Diesen Winter rollen die Bagger an. Die Gebäudekomplexe von altem Kreistierheim und Hundefreunden werden abgerissen, Fichten und Birken auf den Grundstücken gefällt und im Anschluss Leitungen für Strom, Gas und Abwasser gelegt. Es sind die Vorbereitungen für die große Umgestaltung des Donauzusammenflusses, die im Herbst 2020 mit den eigentlichen Erdarbeiten beginnen soll. Ein Jahr später, so, die Prognose, soll sich der aktuell natursachlich und touristisch eher bescheiden positionierte Donauursprung in einem Auenpark wiederfinden, dessen naturnahe Ausgestaltung die Donau im Wesentlichen selbst übernehmen soll.

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Wo einer der bedeutendsten europäischen Flüsse ein neues „Kinderbett“ bekommt und der Landesbetrieb Gewässer das Projekt je nach Ausgestaltung mit vier bis fünf Millionen Euro komplett finanziert, findet der Auenpark in den Schulferien das geballte Interesse der Landesregierung. Nicht zuletzt, weil es noch in diesem Jahr möglich ist, den alten Zusammenfluss mit Ruhebänkchen und Hochzeitsgedenkstein unter einer Schatten spendenden Baumallee mit einem kurzen Spaziergang zu erreichen. Kultusministerin Susanne Eisenmann ließ sich am Montag vom CDU-Kabinettskollegen Guido Wolf seinen Wahlkreis zeigen. Wolf verantwortet die Bereiche Justiz, Europa und Tourismus, an der ganz jungen Donau sprach er von einem „ganz großen Anziehungspunkt“, der sich hier entwickeln werde.

Die Schatten spendende Allee, die zum derzeitigen Zusammenfluss führt, bleibt bei der Umgestaltung fast vollständig erhalten.
Die Schatten spendende Allee, die zum derzeitigen Zusammenfluss führt, bleibt bei der Umgestaltung fast vollständig erhalten. | Bild: Wursthorn, Jens

Die Riesenchance, an ein europäisches Programm anzudocken, habe Landkreis und Stadt Donaueschingen gleichermaßen begeistert und beflügelt, ergänzte Landrat Sven Hinterseh und verwies auf die bereits abgeschlossenen Umzüge von Kreistierheim und Hundefreunde-Domizil. Jetzt sei die Möglichkeit, dem Donaubeginn mehr Abstand von der künftig breiteren Bundesstraße 27 zu geben, ein Vorhaben, das „nur Gewinner sehen wird“.

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Gegenwärtig sind aber Planer und Tiefbaufirmen gefragt. Michael Koch als Vertreter des Landesbetriebs Gewässer ging vor Ort auf den Wasserbau an Brigach und Breg, Umweltsünden und -erwartungen, vor allem aber auf die geplanten Geländemodellierungen ein. Er sieht vor allem eine Wiederansiedlung einheimischer Fischarten unter den Pluspunkten. Wenn nämlich die Breg auf rund 1000 Metern flussaufwärts vom Steinkorsett befreit wird, schafft sich der Fluss sein eigenes Bett mit Ruhe- und Tiefzonen für viele Fischarten. Auch die Brigach wird, vom jetzigen Zusammenfluss gerechnet, rund 700 Meter renaturiert.

Idyllisch ist anders: Am gegenwärtigen Donauzusammenfluss treffen in einem Baustellenbereich zwei kanalisierte Flüsse aufeinander.
Idyllisch ist anders: Am gegenwärtigen Donauzusammenfluss treffen in einem Baustellenbereich zwei kanalisierte Flüsse aufeinander. | Bild: Wursthorn, Jens

Wo die Natur wieder die Regie übernimmt, siedeln sich auch wieder seltene Vogelarten an. Unterhalb der Kläranlage, einem vor Jahren renaturierten Donauabschnitt, etwa brüten wieder Flussregenpfeifer und Eisvogel. Und das neue Mündungsdelta? Weil der eigentliche Zusammenfluss rund 300 Meter flussaufwärts, etwa auf Höhe der jetzigen Parkplätze verlegt wird, entsteht unterhalb eine sich im Wesentlichen selbst regulierende Naturfläche in permanenter Veränderung. Durchflüsse und kleine Inseln werden sich je nach Kiesablage verbinden und trennen. Ab nächsten Herbst wird, um Retensionsflächen bei Hochwasser zu schaffen, großflächig Erdreich abgetragen. Das Hochzeitsdenkmal wird umziehen, der Damm wird in Teilen abgetragen, doch die Allee soll die Eingriffe relativ unbeschadet überstehen. „Ein paar Bäume müssen aber fallen, damit die geplanten Durchlässe möglich werden“, sagte Koch.

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Die Grenze zwischen Donauursprung und Bundesstraße/Donaubrücke wird doppelt gestaltet. Zum einen wird der Erdaushub zu einem Sicht- und Lärmschutzhügel modelliert. Zum anderen entsteht am Wall ein zweifach kleines Auwäldchen. Samen wird ausgebracht. In fünf, sechs Jahren wird da schon etwas zu sehen sein, warb Koch ein bisschen um Geduld.

Das Denkmal anlässlich der Goldenen Hochzeit des Fürstenpaars Max Egon und Irma wird einen neuen Platz benötigen.
Das Denkmal anlässlich der Goldenen Hochzeit des Fürstenpaars Max Egon und Irma wird einen neuen Platz benötigen. | Bild: Wursthorn, Jens

Seitens der Stadt Donaueschingen gab es am Denkmal nichts Offizielles zu hören. OB Pauly weilt im Urlaub und Stadtbaumeister Christian Unkel blieb im ministeriellen Tross. Donaueschinger Befindlichkeiten brachte CDU-Stadtverbandschef Martin Lienhard auf Frage der Stuttgarter Parteikollegin ein. Klar, die Donaueschinger freuten sich auf die Umgestaltung, aber auch auf die neuen Sportstätten. Und die designierte CDU-Spitzenkandidatin bei der nächsten Landtagswahl? Sie lernte unter anderem, dass die Donau künftig 300 Meter länger sein wird und dies aber ohne Bewandtnis für die Beschilderung bleiben werde. „Denn die Donaukilometer werden von der Mündung an gezählt“, wie ihr Kabinettskollege Wolf erklärte. Die Ministerin lernte auf der etwas mehr als pünktlichen Anfahrt zum Termin, dass der Heimatkunde-Merkspruch „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“ im Kreise ihrer Mitfahrer auf komplette Unkenntnis stieß. Ob die Chefin aller Lehrer auf der Heimfahrt zum Nachsitzen bat, ist nicht überliefert.