung stehendes Bauland für Wohngebiete ist begrenzt. Irgendwann gehen schlicht die Flächen aus. "Wenn ich auf die 36 Jahre meiner Amtszeit zurückblicke, dann erschrickt man schon darüber, welche Mengen an Flächen in Anspruch genommen wurden", sagt Bürgermeister Bernhard Kaiser. "Innerhalb von 50 Jahren hat sich das verdoppelt", erklärt Gerhard Bronner, Berater vom Umweltbüro Donaueschingen. Wie kann eine Lösung für das Problem aussehen?

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Das Projekt

Dazu hat der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen ein entsprechendes Projekt mit dem Titel "Flächenmanager" gestartet. Das hatte zum Ziel, Flächen aufzuzeigen, die innerstädtisch noch nutzbar wären. Den Fokus auf Optimierung, nicht auf Expansion. Das verfügbare Potenzial soll festgestellt werden. "Wir haben in der Vergangenheit bereits Baulücken erfasst. Jetzt ging es etwa auch darum, Leerstände zu erfassen. Gerade in Dorfkernen stehen viele Gebäude leer", so Bronner.

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Intensive Beratungen

Das Projekt ist Anfang 2019 zu einem Abschluss gekommen. Einem positiven, bestätigen Kaiser, Bronner und die Donaueschinger Stadtplanerin Lara Maria Schneider. "Eigentümer wurden mehrfach angeschrieben und wir hatten rund 100 intensive Beratungen mit Leuten, die konkret in ein Projekt investieren wollen. Für viele war die Anfrage vom Projekt Flächenmanager der letzte Anstupser, der noch nötig war", erklärt der Umweltberater. Dazu gab es eben die Beratung von Immobilieneigentümern und Investoren, sowie Bürger-Informationen rund um das Thema Innenentwicklung.

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Der Erfolg soll fortgeschrieben werden

"Wir wollen die Beratungen mit Eigenmitteln fortführen", sagt Bronner. Die dürfe man sich nicht als kurze Gesprächsrunden vorstellen. Je nach Hintergrund und Vorhaben könne sich das auch schon mal auf ein ganzes Jahr ziehen. Schwerpunktmäßig wurden im Projekt die Donaueschinger Ortsteile Pfohren und Hubertshofen, der Bräunlinger Ortsteil Döggingen und der Hüfinger Ortsteil Hausen vor Wald bearbeitet. Dabei habe es entsprechende Schulungen für die jeweiligen Ortsvorsteher gegeben, die "eine wichtige Rolle bei der Kommunikation mit den Eigentümern spielen", so Bronner.

Senioren als Potenzial

Wichtiger Punkt bei der Potenzial-Erfassung: Senioren. So gab es etwa einen Vortrag zum Thema vorgezogene Erbfolge. Wie regelt ein allein im Haus lebender Senior, wie es nach seinem Tod mit dem Besitz weitergeht? Bei alleinstehenden Senioren über 70, die in großen Häusern leben, ist der Leerstand absehbar. "Für manche gibt es die Möglichkeit, im passenden sozialen Umfeld eine kleine Wohnung zu beziehen", so Bronner. Das Projekt beschäftigte sich mit der Frage, wie es gelingen kann, dieses Potenzial freizusetzen. 17 Beratungen habe es dazu in Donaueschingen gegeben, zehn weitere Interessenten stehen parat.

Förderung mit Fokus auf Innenentwicklung

Entsprechend fällt auch die städtische Förderung aus: Bisher habe man den Fokus auf Familien gelegt, jetzt konzentriert sich das auf die Innenentwicklung. "Wir wollen einen definierten Bereich mit einem bestimmten Förderbetrag nutzen", sagt Kaiser. Die Kinder sind dabei nicht gänzlich verschwunden: Wer sich für ein Projekt der Innenentwicklung entscheidet, etwa ein altes Haus in der Innenstadt wieder aufhübscht, bekommt auch eine Förderung für Kinder. "Wir haben das als Verwaltung letztes Jahr bewusst geändert und es wird sehr in Anspruch genommen", so Kaiser weiter. Pro Jahr gebe die Stadt dafür etwa 250 000 Euro aus.

Vorteile aus dem Projekt seien auch, dass nicht nur Informationen an die Bürger gehen, sondern auch die Stadtplaner erfahren, was deren Bedürfnisse seien: "Das weicht oft von dem ab, was ein Investor gerne umsetzen möchte. So können wir etwa in Sachen Seniorenwohnung erfahren, wie die Bedürfnisse der Bürger aussehen", sagt Stadtplanerin Schneider.

Wie läuft das Angebot bei der Stadt weiter?

Vorstellbar sei hier das Stadtbauamt als Ansprechpartner: "Hier laufen die Bauwünsche auf. Außerdem sind die Ortsvorsteher mit im Boot", so Kaiser. Auch das Umweltbüro sei weiter Ansprechpartner. Zudem sei ein Projekt geplant, dass sich speziell mit Senioren befasse.

Gemeinderäte und Ortsvorsteher loben das Konzept und wollen die Arbeit fortsetzen

  • Marcus Greiner (CDU): "In Summe ist das eine sehr erfolgreiche Sache", so Greiner. Einen Wermutstropfen gebe es allerdings: Es sei bei "betagten Personen" sehr schlecht angekommen, dass sie angeschrieben worden seien, ob sie quasi nicht endlich ins Altersheim ziehen wollten.
  • Bertolt Wagner (FDP/FW): "Das Projekt ist an Nachhaltigkeit nicht zu überbieten", erklärt der FDP/FW-Fraktionssprecher. Es sei wichtig, sich der Innentwicklung anzunehmen und den Flächenverbrauch zu reduzieren.
  • Gottfried Vetter (SPD): Beim Thema Innentwicklung komme es darauf an, "am Ball" zu bleiben und "immer mal wieder nachzufassen".
  • Franz Wild (GUB): "Das Projekt hat sich geradezu als Glückgriff erwiesen", sagt der GUB-Stadtrat. Es müsste auch ohne die entsprechende Förderung weitergeführt werden.
  • Herrmann Widmann (CDU): Wichtig für die Ortskerne sei auch das entsprechende Förderprogramm, das die Stadt biete. "Das wird so gut angenommen, weil es im Vergleich zu anderen Programmen einfach unkompliziert ist und man eine Seite ausfüllen muss und dann sein Geld bekommt", erklärt der CDU-Stadtrat.
  • Irmtraud Wesle (CDU): In Pfohren sei die Innenentwicklung mit fünf Projekten "im Fluss". Allerdings sei der Denkmalschutz auch ein Problem. Es gebe Projekte, die irgendwann einmal auf der Liste gelandet wären und so die Entwicklung hemmen würden. "Es gibt keine höhere Hürde als den Denkmalschutz", so die CDU-Stadträtin.
  • Gerhard Feucht (Pfohren): "Es kommt darauf an, zum richtigen Zeitpunkt da zu sein", sagt der Pfohrener Ortsvorsteher . Denn viele der freien Flächen im Ortskern wären in privater Hand und würden als Kapitalanlage verwendet. "Das Thema Innenentwicklung ist ein Dauerthema und muss unbedingt weiter verfolgt werden."
  • Horst Hall (Aasen): Laut dem Aasener Ortsvorsteher sei ein "gewisser" Erfolg zu verspüren und es werde über das Thema gesprochen. Allerdings müsse auch in dem Falle, dass sich einer für ein innerörtliches Projekt entscheide, der Weg geebnet werden. "Es muss alles Mögliche getan werden, um den Interessenten die Steine aus dem Weg zu räumen und ihm keine Prügel – ob es nun gewollt oder ungewollt ist – in den Weg zu werfen."
Stephanie Jakober