Donaueschingen – Ignaz und Severin – vor 60 Jahren standen diese beiden Figuren erstmals auf der Bühne des Frohinn-Zunftballs und sind nicht mehr aus der Donaueschinger Fastnacht wegzudenken. Nicht mehr wegzudenken ist auch das Ausrufen der Fastnacht am 6. Januar am Hanselbrunnen.

Markus Kuttruff ist Ignaz und Thomas Höfler ist Severin. Bei diesem Duo gibt es in diesem Jahr zusätzlich ein kleines Jubiläum, denn Markus Kuttruff ist seit 20 Jahren in seiner Rolle an der Fastnacht unterwegs. Man könnte sagen, er ist Ignaz V., Thomas Höfler ist Severin II. Die Vorgänger waren bei Ignaz Martin Wullich, Martin Schorpp, Edgar Duelli und Kuno Widmann. Bei Severin war es nur einer: Wilhelm Thedy spielte 32 Jahre die Rolle.

Die Karriere der Figuren nahm ihren Lauf zur Fastnacht anno 1957. Wie heute auch, waren die Zunftballorganisatoren und -schreiber schon Wochen vor dem Ereignis aktiv. Zu ihnen gehörten Wilhelm Thedy und Karl Dilger. Beide fanden sich zusammen und hatten die Idee, ein Duo auftreten zu lassen, das einige Anekdoten über manch’ Donaueschinger erzählt. Doch die beiden brauchten für die Figuren noch einen Namen. Der Zufall half, denn irgendwann fuhr an Wilhelm Thedy ein Lastwagen vorbei mit der Aufschrift: „Ignaz und Severin – Ihr guter Umzug“. Und so kam das Duo zu seinem Namen.

Da der Premieren-Auftritt gut ankam, wiederholte man das Ganze auch an der Fastnacht 1958 – mit den Jahren wurden die beiden zur Institution. Es kam später die Idee, das Duo auf die Straße zu schicken. Am Schmutzigen Dunnschtig schlossen sie sich der Narrenbolizei an. Das Trio war komplett, das an diesem Tag die Schulen und vor allem das Rathaus stürmt, um den Oberbürgermeister abzusetzen und die Regentschaft der Narren zu verkünden.

Die Frage, die sich viele stellen: Wie wird man Ignaz oder Severin? Heutzutage könnte man vermuten, der Frohsinn veranstaltet eine Casting-Show oder ähnliches, aber es ist wesentlich einfacher und persönlicher. Sollte jemals einer der beiden aufhören, sucht sich derjenige, der in seiner Rolle weiterspielt, einen neuen Partner. So wurde Markus Kuttruff 1997 der Nachfolger von Martin Wullich. „Es muss für beide Seiten passen“, erklärt Markus Kuttruff und Thomas Höfler ergänzt: „Es geht darum, mit wem man die Fasnacht am besten verbringt.“ Denn Auftritte gibt es einige und als Gespann ist man viele Stunden zusammen auf Tour.

Ignaz und Severin sind zwar zwei Rollen, in die die Frohsinn-Akteure schlüpfen, doch so richtig einstudieren kann man es nicht. Es sei die Rolle eines Narren und die haben Narrenfreiheit, so Thomas Höfler. So treffen sie sich für ihre Vorbereitungen um die Weihnachtszeit und beginnen zu texten. Manchmal benötigen sie nur drei Tage, in anderen Jahren ein Mehrfaches, um das Programm zu erstellen. „Interessant ist vor allem, was in der zweiten Jahreshälfte passiert“, erklärt Thomas Höfler: „Früher war das Stadtgespräch eher personenbezogen, heute stehen Themen im Mittelpunkt.

“ Die Erklärung: Donaueschingen sei größer geworden, man kenne nicht mehr jeden. Bei den Themen sei es schwierig, da durch die sozialen Netzwerke vieles schon oft durchgekaut sei und man manches nicht mehr hören könne.

Die beiden freuen sich auf die Fastnacht und jeder Auftritt hat seinen eigenen Charakter. Der Gaudimusikabend beispielsweise sei anstrengend, aber zum Spielen sehr schön, und der Schmutzige ist der eigentliche Fastnacht-Feiertag.

Jetzt geht’s los

Auch andere Akteure der Narrenzunft Frohsinn sind bereits an Planungen oder im Einsatz. Zum ersten Mal wird der Hansel mit seinem Gretle am Dreikönigstag, Freitag, 6. Januar, auf der Straße sein. Dann wird am Hanselbrunnen um 19 Uhr die Fastnacht 2017 ganz offiziell ausgerufen und die Hansel- und Gretletaufe vorgenommen. Danach geht es für alle Hästräger, Schaulustige und Interessierte mit einem Umzug zur Stadtmühle, dort klingt der Abend aus.