Unter der Stadt befindet sich ein erhebliches Rohrnetz. Insgesamt sind es etwa 300 Kilometer. „Grundsätzlich ist auf jedem Zentimeter auch ein Schaden möglich“, erklärt Kais Baudis, Leiter der Wasserwerke. Nachdem seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen in Wolterdingen auf Schadenssuche waren, strecken sie aktuell im Wohngebiet Auf Schalmen ihre Fühler aus. Dort hat sich der nächtliche Wasserverbrauch in den vergangenen Tagen gesteigert. Etwa drei Kubikmeter zu viel. Aber woran liegt das?

Leitungen werden abgehört

Im Steinengässle sind Pasqual Baumann und Markus Dold damit beschäftigt, einen Leitungsabschnitt abzuhören. Dold ist Mitarbeiter der Wasserwerke, Baumann arbeitet für die Firma Lawa Pro, Spezialisten für die Ortung von Lecks. „Für die Arbeit ist ein gutes Ohr notwendig“, erklärt Dold. Das liegt daran, dass mit Hochleistungsmikrofonen nach möglichen Schäden oder Lecks im Leitungssystem gesucht wird. Jeweils an den Enden eines Abschnittes werden die Mikrofone in einen Schieberkasten gehalten. Ein Verstärker überträgt das Signal schließlich direkt auf den Computer von Baumann. Er hat zuvor verschiedene Daten eingespeist, etwa, wie lang der Leitungsabschnitt ist. „Ein Leck sendet Schallwellen aus. Die messen wir von zwei Seiten und können anhand der zeitlichen Differenz zwischen den Messpunkten den genauen Standort bestimmen“, erklärt Baumann.

Dieses Hochleistungsmikrofon wird in den Schieberkasten hinabgelassen. Dort zeichnet es die Geräusche in der Leitung auf. Auch jene eines Lecks.
Dieses Hochleistungsmikrofon wird in den Schieberkasten hinabgelassen. Dort zeichnet es die Geräusche in der Leitung auf. Auch jene eines Lecks. | Bild: Simon, Guy

Ein Mischmasch aus Geräuschen

Die Geräuschpegel sind aber so gut wie nie eindeutig. Etliche Störgeräusche fließen mit in die Messung. Fahren Lastwagen, arbeiten Maschinen, gibt es Pumpen, fährt hier die Bahn. „Deshalb spielt auch einfach die Erfahrung eine Rolle. Man hört sich die Signale an und kann dann bestimmte Quellen ausschließen. Auf einer längeren Leitungsstrecke wird das jedoch schwierig“, so Baumann. Ebenso, wenn es sich um eine Kunststoffleitung handelt. Die überträgt Schall nicht so gut, wie die älteren gusseisernen Leitungen. Oft sind verschiedene Materialien auch kombiniert.

Vielleicht wird nichts gefunden

Abschnitt für Abschnitt wird auf diese Weise untersucht. Bis das vermeintliche Leck gefunden wird – oder auch nicht. „Vielleicht ist das Leck in den Leitungen eines Unternehmens. Oder ein Betrieb hat eben nachts einen größeren Wasserverbrauch“, erklärt Dold. Die Suche nach der Ursache des Nachtverbrauches ist also nicht immer von Erfolg gekrönt. Oft sinkt er wieder auf das normale Niveau – und die Sache hat sich erledigt.

Im Messfahrzeug werden die Daten aus den Leitungen erfasst. Auf dem Bild ist ein Ausschlag zu sehen, der bei einem Leck auftritt.
Im Messfahrzeug werden die Daten aus den Leitungen erfasst. Auf dem Bild ist ein Ausschlag zu sehen, der bei einem Leck auftritt. | Bild: Simon, Guy

Eine Kunst

„Das Ganze ist mehr Kunst als Wissenschaft“, erklärt Wasserwerkleiter Baudis. Die Suche nach der Quelle eines erhöhten Nachverbrauches gehöre quasi zum Alltag. „Wir haben Leitungen, die sind 100 Jahre und älter, dazwischen dann wieder neuere. Sie sind auch aus unterschiedlichen Materialien und besitzen unterschiedliche Anfälligkeiten“, sagt Baudis. Liege ein Gussrohr etwa im Wasser, kann es zerfressen werden. „Dann gibt es noch bestimmte Witterungsbedingungen, die Brüche begünstigen.“ Der Boden arbeite. Sei es etwa lange feucht und schließlich lange trocken, könne das bei manchen Leitungen schon für Schaden sorgen. „Bestehende Schwachstellen werden dann immer weiter geschwächt.“

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Kein Netz ist vollkommen dicht

Was auch noch hinzukommt: Komplett dicht ist das Netz der Wasserleitungen nicht: „So etwas gibt es nicht“, so Baudis. Was dabei verloren geht, liege in Donaueschingen unter zehn Prozent. „Das ist gut.“ Im Stadtgebiet verteilt gebe es mehrere Hochbehälter, an jeden sei eine bestimmte Zone gekoppelt. Tagsüber schwanke der Wasserverbrauch dort und zeige eine gewisse Kurve an: „Am verlässlichsten ist das nachts, so gegen 3 Uhr. Wir gehen dann davon aus, dass die meisten Leute schlafen und der Verbrauch minimal ist“, sagt Baudis. Den Nachtverbrauch kenne man von jeder Zone. Gibt es dann einen Ausschlag über mehrere Tage, dann muss das einen Grund haben: „Vielleicht kam irgendwo ein Verbrauch dazu, etwa über Industrie und Landwirtschaft. Die andere Möglichkeit ist ein Rohrbruch oder ein Leck.“ Der Unterschied sei im System nicht messbar, daher warte man immer zwei Tage ab.

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Zwischenzähler sollen kommen

Dabei seien drei Faktoren wichtig: „So etwas kostet Geld, die Versorgungssicherheit könnte gefährdet sein, und vor allem: ein großer Rohrbruch könnte ein unkontrollierter Eintragspfad sein“, sagt Baudis. Damit wäre eine Verunreinigung des Wassers möglich. Bei kleineren Lecks passiere das nicht, die stehen unter Druck, dort dringt nur Wasser aus. „Wenn wir etwas sehen, ist das nicht einfach. Die Gebiete sind groß und wir müssen teilweis ein Drittel von Donaueschingen absuchen. Das ist viel Arbeit und zeitaufwendig.“ Zukünftig wolle man schauen, die Zonen über Zwischenzähler kleiner zu bekommen. Das soll nächstes Jahr umgesetzt werden. „Dann sind wir effektiver und schneller, wenn es einen Rohrbruch gibt.“