Wenn eines sicher ist, dann das: Immer wenn die Mitglieder des Donaueschinger Schwarzwaldvereins den neuen Wanderführer durchblättern, dann finden sie dort seit einigen Jahren eine Reise, die nach Ostdeutschland beziehungsweise in die fünf neuen Bundesländer führt. Weshalb das so ist? Weil mit Renate Seifert die frühere Vorsitzende der Schwarzwaldfreunde in ihre Geburtsstadt Gera zurückgekehrt ist, und weil sie ihren vielen Freunden und Bekannten aus gemeinsamen Donaueschinger Zeiten gerne ihre Heimat und deren wunderschöne Landschaften näherbringen möchte. 2019 führt die Fahrt nach Leipzig, wo im Spätsommer eine Kultur- und Wanderwoche wartet. Mit dabei sein wird wie immer Renate Seiferts Lebensgefährte, der Bräunlinger Harry Berger. 50 Personen haben sich bis jetzt schon angemeldet.

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Renate Seifert erhielt 1995 das Angebot, für ihren Arbeitgeber, eine Bauträgergesellschaft mit Filiale in Gera, an deren Stammsitz in Bonndorf zu wechseln. Da ihre beiden Kinder zu dieser Zeit aus dem Gröbsten raus waren, entschied sie sich, die neue berufliche Herausforderung anzunehmen und nach Donaueschingen zu ziehen. Der Erstkontakt mit dem Schwarzwaldverein folgte zwei Jahre später. „Ich las in der Zeitung, dass der Verein eine Versammlung hat und dass dazu auch Nicht-Mitglieder eingeladen sind. Also ging ich da hin und mir hat es gleich so gut gefallen, dass ich noch an diesem Abend einen Mitgliedsantrag unterschrieben habe.“

Die heute 72-Jährige weiß auch noch ganz genau, wohin die erste Tour mit dem Schwarzwaldverein führte: Es ging an den Rheinfall bei Schaffhausen, verbunden mit einer 18-Kilometer-Wanderung. „Ehrlich gesagt war ich nach dem Marsch fix und fertig. Aber ich dachte mir, wenn ich das packe, dann bin ich hier richtig.“ Apropos Kondition: Seifert und Berger planen bei ihren Studienfahrten häufig zwei Touren: eine längere für die Wanderer, die sich gerne auspowern wollen und eine kürze für diejenigen, die sich nicht so sehr anstrengen wollen oder können. „Mein Lebensgefährte übernimmt die längeren Touren. Spaßeshalber haben ihn die Teilnehmer deshalb auch schon Schinder-Harry genannt.“

Es hat gar nicht lange gedauert, da betrauten die Schwarzwaldvereins-Mitglieder Renate Seifert mit Vorstandsfunktionen. Als Sekretärin war sie geradezu prädestiniert dazu, die Schriftführung zu übernehmen. Sie machte die Ausbildung zur Wanderführerin und vor ihrer Rückkehr nach Gera stand sie für drei Jahre sogar an der Spitze des Vereins, heute ist sie immer noch Beirätin. „Ich kann zwar nicht an allen Besprechungen teilnehmen, bekomme aber die Protokolle zugeschickt“, erzählt Rernate Seifert. Und als Stadt- und Schlossführerin brachte sie Urlaubern ihre neue Heimat näher. Sie weiß noch, wie sie sich mithilfe von FF-Archivar Andreas Wilts das dafür notwendige Know-how erarbeitet hat. Nach Gera hat es sie wieder gezogen, weil sie ihre Enkel, sie sind elf und acht Jahre alt, beim Erwachsenwerden begleiten will.
Doch die Baar bleibt so etwas wie der Zweitwohnsitz von Renate Seifert, und wenn sie und ihr Partner von einer gemeinsamen Reise zurückgekehrt sind, dann lassen sie andere gerne an ihren Erlebnissen teilhaben. So veranstalteten die beiden vor Kurzem einen Vortrag über ihre dreiwöchige Kanada-Reise im „Grünen Baum“. „Da haben uns 35 Menschen begrüßt“, sagt Reante Seifert, die sich über diese große Resonanz riesig gefreut hat.

Überhaupt: „Der Schwarzwaldverein hat mir so viel gegeben, er hat mein Leben bereichert“, so Renate Seifert. Nie habe ihr gegenüber jemand den „Besser-Wessi“ heraushängen lassen. Ihr gefällt die gelebte Kameradschaft und dass sich so viele verschiedene Mitglieder in die Vereinsaktivitäten einbringen, auch außerhalb des offiziellen Programms. So erinnert sie sich an gemeinsame Singabende, zu denen Mitglieder eingeladen hatten, die dafür Zuhause genügend Platz haben. Oder an die Grillnachmittage am Kirnbergsee, wo ein weiterer Schwarzwaldfreund ein Grundstück besitzt. Und als ihre „Kaffeedamen“ nach Gera fuhren, um ihr einen Besuch abzustatten, da hüpfte das Herz vor Freude.
Solange die Gesundheit mitmacht, will Renate Seifert weiterhin für den Schwarzwaldverein aktiv bleiben – weil es ja, wie sie sagt, „das eigene Leben bereichert, anderen Menschen ein Freude zu machen“.