Die Persönlichkeit eines Menschen geht verloren, Erinnerungen verblassen, die Orientierung leidet. Bei einer Demenz sind es auch die Angehörigen, die leiden. Sie müssen zusehen, wie der Betroffene sich verändert. Das Thema bekommt immer mehr Relevanz. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen immer älter werden. Das bedeutet: Es gibt auch immer mehr, die eine Demenz bekommen.

In Donaueschingen gibt es seit April ein Nachmittagsangebot für Menschen mit Demenz: Renate Lösle (links) arbeitet dort ehrenamtlich, Sabine Huber koordiniert die Demenzdienste für die Malteser in der Region.
In Donaueschingen gibt es seit April ein Nachmittagsangebot für Menschen mit Demenz: Renate Lösle (links) arbeitet dort ehrenamtlich, Sabine Huber koordiniert die Demenzdienste für die Malteser in der Region. | Bild: Simon, Guy

Entlastung für die Angehörigen

Demenz ist dabei ein Überbegriff für viele verschiedene Formen dieser Krankheit: „Alzheimer ist etwa eine davon. Je nach Form gibt es auch unterschiedliche Gründe der Entstehung. Eine vaskuläre Demenz kann etwa durch einen Schlaganfall entstehen“, erklärt Sabine Huber vom Malteser Hilfsdienst. Sie koordiniert die Demenzdienste der Organisation in der Region. Dazu zählt auch ein Angebot in Donaueschingen, dass es seit April gibt. In der Sennhofstraße 9c wird einmal die Woche ein Nachmittag für Menschen mit Demenz in der Frühphase angeboten.

„Wir sind derzeit noch in der Aufbauphase. Insgesamt können wir etwa zehn Gäste für einen Nachmittag aufnehmen“, sagt Huber. „Es ist ein Betreuungs- und Entlastungsangebot. Wir wollen die Gäste betreuen, die Angehörigen entlasten. Die sind oftmals 24 Stunden mit der Versorgung beschäftigt. Wann sollen sie zum Arzt oder zum Friseur? Da sind schon zwei bis drei Stunden eine Hilfe“, so Huber weiter. Wichtig sei, dass gerade die Angehörigen nicht vergessen, auch auf sich selbst zu schauen. Gesprochen wird übrigens nicht von Erkrankten, sondern von Gästen oder Menschen mit demenzieller Veränderung. Nicht die Krankheit stehe im Fokus, sondern die Person.

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Gestaltet wird der Nachmittag dann von ehrenamtlichen Helfern wie Renate Lösle aus Pfaffenweiler bei Villingen-Schwenningen. Die gelernte Krankenschwester ist immer mittwochs in der Sennhofstraße. „Ich komme aus der Pflege und habe einen Hinweis in der Zeitung gesehen, dass ehrenamtliche Helfer gesucht werden. Ich dachte mir dann, dass ich das schon machen könnte“, erklärt Lösle.

Schulung ist notwendig

Bevor es losgehen kann, gibt es für die Ehrenamtlichen allerdings eine entsprechende Schulung. Obwohl Lösle gelernte Krankenschwester ist, nimmt auch sie teil. „Die Schulung erstreckt sich über 40 Stunden. Darin geht es darum, was Demenz aus anatomischer Sicht eigentlich ist. Man behandelt die Symptome und wie sich Betroffene aktivieren lassen, wie man mit ihnen umgehen muss“, sagt Huber. Es sei wichtig, dass jeder die Schulung mitmache. Danach dürfe man sich als Demenzbegleiter bezeichnen.

„Die Leute leben wieder auf“

Was macht aber für Lösle die Faszination aus, dort mitzuhelfen? „Man sieht die Leute wieder aufleben und wie es ihnen gut tut. Zuhause kann eine entsprechende Aktivierung meist nicht wirklich stattfinden. Man merkt auch, dass es den Leuten gefällt. Sie sagen ihren Angehörigen, dass sie herkommen wollen. Gründe können sie keine nennen, nur, dass sie eben gerne hingehen.“ Das Tagesprogramm sei dabei ganz unterschiedlich. Man mache Gymnastik-Übungen, Sitzfußball, benutze Tücher. „Außerdem machen wir Gedächtnistraining mit Memory oder Wortspielen“, erklärt Lösle.

Anfangs habe die Vorbereitung eines Nachmittages schon mal zwei bis drei Stunden in Anspruch genommen. Man lerne aber schnell, welche Interessen und Vorlieben die Gäste haben, danach könne man das Angebot dann ausrichten. „Etwa beim Gedächtnistraining. Vor zwei Wochen ging es um Obst und Gemüse, da entspann sich in der Gruppe ein Gespräch. Es wurde vom eigenen Garten berichtet“, so Lösle. Die Arbeit orientiere sich immer auch an der Biografie der Dementen. Eins komme zum Anderen. Grobe Orientierung gebe es mit einer programmatischen Verortung. Fasnet wird gefeiert, zu Ostern oder Weihnachten rücke man jeweils die Feste in den Fokus.

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Bei dem Angebot handelt es sich um ein anerkanntes. Das bedeutet, es ist auch ein Betreuungsschlüssel notwendig: „Ein Betreuer darf nicht für mehr als drei Gäste zuständig sein“, sagt Huber. In Donaueschingen sind es aktuell vier Gäste, die regelmäßig in der Sennhofstraße mit dabei sind. „Das verhindert auch ein Vereinsamen und ermöglicht eine gesellschaftliche Teilhabe“, sagt Lösle.

Ein Nachmittag kostet 25 Euro und ist über einen Pflegegrad bei der Krankenkasse verrechenbar.