Die Wirtschaft von R. Moser einst mit dem Staffelgiebel.
Die Wirtschaft von R. Moser einst mit dem Staffelgiebel.

Der typische Baaremer Staffelgiebel, alte Sprossenfenster und Fensterläden aus Holz, Scheunentore, Gastwirtschaften, Kirche und Dorfbrunnen, die Dorflinde: Seit mehr als 20 Jahren kämpft ein kleines unbeugsames Grüppchen Menschen wie Asterix in Kleinbonum um den Erhalt der historisch gewachsenen Dörfer auf der Baar. Die Interessengemeinschaft Baaremer Baukultur ist nach mehr als 20 Jahren noch immer aktiv, auch wenn die Mitstreiter weniger geworden sind. Ein neuer Bildband über Neudingen belegt ihren Einsatz eindrucksvoll.

Neudingen einst und jetzt: Ein neuer Bildband über ein traditionsreiches Baaremer Dorf ist erschienen. Auf 190 Seiten hat die Interessengemeinschaft Baaremer Baukultur historische und aktuelle Bilder und Infos über Neudingen zusammengetragen. Das Buch ist eine eindrucksvolle Dokumentation über den Donaueschinger Stadtteil. Das Werk präsentieren (von links) Ernst Eichholz, Eberhard Kern, Antonia Reichmann, Horst Schmeer, Sonnen-Wirtin Ilse Isele, der stellvertretende Ortsvorsteher Hermann Widmann und Hermann Sumser.Bild: Manfred Beathalter
Neudingen einst und jetzt: Ein neuer Bildband über ein traditionsreiches Baaremer Dorf ist erschienen. Auf 190 Seiten hat die Interessengemeinschaft Baaremer Baukultur historische und aktuelle Bilder und Infos über Neudingen zusammengetragen. Das Buch ist eine eindrucksvolle Dokumentation über den Donaueschinger Stadtteil. Das Werk präsentieren (von links) Ernst Eichholz, Eberhard Kern, Antonia Reichmann, Horst Schmeer, Sonnen-Wirtin Ilse Isele, der stellvertretende Ortsvorsteher Hermann Widmann und Hermann Sumser.Bild: Manfred Beathalter

Große Bildersammlung

190 Seiten, mit einer großen Bilder- und Dokumentensammlung. Neudingen steht mit Fakten und Berichten aus alter Zeit im Mittelpunkt. Der Bildband ist neben den früheren Exemplaren über Pfohren, Sumpfohren, Geisingen, oder Riedöschingen ein neues, umfangreiches Buch, das unter dem Titel "Das Bild unserer Heimat" im Gasthaus "Sonne" in Neudingen vorgestellt wurde. Es blickt zurück auf die Ausstellung in Neudingen im Jahr 2010 und zeigt unter dem Titel "einst und jetzt" Bilder von Gastwirtschaften, alte Postkarten, Kirche und Schulhaus, Menschen und Dorffeste oder das bäuerliche Leben.

Die Neudinger Pfarrgasse einst ...
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... und wie sie sich heute präsentiert.
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Verlorene Schätze

Aber freilich wird auch ein Blick auf verlorene Schätze der Neudinger Vergangenheit geworfen. Ein klarer Fall für den Architekten Hermann Sumser aus Hausen vor Wald und Horst Schmeer, den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Baukultur aus Geisingen. "Das Bild unserer Heimat geht mehr und mehr verloren", fürchtet Hermann Sumser, "dabei hängen eigentlich die Identität und das Selbstverständnis der Menschen an diesen alten Häusern."

Daher kämpft Sumser zusammen mit rund 20 Mitstreitern engagiert gegen "die Gleichgültigkeit", mit der der historische dörfliche Charakter Stück für Stück sein Gesicht verliert. "Wir lehnen ja nicht jede Veränderung an den Häusern ab", räumt er ein, "aber der alte Charakter sollte erkennbar bleiben".

Veränderungen nicht so groß

Nicht ganz so pessimistisch sieht Hermann Widmann, Neudingens stellvertretender Ortsvorsteher, die Veränderungen in Neudingen. Das Ziel der IG Baukultur "ist nicht verfehlt, die Veränderungen sind am Ende nicht ganz so groß", findet er positive Aspekte. "Viele Neudinger wohnen im Elternhaus, aber es ist halt saniert worden", sagt er. Widmann erinnert an die von der Stadt Donaueschingen vorangetriebene Ortskernförderung, bei der auch einiges Geld zur Verfügung gestellt werde, um im Ortskern Verbesserungen auf den Weg zu bringen.

Haus Heinemann einst mit Gartenzaun und Krüppelwalm
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Haus Heinemann heute mit Solardach und Gastank. Bilder: Interessengemeinschaft
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Bewusstsein für alte Dörfer

IG-Vorsitzender Horst Schmeer will die Arbeit über viele Jahre nicht unter der Scheffel stellen. Die inzwischen siebte Ausstellung belegt für ihn, dass "da doch ein Bewusstsein für die alte Substanz und das historische Bild der Dörfer entstanden ist". Er nennt das Beispiel der Alten Gerbe aus Geisingen und die Erhaltung mancher Bereiche der Stadtmauer.

Antonia Reichmann sieht die gelungene Sanierung der Geisinger Zehntscheuer als erfreuliches Beispiel an. "Der Auslöser war unsere Ausstellung von 1997", sagt sie. Und sie erinnert an das Häuschen in Hondingen, Brunnengasse 1. "Das ist jetzt ein Kleinod, aber wir gaben den Startschuss." Auch wenn die IG Baukultur Lehrgeld zahlen musste. Kauf und Sanierung durch Mitglieder des Vereins hat am Ende alle überfordert.