Donaueschingen – "Zu Händen: Neue Musik – Wie und was hören wir morgen?" lautete die Frage, welche dieses Jahr im Zentrum der regelmäßig bei den Donaueschinger Musiktagen unter dem Titel "Thema Musik Live" geführten Podiumsdiskussion stand. Aus der gut besuchten Erich-Kästner-Halle wurde die Veranstaltung vom Sender BR-Klassik direkt im Hörfunk übertragen.

Das Podium war kompetent und im Blick auf seine professionelle Zusammensetzung wohlüberlegt und interessant besetzt. Eingeladen waren der Kölner Komponist Marcus Antonius Wesselmann, der nicht nur Neue Musik schreibt, sondern auch einschlägige Erfahrungen mit seiner eigenen Downloadplattform Modernmusix gesammelt hat.

Mit dem in Donaueschingen geborenen Geschäftsführer der Mainzer Schott Music and Media Gesellschaft, Rolf Stoll, saß jemand auf der Bühne, für den die Produktion von Druckerzeugnissen, also Noten, Büchern und Zeitschriften, einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet. Jens-Christian Rabe als weiterer Teilnehmer arbeitet als Popkritiker bei der Süddeutschen Zeitung, der Jurist Peter Wiechmann schließlich ist beim SWR in Mainz zuständig für eine aus der Sicht von Künstlern eher spröde, komplizierte und oft umstrittene Materie: das Urheberrecht und das Onlinerecht.

Meret Forster, Redaktionsleiterin bei BR-Klassik in München und künstlerische Co-Leiterin des ARD-Musikwettbewerbs, führte als Moderatorin in die Thematik der Diskussion ein. Diese drehte sich, grob gesagt, um das Verhältnis von physischen Tonträgern und Speichermedien wie zum Beispiel Schallplatten, CDs oder DVDs zu den Errungenschaften der digitalen Revolution, also etwa den digitalen Concerthalls, den Internet-Streams und den Download-Services. Bezogen auf die Musiktage stellte sich für Forster die grundsätzliche Frage: Profitiert die Neue Musik von diesen ziemlich jungen Möglichkeiten oder vielleicht auch nicht? Und was mag für die Zukunft gelten?

Mitmoderator Stefan Fricke, beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt Redakteur für Neue Musik und Klangkunst, eröffnete die Diskussion mit einer sehr persönlichen Frage an die Podiumsteilnehmer: Wie hören Sie denn Musik?

Die Antworten fielen außerordentlich unterschiedlich aus. Jurist Wiechmann, 51 Jahre alt, benutzt keinen Tonträger mehr, höchstens nebenbei. Verleger Stoll (65) nennt sich fixiert auf die CD und feste Tonträger. Dem Komponisten Wesselmann (51) ist es grundsätzlich gleichgültig, woher die Musik kommt. Und der Journalist Rabe (39), der sich selbst einen nervösen Hörer nennt, wendet sich den ganzen Tag der Popmusik sowohl von CDs als auch von Streams und auf Youtube zu.

Damit sind vier Typen des aktuellen Musikhörers exemplarisch erfasst. Es folgen aufschlussreiche Blicke in die Vermittlungsformen Neuer Musik bis zurück in die 1960er-Jahre. Forster und Fricke führen geschickt zu den heiklen Rechtsproblemen etwa mit den Drittplattformen, wenn Musik über soziale Netzwerke verbreitet wird. Sie zeigen auch den einschneidenden Strukturwandel auf, der darin besteht, dass Musiker ihr Geld immer weniger mit der Produktion von käuflichen Tonträgern verdienen als mit Live-Konzerten. Im Popbereich werde unablässig getourt, bemerkte Rabe.

Stefan Fricke beschloss die Veranstaltung sympathisch mit einer Einsicht, die weder falsch noch neu ist: "Wir befinden uns auf einer Reise und wissen nicht, wohin sie noch führt."