Waghalsige Sprünge von Dach zu Dach. Das klingt eher nach Actionfilm als nach einem Programmpunkt der Sommerschule des Donaueschinger Technischen Gymnasiums. Zugegeben, bis dahin ist es für die Teilnehmer des gestrigen Parkour-Trainings noch ein weiter Weg. Aber wer weiß, vielleicht sieht man sie in ein paar Jahren tatsächlich überall in der Stadt Wände erklimmen und mit spektakulären Stunts von Mauern herunterspringen. Der Grundstein dafür wurde auf jeden Fall von den drei Jungs von "doParkour" aus Stuttgart gelegt, die gestern zum Abschluss der Sommerschule die Jugendlichen mit ersten kleinen Übungen und Techniken an ihre große Leidenschaft Parkour heranführten.

Parkour ist eine moderne Sportart, bei der es darum geht, sich auf möglichst effiziente Weise durch einen urbanen oder natürlichen Raum zu bewegen. Hindernisse wie Mauern oder Abgründe werden dabei durch kreative Bewegungsabläufe überwunden, Saltos und andere Kunststücke inklusive.

Raphael Nübel beschäftigt sich schon seit neun Jahren mit der Sportart. "Ich habe damals einen Film gesehen und wollte das dann unbedingt selbst probieren. Also versuchte ich einfach, ein paar Stunts nachzumachen", erzählt er von seinen Anfängen. Dann habe er eine Gemeinschaft entdeckt, in der man ihm noch einiges beigebracht habe. Vor anderthalb Jahren habe er seine Leidenschaft schließlich zum Beruf gemacht, indem er bei "doParkour", der Firma eines Freundes anfing. Der gelernte Erzieher veranstaltet nun Shows und Workshops.

Warum ihn Parkour so fasziniert? "In erster Linie ist es die Gemeinschaft. Das ist wie eine große Familie", erklärt Nübel. "Wenn ich zum Beispiel eine andere Stadt besuchen möchte, dann melde ich mich einfach auf Facebook in der dortigen Parkour-Gruppe und komme oftmals sogar bei jemandem unter, ohne die Person vorher gekannt zu haben". Außerdem gebe es keinen Wettbewerb und keine Regeln, weshalb der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt seien, ergänzt sein Kollege Felix Burger, der die Arbeit bei "doParkour" parallel zu seinem Studium betreibt.

Wie der Student berichtet, werde Hilfsbereitsschaft bei den Parkour-Sportlern groß geschrieben. Schließlich laute ihr oberster Leitspruch "Être forte pour être utile" (franz.: Sei stark, um nützlich zu sein). Dieses Gebot beziehe sich nicht nur auf gegenseitige Unterstützung innerhalb ihrer Gemeinschaft. "Wenn man in der Stadt unterwegs ist und zum Beispiel jemanden sieht, der schwer zu schleppen hat, dann hilft man", erklärt er und merkt an: "Man "verschwendet" zwar vielleicht zwei Minuten Zeit und Kraft, aber dafür macht man das Leben eines anderen ein Stück leichter".

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