Die Einwohner des Aufener Ortskerns können sich zukünftig noch sicherer fühlen: Zwei Hochwasserschutzdämme mit insgesamt 275 Metern Länge schützen sie nun vor unliebsamen Annäherungsversuchen vonseiten der Brigach. Und zwar auch für den Fall eines Jahrhunderthochwassers wie im Februar 1990: Die 1,30 Meter hohen Erdwälle aus Lehm inklusive einer 70-Meter-Hochwasserschutzmauer wurden in rund vier Wochen im Auftrag der Landesregierung und unter der Ägide der Stadt erbaut – und stehen nun unmittelbar vor der Fertigstellung, wie die Verantwortlichen gestern im Rahmen eines Pressegesprächs vor Ort berichteten. Nur noch der Oberboden mit Grasnarbe muss aufgebracht werden.

Der Grund für den neuen Hochwasserschutz, der Teil eines umfassenden Maßnahmen-Pakets für die Brigach ist, liegt ein paar Kilometer flussaufwärts, genauer: in Villingen. Denn im Lauf des Jahres soll das Hochwasserrückhaltebecken Marbach nach langjähriger Planung und Vorbereitung denn nun auch endlich weichen. Eine Sanierung und Erhöhung des alten Bauwerks, das bereits Anfang der 70er-Jahre errichtet worden war und nicht mehr dem Stand der Technik entspricht, kam nicht in Frage. Nicht zuletzt, da dort keine Hochwasserentlastung garantiert werden kann und eine Kläranlage und Deponie im Staubereich liegen.

Daher, erklärt Joachim Rau vom Regierungspräsidium Freiburg, habe man Berechnungen angestellt, wie sich ohne das Rückhaltebecken die Überflutungsgefahr flussabwärts entwickeln würde – mit dem Ergebnis, dass ebendiese im Risikogebiet bei Aufen noch weiter ansteigt. Daher wurden nun dort die Dämme errichtet, die selbst für den "Super-GAU" in Form des höchsten Pegelstandes der vergangenen 100 Jahre Sicherheit bieten und recht nah an Ort und Häusern angelegt wurden. Der Grund? "Wir wollen durch den Abstand zwischen Fluss und Damm eine Fläche schaffen, in die das Wasser strömen und dort gebunden werden kann", erläutert der Sachgebietsleiter Tiefbau der Stadt Donaueschingen, Rudolf Reichle. Rund 315 000 Euro wurden investiert, 70 Prozent trägt davon das Land.

Der dortige Bolzplatz musste ebenfalls umziehen und schließt sich jetzt unmittelbar an die Dämme an. Auch die langersehnte Erweiterung der Parkplatzbefestigung am Uffheim mit Betonpflaster steht nun bevor. OB Erik Pauly zeigte sich denn auch sehr zufrieden, "dass dieser wichtige Schritt für Aufen jetzt getan worden ist".

Grundlagen des Hochwasserschutzes

Schutz vor Überflutung: ein brisantes Thema, gerade in und um Donaueschingen. Natürlich aufgrund der geografischen Lage an Breg, Brigach und Donau – aber auch aus anderen Gründen: Erstens bringt der Klimawandel immer mehr Gefahren und Herausforderungen mit sich, andererseits sind in den vergangenen Jahren die Vorschriften für das Bauen in hochwassergefährdeten Gebieten immer restriktiver geworden.

In dem Überschwemmungs-Risikogebiet Aufen werden nun bebaute Bereiche geschützt und auch Neubauten prinzipiell wieder möglich.

Grundlage für die Einstufung als Risikogebiet sind in Baden-Württemberg Hochwassergefahrenkarten (HWGK) und Hochwasserrisikokarten (HWRK), anhand derer Überflutungsflächen und -tiefen dargestellt und die Risiken anhand von vier "Schutzgütern" – menschliche Gesundheit, Umwelt, Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten – definiert werden. Der sogenannte HQ 100, die Pegelhöhe, die statistisch einmal alle 100 Jahre erreicht wird, prägt die Dimensionierung von hochwasserrelevanten Anlagen wie Dämmen und Brücken. (chn)