Wegen vorsätzlichen, unerlaubten Führens einer halbautomatischen Kurzwaffe hat das Landgericht Konstanz einen 60 Jahre alten ehemaligen Betreiber eines Sicherheitsdienstes aus dem Raum Donaueschingen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Damit bestätigte das Gericht einen vom Amtsgericht Villingen-Schwenningen verhängten Schuldspruch vom Juli vorigen Jahres.

Waffenschein war bereits entzogen

Nach 35 Dienstjahren als Fachkraft für Personenschutz, davon 20 Jahre lang bewaffnet, wurde dem aus Nordrhein-Westfalen stammenden Angeklagten nach Schließung seines Sicherheitsunternehmens im Jahr 2016 der Waffenschein entzogen. Nicht betroffen war seine Waffenbesitzkarte, die ihn zum Besitz, nicht aber zum Mitführen von Waffen berechtigte.

Steuerermittlungen bringen Ball ins Rollen

Aufgrund eines Steuerermittlungsverfahrens im Zusammenhang mit seinem gescheiterten Gewerbe ordnete das Amtsgericht Düsseldorf vor einem Jahr eine Wohnungsdurchsuchung an. Vor dem Landgericht erklärte ein Polizeibeamter jetzt, die Steuerermittler hätten ihn und seine Kollegen bei der Maßnahme um Unterstützung gebeten, weil sie gewusst hätten, dass der Mann Waffenträger ist.

Nur drei von vier Waffen im Tresor

In seiner Wohnung hätten sich drei von vier legal besessenen Waffen vorschriftsmäßig in einem gesicherten Tresor befunden. Die vierte Waffe habe er auf Nachfrage aus seinem Wagen geholt, mit dem er an jenem Morgen gerade nach Hause zurückgekehrt sei. In dem Fahrzeug hätten auch seine drei scharfen Wachhunde gesessen.

Geladene Pistole und weiteres Magazin im Auto

Bei der Waffe habe es sich um eine Pistole der Marke "Steyr M9-A1 9 mm" gehandelt. Sie sei mit einem vollen Magazin bestückt gewesen, ein weiteres habe er ebenfalls im Auto liegen gehabt, sodass er insgesamt 29 Patronen einsatzbereit gehalten habe. "Das war die bestbewachte Waffe Deutschlands", rief der Angeklagte dazwischen, und erklärte grinsend, einer seiner Wachhunde sei darauf gesessen.

60-Jähriger sieht keine Straftat

Als Straftat betrachtete der nicht vorbestrafte 60-Jährige das Ganze nicht, weil er seiner Meinung nach einen rechtfertigenden Grund hatte, ständig mit einer geladenen Pistole unterwegs zu sein. "Ich habe immer auf der Seite des deutschen Staates gestanden", beteuerte er. Und auch in diesem Fall sei er im Recht gewesen, weil er und seine Lebensgefährtin mehrfach massiv von Asylbewerbern oder "Neubürgern", so die Wortwahl, bedroht worden seien.

Verworrene Schilderungen von Bedrohungen

Es folgten weitschweifige und verworrene Schilderungen von Bedrohungssituationen durch frühere Einsätze, die bis in Jahr 2015 zu einem Einsatz auf dem G7-Gipfel in Bayern zurückreichten. Später sei er nach der Festnahme eines georgischen Terroristen in einem Asylbewerberheim in Donaueschingen bedroht worden. Und ein Libanese habe ihm damit gedroht, ihn in die Luft zu sprengen.

Immer wieder verfolgt gefühlt

Auch von einer auf seinem Hof herumschleichenden "Zigeunerin" hätten er und seine Lebensgefährtin sich bedroht gefühlt. Und einmal habe es in seinem Anwesen bei Donaueschingen einen Einbruchsversuch gegeben.

"Dann nehme ich eben meine Hunde und schieße mir den Weg frei!"

Zuletzt habe er sich auf einer längeren Autofahrt verfolgt gefühlt: "Ich hatte immer das Gefühl, dass jemand hinter mir her ist". Nicht immer, so der 60-Jährige, sei die Polizei auf seine Anrufe hin erschienen. Da habe er den Beamten gedroht: "Dann nehme ich eben meine Hunde und schieße mir den Weg frei!"

Landgericht stellt keine akute Bedrohungssituation fest

Ebenso wie das Amtsgericht, stellte die Berufungskammer letztendlich fest, dass es im Februar 2018 die von dem 60-Jährigen und seiner Lebensgefährtin angegebene, akute Bedrohungssituation, die das Mitführen einer geladenen Waffe gerechtfertigt hätte, nicht gegeben hat. Zumal beide betont und geschildert hätten, wie sie ihre Hunde jederzeit als Waffen hätten einsetzen können.

Geldstrafe und Waffeneinzug bestätigt

Die Berufung wurde verworfen. Mit der Anzahl von 90 Tagessätzen gilt der 60-Jährige nach Rechtskraft des neuen Urteils als vorbestraft, und wird auch seine Waffenbesitzkarte abgeben müssen. Die Waffen sind und bleiben einbezogen. Der derzeit wohnsitzlose Angeklagte gab an, er baue auf eine berufliche Zukunft in Österreich.

Eklat zum Beginn der Verhandlung

Die Verhandlung vor dem Landgericht Konstanz hatte mit einem Eklat begonnen. Der 60-Jährige weigerte sich, neben seinen Personalien auch seine Wohnadresse anzugeben, wozu er laut Gesetz verpflichtet ist. "Ich werde Ihnen meinen Wohnsitz nicht nennen", sagte er zur Richterin. Als die ihm mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro drohte, meinte er: "Das gönne ich Ihnen nicht", und gab an, derzeit ohne Einkommen zusammen mit seinen drei Hunden in seinem Auto zu leben.

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