Wenn aus dem inneren Schweinehund ein Wettkampfmonster wird, dann ist man sportlich wahrlich gut unterwegs. Doch soweit muss man im wahrsten Sinne des Wortes nicht „gehen“ – einfach laufen genügt schon. Denn mit dem Laufen anzufangen, ist vergleichsweise einfach. Es ist eine Sportart mit sehr kleinen Anfangshürden. Außer ein paar guten Laufschuhen und Sportkleidung braucht man dafür nichts. Man kann es nahezu immer und überall tun, egal wo und zu welcher Tageszeit. Man ist gänzlich unabhängig, muss nicht unbedingt ein Sportass sein, kann in seinem Tempo beginnen. Eine große Hilfe kann jedoch das seit Jahren in Donaueschingen etablierte Projekt „Von 0 auf 21 in einem Jahr“ sein, der beliebte Lauftreff um Marathonguru Alfred Denzer.

Bereits die elfte Gruppe im elften Jahr vom Lauftreff Alfred Denzer (vordere Reihe links) geht beim Bräunlinger Halbmarathon 2019 an den Start.
Bereits die elfte Gruppe im elften Jahr vom Lauftreff Alfred Denzer (vordere Reihe links) geht beim Bräunlinger Halbmarathon 2019 an den Start. | Bild: Roger Müller

Denzer schafft es jedes Jahr von neuem, dass es zwischen 20 und 30 bisherigen Nichtläufern gelingt, beim Marathon in Bräunlingen die 21 Kilometer des Halbmarathons zu bewältigen. Der eine oder andere Kandidat schafft gar die Marathonschleife.

Das könnte Sie auch interessieren

Krönung einer Selbsterfahrung

Alles begann 2009 als privates Baaremer Breitensport-Experiment um den Wolterdinger Hendric Schneider. Er wollte nicht ganz so sportliche Mitmenschen so motivieren, dass sie binnen eines Jahres fit für einen Halbmarathon sind. Damals schon mit im Boot waren der Wolterdinger Arzt Karl Bauer, der in punkto Gesundheit ein Auge auf die Neueinsteiger warf, und natürlich Alfred Denzer, der die Laufgruppe bis heute führt. Das Projekt funktionierte dermaßen gut, dass sich bis heute jedes Jahr im November alte Hasen mit Neulingen dreimal die Woche zusammen tun und trainieren, um im Jahr darauf in der Zähringerstadt bei den Laufwettbewerben an den Start zu gehen. Dieser Start ist für alle die Krönung einer wertvollen Selbsterfahrung.

Sie sind die Köpfe des Projekts „Von 0 auf 21 in einem Jahr“: Von links Karl Bauer, Hendric Schneider und Alfred Denzer.
Sie sind die Köpfe des Projekts „Von 0 auf 21 in einem Jahr“: Von links Karl Bauer, Hendric Schneider und Alfred Denzer. | Bild: Roger Müller

Seit dem Rückzug von Hendric Schneider ist Alfred Denzer Motor des Lauftreffs. Bis vor einigen Jahren war er selbst aktiver Läufer, im Sog von „Von 0 auf 21“ stieg er wieder ein. Der Name ist auch Programm: Alfred Denzer, ehemaliger badischer Marathon- sowie mehrfacher deutscher Seniorenmeister, führt Laufanfänger innerhalb eines Jahres von „0 auf 21 Kilometer“. Und auch in diesem Jahr gelang es Alfred Denzer wieder Laufneulinge über die einzelnen Distanzen bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Neue Runde startet

Schon am 12. November diesen Jahres startet nun die neue Runde für Laufbegeisterte, die sich 2020 vielleicht der Herausforderung des Bräunlinger Halbmarathons stellen wollen. „Es geht zunächst um alle, die noch keinerlei Erfahrungen haben, aber mit dem Laufen beginnen wollen. Angefangen wird auf niedrigem Niveau, es wechseln sich Lauf- und Gehzeiten ab, so dass auch jeder in der Gruppe mitkommt“, so Alfred Denzer. Doch nicht nur Kondition wird aufgebaut, zusätzlich gibt es wichtige Tipps für eine bessere Lauftechnik. Die Teilnahme am Lauftreff ist kostenlos.

Ulrike Glunk hat es geschafft und ist vor kurzem bei ihrem ersten Halbmarathon gestartet.
Ulrike Glunk hat es geschafft und ist vor kurzem bei ihrem ersten Halbmarathon gestartet. | Bild: Roger Müller

Der Lauftreff findet das ganze Jahr über und vor allem bei jedem Wetter immer am Dienstag, Donnerstag und Sonntag statt. Ab 17.30 Uhr ist dienstags und Donnerstag Treff beim Anton Mall-Stadion, zusätzlich läuft man sonntags ab 10 Uhr.

Ganz locker unterwegs

Der Lauftreff ist ein lockerer Zusammenschluss von Freizeitläufern, die meist den Langstreckenlauf ausüben. Die Strukturen sind ganz einfach. Ohne Anmeldung, ohne Vereinsmitgliedschaft und kostenlos kann man jederzeit bei den ein- bis dreimal wöchentlichen Lauftreffs mitmachen. Die unterschiedlichen Laufgruppen absolvieren, je nach Leistungsniveau der Teilnehmer, ein unterschiedliches Programm. Man ist meist eine Stunde unterwegs – ob in einer langsamen oder schnellen Gruppe, mit oder ohne Gehpausen. Die Lauftreffs entwickelten sich aus der allgemeinen Lauf- und Joggingbewegung der 1960er-Jahre sowie aus der Trimm-dich-Bewegung in den Jahren 1970 bis 1974. (rom)

Uli Glunks Weg zu einem unbeschreiblichen Gefühl

  • Erster Kontakt: Ulrike (Uli) Glunk aus Mundelfingen ist ein Paradebeispiel wie man den Laufsport innerhalb weniger Monate richtig dosiert und unter fachkundiger Anleitung erlernt – und das bis zum Halbmarathon. Die 51-Jährige war schon immer agil. „Ich gehe viel zu Fuß, fahre Fahrrad, aber einen Ausdauersport habe ich nicht gemacht“, erzählt sie. Dann habe sie gelesen, dass es jährlich ab November die Laufgruppe um Alfred Denzer gibt, die Laufinteressierte bis zum Oktober des darauffolgenden Jahres zum Halbmarathon bringt. Gesagt, getan – allerdings stieß Uli Glunk erst im Januar zur Laufgruppe, und wurde sofort gut aufgenommen. „Ich fühlte mich sofort wohl, wurde gut integriert und fand richtig Spaß am Laufen.“
  • Erste Läufe: Eines Tages standen die ersten kleineren Läufe im Rahmen der Denzer Cup-Laufserie statt. Uli Glunk war plötzlich, mit Starnummer versehen, bei sechs von sieben Läufen der Serie am Start. „Es war einfach super, wie es lief und ich hatte inzwischen genügend Kondition aufgebaut, ehe es dann ernst wurde und es auf die Trainingsläufe für den Halbmarathon in Bräunlingen zuging.“ Viermal lief Uli Glunk die 21-Kilometer-Schleife und sah sich gerüstet für den Ernstfall am 13. Oktober diesen Jahres.
  • Erster Halbmarathon: „Es war unglaublich, die Stimmung bei der Laufveranstaltung, natürlich das Wetter und meine zahlreichen Bekannten und Verwandten, die mich an der Strecke anfeuerten“, erzählt Uli Glunk. Unbeschreiblich sei dann das Gefühl gewesen, als sie von den vielen Zuschauern dann förmlich ins Ziel getragen wurde. Und sie hat jetzt Lust auf mehr: „Vielleicht ist ja mittelfristig mal die 42,195-Kilometer-Schleife drin“, sagte die Mundelfingerin mit einem Lachen. (rom)