Frau Konn, Frau Mattes, die Aktion Maria 2.0 hat ihren Abschluss gefunden. Wie ist Ihr Eindruck nach einer Woche „Frauenstreik“ in kirchlichen Angelegenheiten?

Ich bin insoweit zufrieden, weil das deutschlandweit gegriffen hat. Es hat bei den Münsteraner Frauen begonnen und ist übergeschwappt. Insofern kann das einen schon zufriedenstellen. Zufriedenstellen kann auch, dass Bischof Stefan Burger schon am vergangenen Sonntag auf der Homepage der Erzdiözese eine Stellungnahme abgegeben und die Frauen in Freiburg direkt zum Dialog in den Arbeitskreis zu Frauenfragen eingeladen hat. Ich denke, das sagt auch was. Ich bin mir deshalb sicher, der Bischof übersieht die Frauenfrage nicht. Bemerkenswert ist auch, dass sich hundert Orte in der Diözese an der Aktion beteiligt haben. Das hat Wellen geschlagen.

Welchen Anklang fand die Reaktion vor Ort?

Konn: Guten Anklang hat die Stellwand in St. Johann gefunden. Hier konnte man zur Frauenfrage Stellung nehmen. Ganz egal ob Frau und Mann, zur Pfarrei gehörig oder nicht, Einheimischer oder Tourist. Es gab sehr viele, ganz unterschiedliche Eintragungen. Wir hatten traditionsbewusste, die wir einfach akzeptieren und so stehen lassen, aber auch welche, die unsere Aktion begrüßt haben. Positiv war auch, dass Frauen anderer Vereine, die nichts machen, hierherkamen und Eintragungen hinterließen.

Ist die Aktion auch auf Vorbehalte gestoßen?

Konn: Manche Frauen haben anfangs gedacht, das sei eine Demonstration, so richtig mit Protest und Aufruhrrevolte. Das hat die Traditionsbewussteren erst einmal abgeschreckt. Bei der Maiandacht im Schlosspark waren es wie im Vorjahr die gleiche Teilnehmeranzahl von 30 bis 35. Es kamen manche andere Frauen, andere sind weggeblieben. Dabei war es eine ganz normale Maiandacht.

Und wie haben die Männer Maria 2.0 aufgefasst?

Mattes: Ich habe durchaus die Erfahrung gemacht, dass die Männer das begrüßen und sagten wie ‚das wurde endlich einmal Zeit‘. Sie würden sich sowieso fragen, warum die Frauen das so lange mit sich machen ließen. Im Lehrerzimmer wurde ich ständig von anderen Kollegen angesprochen, die genau wissen wollten, was bei der Aktion stattfindet und für was sie steht. Das Thema wird in Donaueschingen sehr stark wahrgenommen und diskutiert, so meine Wahrnehmung.

Und wie reagierte Pfarrer Loks?

Konn: Pfarrer Loks steht der Aktion positiv gegenüber. Er hat sich nicht dagegengestellt und Unterstützung angeboten. Pfarrer Loks hat zum Bespiel die Maiandacht gehalten. Am Ende hat er uns dann noch die Gelegenheit gegeben, unsere Anliegen und unsere Transparente vorzustellen, ohne dass wir ihn zuvor aufgefordert hätten. Parallel zu den Gottesdiensten durften wir, wie am Samstagabend, einen Gottesdienst von Frauen machen. Für ihn war das kein Problem. Ich denke überhaupt, dass das ganze Thema für die Kirche vor Ort ohnehin kein Problem mehr. Da wird die Kirche ja hauptsächlich von Frauen getragen, hier wird viel von Frauen gemacht. Im Ordinariat ist das wohl angekommen, in der Weltkirche aber noch nicht. Die meisten Priester in der Diözese und im Dekanat unterstützen das. Hier in Donaueschingen sind wir Frauen angekommen, können viel machen und werden unterstützt.

Dann wäre die Aktion hier gar nicht notwendig gewesen?

Konn: Genau. Wir wollten uns solidarisch zeigen mit der Initiative. Die erreicht nur etwas, wenn alle mitmachen.

Wie geht es nach der Aktion weiter?

Konn: Die Frauen in Freiburg, das sind drei ehrenamtlich engagierte Religionslehrerinnen und weitere im Kirchendienst angestellte Frauen, sind eingeladen, in dem Arbeitskreis weiterzumachen.

Bleibt hier in Donaueschingen noch etwas erhalten von der Aktion?

Konn: Die Frauengruppe mit zwölf bis 13 Teilnehmerinnen wird sich jetzt nochmals treffen. Vermutlich schicken wir die Stellungnahmen von der Stellwand, auch die kontroversen, an den Erzbischof. Wir wünschen uns eine Stellungnahme. Wir werden ferner unsere Bitten in Forderungen formulieren. Außerdem wollen wir uns bei Maria 2.0 weiter vernetzen mit den anderen Gruppen. Bei der gut besuchten Agapefeier am Samstagabend entstand aus dem Kreis der Teilnehmenden der Wunsch nach weiteren Treffen sowohl inhaltlicher Art zu aktuellen Kirchenfragen als auch nach spirituellen Abenden. Das erfreut und motiviert natürlich unser Team.

Sind Sie in dieser Woche besonders häufig von Leuten angesprochen worden?

Konn: Bei einem Geburtstag kam ein durchaus kirchenferner Mann auf mich zu. Er sagte, er habe dem Pfarrer am Morgen zu den mutigen Frauen in der Gemeinde gratulieren müssen. Die Frauen sprechen uns weniger an. Ich weiß nicht, woran das liegt.
Mattes: Ich bin häufiger aufs Thema angesprochen worden, aber auch mehr von Männern.

Woran könnte das liegen?

Konn: Obwohl wir Frauen das ja immer diskutieren, fehlen dann doch viele bei der Aktion.

Ist es nicht so, dass die dienende Rolle über Jahrhunderte nicht in einer Woche abgelegt werden kann?

Konn: Das ist sicher so. Wir sind so aufgewachsen und haben über Jahrzehnte eingetrichtert bekommen, das Priesteramt zu ehren. Das tun wir ja auch. Aber es stimmt schon. Das Dienende der Frauen, die Erziehung der Kinder und die Rosenkranzgebete, das sind die Aufgaben der Frauen, so immer noch die gängige Auffassung.

Und wie haben jüngere Frauen reagiert?

Mattes: Ich habe das Gefühl, sobald kontrovers über Kirche diskutiert wird, kommt gleich: ‚Ich bin eh ausgetreten.‘ Man nimmt da eher den einfachen Weg. Man entzieht sich einer Diskussion und sucht das Weite. Ich glaube, das ist ein bisschen ein Kennzeichen meiner Generation. Auch wenn ich mit Freunden darüber spreche. Was das Dienende anlangt, kann ich da für mich nicht bestätigen. Aber die Pfarreien der Seelsorgeeinheit waren ja schon immer eher loyal.
Konn: Es sind auch provozierende Fragen, die wehtun. Man fühlt sich ja geborgen und beheimatet in der Kirche. Aber jetzt werden Missstände angesprochen und man muss sich damit auseinandersetzen.
Mattes: Ich glaube, dass das viele Menschen heutzutage nicht mehr aushalten. Bevor sie sich mit sich selber auseinandersetzten müssen, gehen sie lieber und schweigen.

Welche Tätigkeiten fielen denn diese Woche aus?

Mattes: Eigentlich wäre sehr viel ausgefallen. Es ging schon los mit dem Aufschließen der Kirche. Das wird von einer Frau gemacht. Wenn das ausfällt, muss das ein hauptamtlicher Mann machen, der eh stark beschäftigt ist. Ich bin in der Jugendarbeit engagiert und in allen WhatsApp-Gruppen und E-Mail-Verteilern. Ich hätte jetzt eine Woche auf gar nichts antworten dürfen. Das fällt schwer. Zu 90 Prozent habe ich es geschafft, zu sagen, ich bin jetzt eine Woche nicht erreichbar. Aber manchmal musste ich eben etwas rückmelden, das erledigt werden muss. Da kann man dann doch nicht so streiken, wie man es gerne gemacht hätte.

Und bei Ihnen, Frau Konn?

Bei mir sind die ganz normalen Kirchgänge weggefallen. Weil ich aber im Stiftungsrat und Vorsitzende des Pfarrgemeinderats bin, habe ich natürlich bestimmte Dinge, die übers Pfarramt zu regeln waren, in die nächste Woche schieben lassen. Froh war ich, dass die Pfarrgemeinderatssitzung, übrigens aus ganz anderen Gründen, in die nächste Woche verschoben wurde. Da wäre ich ganz schön dazwischengestanden. Man merkt, es fällt einem schwer. Einfach gefallen ist es mir, nicht in die normalen Gottesdienste zu gehen.

Fragen: Jens Wursthorn