Sicherheitskonzept: Ein Stichwort, das so manchem Vereinsvorsitzenden die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Es ging doch früher auch ohne und passiert ist doch bislang gar nichts. Reiner Bürokratismus, mit dem das Ordnungsamt den Ehrenamtlichen das Leben schwer macht? Oder gar das Ende der traditionellen Vereinsfeste, die den Baaremer Veranstaltungskalender über Jahrzehnte geprägt haben?

"Wir wollen keine Veranstaltungen verhindern, sondern gemeinsam mit den Vereinen überlegen, was für eine sichere Veranstaltung nötig ist", sagt Ordnungsamtsleiter Andreas Dereck. Nötig sei dies nicht aufgrund von neuen Gesetzen oder Änderung der rechtlichen Grundlagen. Nein, die Ursache sei im gesellschaftlichen Wandel zu suchen: Wer früher auf einem Fest über ein Kabel gestolpert sei, der habe einfach ein Bier zu viel getrunken oder nicht aufgepasst. Heute habe der Veranstalter das Kabel falsch verlegt und wenn etwas passiere, stünde schnell der Anwalt da.

Auch wenn oft mit der Loveparade 2010 in Duisburg argumentiert werde, habe das Unglück damals nur für die Thematik sensibilisiert, weil unter anderem auch die Verwaltung als Genehmigungsbehörde zur Rechenschaft gezogen wurde. Nun hat Donaueschingen keine Loveparade. "Egal ob Loveparade oder kleinere Veranstaltung, wenn die Leute nicht vom Gelände kommen, weil es keine Fluchtwege gibt, dann ist das Ergebnis das gleiche", erklärt Dereck.

Deshalb hält es der Donaueschinger Ordnungsamtsleiter für wichtig, dass sich Veranstalter im Vorfeld Gedanken machen. "Wenn man das nicht macht, dann kann ein Richter das als fahrlässig beurteilen." Dabei sei es bei weitem nicht so, dass auf die Vereine nur neue Fragen zukommen. Viele würden bei der Organisation einer Veranstaltung sowieso schon beantwortet. Nun gehe es lediglich darum, dass die Vereine auch im Ernstfall dokumentieren könnten, dass sie sich Gedanken gemacht haben.

In erster Linie gehe es auch lediglich um Veranstaltungen im Freien. Denn Hallenveranstaltungen sind durch die Versammlungsstättenverordnung geregelt. Und dass grundsätzlich ein Sicherheitskonzept gefordert werde, sei nicht der Fall. "Wir schauen uns die Veranstaltung an und bewerten sie", so Dereck. Dabei würden viele Punkte berücksichtig: Gibt es Alkohol? Wie viele Besucher werden erwartet? Wie sind die Voraussetzungen auf dem Gelände? Erst wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, werde auch ein Sicherheitskonzept nötig. Dabei muss es nicht immer so ein Regelwerk sein, wie die Stadt für das Donauquellfest aufstellen lassen hat. "Als Stadt müssen wir schließlich eine Vorbildrolle einnehmen", erklärt Dereck. Und das Konzept dient als Grundlage für andere Veranstaltungen.

Manchmal sind es auch nur kleinere Neuerungen: Beim Herbstfest wurde beispielsweise ein Notstromaggregat aufgebaut, dass es im Falle eines Stromausfalls eine Lichtquelle auf der Karlstraße gibt und die Standbetreiber wurden angehalten, Taschenlampen dabei zu haben. Außerdem waren zwei Megafone vorrätig, um im Notfall auch Durchsagen machen zu können. Auch wenn im Vorfeld geregelt ist, wer eine Durchsage macht und was er dann sagt, sei im Ernstfall schon viel geholfen. Aber mit solchen Punkten will man die Vereine nicht allein lassen. Deshalb hat Dereck nun einen Leitfaden ausgearbeitet, der den Vereinen helfen soll. Und grundsätzlich sei es besser, von Anfang an einen Blick auf die Sicherheitsfragen zu werfen, als erst, wenn die Planung fertig ist. Für Gespräche sei er immer bereit: "Dann suchen wir gemeinsam eine Lösung."

Oft ist es ein Was-wäre-wenn-Spiel. "Ich hoffe ja immer, dass überhaupt nichts passiert." Doch was wenn doch? Wenn etwas passiert und der Arzt sagt: "Wäre ich nur zwei Minuten schneller vor Ort gewesen, hätte ich den Patienten retten können." Fernab von allen rechtlichen Problemen macht man sich dann auch noch selbst Vorwürfe. Und letztendlich haftet der Veranstalter – auch wenn's ein Verein ist. Dann ist eben der Vorsitzende verantwortlich.

"Da hilft auch kein Schild am Eingang, auf dem steht 'Betreten auf eigene Gefahr'"; erklärt der Ordnungsamtsleiter, der sich selbst jahrzehntelang in Vereinen ehrenamtlich engagiert hat und auch nachvollziehen kann, warum so mancher Vereinsvorsitzende gar nicht von einem Sicherheitskonzept begeistert ist. "Wenn man ein Fest organisiert, ist man schon vollauf mit der Organisation beschäftigt und jetzt kommt noch mehr hinzu. Da kann ich die Leute schon verstehen. Und so manchem Vereinsvorsitzenden wird dann erst bewusst, was für eine Verantwortung er hat." Doch schon beim zweiten Mal nehme die Arbeit deutlich ab.

Und für den Vereinsvorsitzenden könne das Sicherheitskonzept ja auch eine Form von Sicherheit vermitteln. "Wir machen das ja nicht, um das Sicherheitskonzept mit zwei Löchern zu versehen und dann abzuheften." Von der Polizei über die Feuerwehr bis hin zum Roten Kreuz würden die wichtigsten Institutionen das Konzept begutachten. "So wird das Konzept von allen getragen." Übrigens würden auch nicht alle über das Sicherheitskonzept schimpfen. "Es gibt durchaus Vereine, die sofort gesagt haben, dass sie eines machen."