Bücher hat Wolf Hockenjos schon einige veröffentlicht. Den Grundstein legte er vor mehr als 40 Jahren, als er im Auftrag des Forstministers Gerhard Weiser in ganz Baden-Württemberg unterwegs war und über die bemerkenswerten Bäume im Ländle schrieb. Ein Auftrag, der ihm nicht nur jede Mege Spaß, sondern auch reichlich Neid einbrachte. Es folgten weitere Bücher über den Wald und die Bäume. Doch über eines hatte Hockenjos bisher noch nie geschrieben: den Unterhölzer Wald, der sich auf rund 660 Hektar auf den Gemarkungen Geisingen, Unterbaldingen und Pfohren erstreckt.

Wolf Hockenjos hat schon einige Bücher über Wälder und Bäume veröffentlicht. Sein neustes Buch widmet sich dem Unterhölzer Wald. Bild: Stephanie Jakober
Wolf Hockenjos hat schon einige Bücher über Wälder und Bäume veröffentlicht. Sein neustes Buch widmet sich dem Unterhölzer Wald. | Bild: Jakober, Stephanie

Warum nicht? "Ich kann es bis heute nicht verstehen, warum ich den Unterhölzer Wald so lange nicht gewürdigt habe", blickt der Forstwissenschaftler zurück. Ein Vierteljahrhundert lang war er staatlicher Forstamtsleiter in Villingen, sein Gebiet erstreckte sich über neun Gemeinden vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb und dazu gehörte auch ein kleiner Zipfel Unterhölzer Wald, der auf Unterbaldinger Gemarkung liegt.

Das Buch ist eine "späte Wiedergutmachung"

Nun im Ruhestand wollte er eine "späte Wiedergutmachung" leisten. Mit der Baaremer Kulturlandschaft hatte sich der St. Märgener, der seit 2003 in Donaueschingen lebt, nur schwer angefreundet – zu viele Straßen, zuviel Zerschneidung und Zerstückelung, zuviel Zersiedelung und Flächenfraß, zuviel Monokultur. Einfach zu viel von allem, außer vom Wald. Und wenn schon Wald, dann Fichten, Fichten und noch mehr Fichten.

Unterhölzer Wald wurde zum Seelentröster

"So hat sich mir im Verlauf meiner Villinger und Donaueschinger Zeit immer häufiger die Frage aufgedrängt: Wie viel Restnatur, wie viel Naturschönheit braucht es eigentlich, um sich hier wirklich wohlfühlen zu können?", so Hockenjos. Die Antwort hat er gewissermaßen im Unterhölzer Wald gefunden: "Er ist mit zu einer Art Seelentröster geworden."

Der Wald ist etwas ganz besonderes

Denn anstatt Tannen und Fichten fand er hier uralte Eichen und Buchen. Nicht nur ein Refugium für eine Vielzahl von Tieren, sondern auch ein Naherholungsgebiet, das die Baaremer gerne nutzen. Nicht umsonst kommt dem Unterhölzer im Naturschutzgroßprojekt Baar eine besondere Rolle zu, denn das besondere Fleckchen wird nicht nur wegen seiner Schönheit, sondern auch wegen seinem einzigartigen ökologischen Wert besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Urwald oder fürstliche Pflanzaktion?

Doch wie konnte so ein besonderer Wald eigentlich entstehen? "Das ist ein großes Rätselraten", sagt Hockenjos, der für seine Recherchen viel in den Archiven des Baarvereins gestöbert hat. So gibt es die Annahme, dass die Bäume im 17. Jahrhundert gepflanzt wurden. Doch Hockenjos ist sich ziemlich sicher, dass im Unterhölzer Wald auch Reste des Naturwaldes zu finden sind. Denn es gibt Bäume, die bis zu 500, 600 Jahre alt sind. Eichenmischwälder gab es in der Region, gar in ganz Mitteleuropa schon wesentlich früher. Denn sie dominierten vor 6000 Jahren das Landschaftsbild. Und Käfer-, Pilz- und Vogelarten im Unterhölzer Wald würden dies bestätigen, denn viele von ihnen gehören zu den sogenannten Urwaldreliktarten. Das sind Arten, die seit Urwaldzeiten nur in urwaldartigem Milieu überlebt haben könnten.

Bereits 1939 wurde der Unterhölzer zum Naturschutzgebiet

Dass der Unterhölzer vor allem auf 170 Hektar so einem alten Wald entwickeln konnte, ist auch dem Fürstenhaus zu verdanken. Denn dadurch, dass die Fürstenberger den Wald zu ihrem bevorzugten Jagdgebiet, das bis 1918 sogar umzäunt war, erklärten, schützt den Unterhölzer gleichzeitig vor Abholzung und der Siedlungspolitik. Bereits 1939 wurde der Wald zum Naturschutzgebiet. Doch der Unterhölzer war nicht nur Jagdgebiet, sondern wurde auch als "Hutewald" genutzt. Bauern aus der Umgebung trieben ihr Vieh in den Wald. Bis zu 600 Tiere sollen es gewesen sein. Und durch die Viehweide wurde der Wald lichter und erhielt seinen parkähnlichen Charakter. Ganz unterschiedlich war und ist auch heute noch der Blick der Geisinger und der Donaueschinger: "Während die Donaueschinger den Unterhölzer mehr aus Fürstlich-Fürstenberger-Sicht betrachten, haben die Geisinger eher die bäuerliche Perspektive", erklärt Hockenjos.

Doch wie geht es mit dem Wald weiter?

Doch auch eine Liebeserklärung kann kritische Punkte haben. Wie kann der Naturwald verjüngt werden, sodass er auch für zukünftige Generationen das bleibt, was er ist? Eine Frage, die schon viele Generationen beschäftigt hat. Als 1939 der Unterhölzer Wald unter Naturschutz gestellt wurde, gab es in der Vereinbarung einen Passus, der auch vorsah, den Wirtschaftswald mit seinen Fichten in einen "naturnahen Mischwald" umzuwandeln. Als 1969 die Schutzverordnung erneuert wurde, verschwand dieser Passus. Der Grund? "Resignation." Denn der hohe Wildbestand sorgt nicht nur für Begeisterung bei Ökologen und Naturliebhabern., sondern auch dafür, dass die kleinen Bäume keine Chance haben. Doch in erster Linie möchte Hockenjos mit seinem Buche eines: "Ich will vor allem Freude am Natur- und Walderlebnis wecken und Verständnis für dickte, alte Bäume."

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