Donaueschingen – Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen begeistert, wenn bei den Drachentagen sich die verschiedenen Objekte im Wind wiegen. Die Drachenbauer sprechen gar vom Virus, der sie infiziert hat. Im Gespräch mit ihnen springt regelrecht der Funke für dieses kreative Hobby über. Manche, wie zum Beispiel Petra Fink und Andrea Deberling aus Veringenstadt, zieht es bis nach Fanö in Dänemark, einem Treffpunkt für Drachenfreaks aus aller Welt. Dort habe es sie 2001 erwischt. Seit 2003 bauen sie Drachen und sind regelmäßig bei den Donaueschinerg Drachentagen zu Gast.

Rund 50 Drachen haben die beiden Freundinnen in dieser Zeit gebaut, 20 davon werden sie am 20. und 21. Mai, auf dem Donaueschinger Flugplatz präsentieren. "Unser Schwerpunkt liegt zu 40 Prozent auf historischen Baumwolldrachen, 60 Prozent unserer Drachen sind mit moderneren Materialien gebaut, mit Spinnacker", erklärt Petra Fink. Spinnacker sei eine stärkere, imprägnierte Folie, der Feuchtigkeit weniger ausmacht. Wohingegen Baumwolle nur bei schönem Wetter fliegen sollte. Spinnackerdrachen kriege man auch günstig beim Discounter etwa, aber "die fliegen nur, wenn die Dachpfannen auch fliegen", so Fink lachend. Das sei für Kinder richtig frustrierend.

Christof Deggelmann von der Reichenau lässt sich viele ungewöhnliche Drachenkreationen einfallen. <a href="http://Bild: Christof Deggelmann">Bild: Christof Deggelmann</a>
Christof Deggelmann von der Reichenau lässt sich viele ungewöhnliche Drachenkreationen einfallen. Bild: Christof Deggelmann | Bild: Christof Deggelmann

Die vielen Formen sind es, welche Petra Fink an ihrem Hobby begeistern. Auch das "Runterkommen" schätzt sie, als Gegenpol zu ihrem verantwortungsvollen Beruf. "Wenn man da steht und schaut, wie der Drache seinen Platz findet, ziehen die Gedanken mit weg." Ihrer Erfahrung nach würden auch Kinder dadurch ruhiger werden.

Christof Deggelmann von der Reichenau infizierte sich 1999 auf Fuerteventura bei dem großen Drachenfest mit dem Virus. Eher spezialisiert auf Leichtwinddrachen, wird er aber auch welche für stärkeren Wind mitbringen. Zum Beispiel das von ihm selbst entworfene weiße Camargue-Pferd in Originalgröße. Nach den Anfängen mit ein paar Metern Stoff und einem Buch Bauanleitungen kann er inzwischen als Experte angesehen werden, denn er kann so ziemlich alles nähen. Für ihn ist das Faszinierendste der "Wow-Effekt" wenn etwas Selbstgebautes auf Anhieb fliegt. Der Reichenauer Gemüsebauer bringt um die 50 Drachen mit.

Drachen-Historie

Bereits im 6. Jahrhundert vor Christus sollen die Drachen erfunden worden sein. Die erste geschichtliche Erwähnung aus China datiert aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Funde in Indonesien zufolge, könnten die Flugobjekte noch älter sein. In Asien gelten Drachen als Glückssymbole, in Japan sind über 300 verschiedene Arten bekannt, in Afghanistan spielen Drachen im Herbst und Winter eine große Rolle, in Griechenland beenden fliegende Drachen den Karneval. Im Westen sind Reiter mit Drachen um 1405 dokumentiert, das Militär verwendete ab 300 nach Christus Drachen als Feldzeichen. (sgn)