Fünf bis sechs Meter hohe Flammen lodern auf dem Alten Festplatz. Die Hexen stehen bereit. In sicherem Abstand um das Feuer drängen sich in dichten Reihen die Zuschauer, die von dem Spektakel auch nichts verpassen wollen. Denn nach und nach werden die Hexen durch das Feuer springen. Die Erfahrensten zuerst und die Neulinge werden noch ein bisschen warten, bis die Flammen nicht mehr ganz so hoch lodern. Bereits zum 40. Mal werden die Schellenberg Hexen morgen ihre Winteraustreibung veranstalten und damit wieder zahlreiche Besucher anlocken, denn "so etwas gibt es im süddeutschen Raum eigentlich kaum noch", erklärt Thomas Wegner, Vorsitzender der Schellenberg Hexen und einer der dienstältesten Firesocks.

1978 fand die erste Winteraustreibung statt. Die damaligen "Jungen" hatten die Idee und legten den Grundstein für eine Tradition, die nicht – wie es einmal die Gerüchte besagten, in der Hexenverbrennung liegt -, sondern in der Winterverbrennung. "Damals wurde eine ausgestopfte Strohpuppe verbrannt." Allerdings sei damals ein Fehler gemacht worden, die Puppe wurde mit vielen Plakaten mit Hexen verziert, sodass Außenstehende schnell der Meinung waren, hier gehe es um eine Hexenverbrennung, anstatt um eine Winteraustreibung. Das Gerücht hielt sich hartnäckig, mittlerweile spielt es jedoch keine Rolle mehr. Und es wird auch keine Strohpuppe mehr verbrannt, sondern Rieswellen, die ein ganzes Jahr lang trockenen müssen, dass sie auch perfekt brennen.

Durch Maske sehen die Firesocks nur einen kleinen Ausschnitt. Bilder: Jakober
Durch Maske sehen die Firesocks nur einen kleinen Ausschnitt. Bilder: Jakober

Neben den beiden erfahrenen Springern Thomas Wegner und Ralf Maier, der eigentlich schon aufhören wollte, aber bei der 40. Veranstaltung unbedingt dabei sein wollte, werden auch viele junge Firesocks ihren Sprung wagen – teils zum ersten Mal. Zwar gibt es im Vorfeld auf dem Parkplatz am Schwimmbad Trockenübungen, um die Fähigkeit, den Spezialbesen im richtigen Moment abzusetzen und sich dann mit dem Körper in die Höhe zu drücken, zu trainieren. "Doch es ist etwas ganz anderes, wenn man dann durch das Feuer springt." Nicht nur der Respekt vor den Flammen ist dann da, auch sieht man durch die Maske verhältnismäßig wenig.

Ein Erfolgsrezept gibt es nicht, alles hängt auch von der Erfahrung und der Übung ab. Deshalb springen auch die "Alten" zuerst und die Jüngeren dann, wenn die Flammen nicht mehr so hoch sind. Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem man seinen Spezialbesen in den Boden stößt. Zu früh darf es nicht sein, sonst kommt die Hexe nicht über das Feuer und landet mitten in den Flammen. Zu tief darf es auch nicht sein, sonst bleibt der Spezialbesen stecken.

Gut 2,60 Meter misst der Spezialbesen, mit dem Thomas Wegner springt.
Gut 2,60 Meter misst der Spezialbesen, mit dem Thomas Wegner springt.

Mit ein Grund, warum auch auf einen richtigen Besen mittlerweile verzichtet wurde, denn oft blieben diese einfach stecken. Außerdem sind die normalen Hexenbesen bei weitem nicht so stabil und sind in der Vergangenheit oft abgebrochen. Nicht gerade vorteilhaft, wenn man durchs Feuer springt. Und so haben die Firesocks eine ganz spezielle Ausrüstung: Ihre Besen sind aus einem langfasrigen Eschenholz, das von Bäumen stammt, die über einer Höhenlinie von 1000 Metern wachsen. Warum das? "Dadurch, dass die Bäume ganz langsam wachsen, wird das Holz sehr stabil. Man bekommt so einen Sprungbesen nicht kaputt."

Das war es dann aber schon beinahe mit der besonderen Ausrüstung für die springenden Hexen. Feuerfeste Handschuhe und eine Sturmhaube unter die Maske – der Rest ist dann nichts Besonderes. Lange Unterhose, T-Shirt, Rollkragen-Pullover und was halt zu einer richtigen Schellenberg Hexe dazugehört. "Dass wir alle feuerfeste Unterwäsche tragen, ist ein Gerücht."

Sturmhaube und feuerfeste Handschuhe: Das ist die einzige Spezialausrüstung.
Sturmhaube und feuerfeste Handschuhe: Das ist die einzige Spezialausrüstung.

In all den Jahren sind viele Hexen durchs Feuer gesprungen. Doch nur einer hat es jemals gewagt, ein Rad durch das Flammenmeer zu schlagen: Fritz Cron. "Er hat es wirklich durchgezogen", sagte Wegner bewundernd. Nicht nur, weil man mit dem Kopf in die Flammen tauchen muss. Sondern auch, weil das Gestell rund um die Maske kaum Platz für die Hände lässt. Ein Rad wird dieses Jahr wohl nicht geschlagen: Es gibt allerdings etwas Besonderes: Zum 40. Geburtstag der Veranstaltung wird mit Silke Storz erstmals eine Frau durch das Feuer springen.

Die Veranstaltung

Der Fasnetsfreitag gehört in Donaueschingen traditionell den Hexen. Los geht es mit dem Umzug um 18.30 Uhr. Anschließend wird das gigantische Hexenfeuer auf dem Alten Festhallenplatz entzündet. Mit dem traditionellen Tanz wird der Winter ausgetrieben und springen die Hexen. Danach geht es in die Donauhallen, wo der Hexenball stattfindet.