Donaueschingen/Hüfingen – Bilder der eigenen Kinder, die übers Datennetz verbreitet werden: Für die einen ist es ein Horror, für die anderen eine selbstverständliche Kommunikation in der Familie und zwischen Freunden. In den Tagen der Einschulungen herrscht Hochkonjunktur, was die Verbreitung der Bilder anlangt. Aber auch große Verunsicherung. Ein Blick in die Schulen.

Erstklässler-Shooting fiel aus

In Hüfingen fiel dieses Jahr das „öffentliche“ Schmuckbild von Erstklässlern und Klassenlehrerin aus. Das war ein Wunsch der Klassenlehrer, sagt der Rektor der Lucian-Reich-Schule, Franz Dury. Der Grund liegt in einer Mischung: Im Kern sei es die große Unruhe gewesen. Auf die Schnelle habe man gar nicht feststellen können, wer nicht auf das Bild darf. Zudem seien die Eltern ungeduldig gewesen, ihre Kinder wieder in ihre Obhut zu bekommen: um dann im Familienkreis weiter zu feiern. Das hänge auch damit zusammen, dass die Einschulung einen immer höheren Stellenwert bekomme, so Dury. Schon bei der Anmeldung werden die Eltern auf die Datenschutzaspekte hingewiesen. Aber auch darauf, wie die Kinder möglicherweise auf die Einschränkungen reagieren. „Für die ist es nämlich schlimm, wenn sie nicht aufs Bild dürfen“, möchte Dury Enttäuschungen vorbeugen.

Stolze Eltern in Aasen. Die Einschulung ist auch immer mehr ein großes Familienereignis.
Stolze Eltern in Aasen. Die Einschulung ist auch immer mehr ein großes Familienereignis. | Bild: Winkelmann-Klingsporn, Elisabeth

Für Gabriele Lindemann, Rektorin der Erich-Kästner-Schule verlief aufgrund elterlicher Datenschutzvorbehalte die Einschulung der Erstklässler aufwändiger. Am Ende war es, über die Standorte verteilt, nur ein Kind, das auf Geheiß der Eltern vom offiziellen Fotoshooting ausgeschlossen war. In mehreren Fällen gelang es Lindemann, mit dem Einwilligungsbogen in der Tasche, Eltern doch zu überzeugen, ihr Kind ablichten zu lassen. „Pro Stufe haben wir ein paar Kinder, die nicht fotografiert werden dürfen“, berichtet sie weiter. Genug, um stets sorgsam zu schauen, wer darf und wer nicht. Schon bei der Anmeldung werden die Eltern darauf hingewiesen, dass so wenig Daten wie möglich nach draußen dringen.

Keine Bilder mehr auf der Homepage

„Wir stellen keine Bilder mehr auf die Homepage und ansonsten berichten wir über unsere Kinder nur noch bei Wettbewerben.“ Auf dem Erlaubnisbogen sind die Unterpunkte Homepage, Tagespresse, personenbezogene Daten und Schulfotografie aufgeführt.

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Einfach eigentlich, aber mitunter abschreckend. Denn der Bogen ist inhaltlich zwar gleich geblieben, wurde aber im Umfang überarbeitet. Inzwischen werden dort den Eltern Handhabe und rechtliche Belange detailliert erklärt. Die Rektorin sieht eventuell die Überarbeitung des Schreibens als Grund, dass Eltern eher Vorbehalte entwickeln.

Auch Lehrer sind sensibilisiert

Datenschutzerwägungen sind auch an der Realschule Thema. Nachdem in der vergangenen Woche die Fünftklässler aufgenommen worden sind, hängt jeweils ein Bild der Klasse an der Klassenzimmertür. Alle Eltern haben zugestimmt. „Das ist intern“, sagt Schulleiterin Katja Fox. Auf dem Einwilligungsbogen werden nur Homepage und Zeitung genannt. Diese Hinweise sind in jeder Schülerakte hinterlegt, die Klassenlehrer müssen die Zustimmungsoptionen im Auge behalten. „Ja, die Kollegen sind sensibilisiert“, fügt sie an, Wenn aber andernorts Eltern Schulen vor Gericht ziehen, mache sie nachdenklich. Ebenso die Anwendung von zweierlei Maß, was das Teilen persönlicher Nachrichten angeht. Denn in privaten, auch klassenbezogenen Whatsapp-Gruppen werden völlig unbedarft Bilder der Sprösslinge verbreitet.

„Das Recht am Bild ist an den Schulen ein großes Thema“, sagt Ramona Vogelbacher. Sie ist Elternbeiratsvorsitzende am Fürstenberg-Gymnasium und leitet auch den Gesamtelternbeirat. Die Anforderungen aus dem Datenschutz bedeuten für die Schulen Mehrarbeit. „Die betreiben da einen Riesenaufwand“, meint sie. Umgekehrt könnten Eltern dies doch mit einem Vertrauensvorschuss honorieren. Das sei aber nur bedingt der Fall.

Vier von fünf Eltern lassen sich überzeugen

Auch wenn die Einwilligungserklärung, die von den Fünftklässlern des Fürstenberg-Gymnasiums nach Hause gebracht wird, eng gefasst ist und lediglich die zuvor gemeinsam definierten Unterscheidungen Homepage, Facebook und Zeitung umfasst, seien Skepsis und Gesprächsbedarf groß. „Vier von fünf Eltern lassen sich so vom anfänglichen Nein abbringen“, schätzt Vogelbacher. Ein Fünftel sei in dieser Hinsicht einfach radikal. Gebildete Leute im Regelfall, die sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt haben. Der Datenschutzaufwand dürfe nicht vor der eigentlichen Arbeit stehen. Nehme er irgendwann überhand, „dann könne es passieren, „dass wir einfach zu machen“. Gleichbedeutend mit bebilderten Nachrichten aus dem Schulbetrieb.

Wolfram Möllen, Rektor der Eichendorffschule, hält den sensiblen Umgang der Thematik elternseits für gerechtfertigt. Die Unruhe sei aber größer geworden, als die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft trat. Über die Einverständniserklärung werden die relevanten Fragen geklärt, die Folgen entpuppen sich in der Praxis. „Mitunter höre ich dann: bei diesem oder jenem Bild für die Zeitung wäre das doch in Ordnung gewesen“, fügt Möllen an. Den Anteil von Eltern, die die Einwilligung verweigern, setzt er auf 15 bis 20 Prozent an.