Dass Fotografie auch große Kunst sein kann, haben die Experten dieses Fachs seit Mitte des 19. Jahrhunderts hinlänglich unter Beweis gestellt. Weltweit hängen Fotografien von Ansel Adams, Robert Mapplethorpe oder Andreas Gursky in den großen Museen. Wie sieht es nun mit der auftragsgebundenen Fotografie aus? Darüber kann man sich sicherlich streiten. Aber zumindest jetzt waren sich die Besucher im Museum Art-Plus einig: „Absolut museumswürdig.“

Dieter Henneka hat 72 Fotografien von 57 international bekannter Fotografen ausgesucht.
Dieter Henneka hat 72 Fotografien von 57 international bekannter Fotografen ausgesucht. | Bild: Stefan Simon

Was sagt nun der Fachmann? Christian Gögger vom Kunstverein Esslingen, der in die Ausstellung einführte: „Die Aufnahmen dienen nicht nur der Werbung, sondern werden im Kunstbetrieb eigenständig wahrgenommen.“ Das gilt es überprüfen: Die Aufnahmen bilden nichts mehr ganz konkret ab, die Fotografen haben alle Freiheiten und beziehen sich auf kunsthistorische Positionen wie beispielsweise auf Edward Hoppers legendäres Gemälde „Nighthawks“. Zu den Nachtfalken dieser Welt hat Dietmar Henneka ein bekanntes Auto mit dem Stern dazugesellt. Der 1941 geborene Stuttgarter Auto-, Werbe- und Mercedes-Fotograf Dietmar Henneka hat auch die 72 Bilder von 56 Kollegen ausgesucht, die nun in der neuen Ausstellung des Museums Art-Plus zu sehen sind.

Außer in der Mode spielt die Fotografie wohl nur beim Automobil eine ebenso herausragende wie unverzichtbare Rolle. Nur selten findet man in den Bildwelten anderer Branchen so Spektakuläres, so Faszinierendes und so Innovatives wie hier. Der Stern ist zwar immer im Visier, aber er scheint mehr Mittel zum Zweck zu sein. Peter Lindbergh, einer der großen Modefotografen, hat mit seiner Kamera ein Kind vor der mit dem Stern gekrönten Motorhaube aufgenommen. Zoltan Glass stellt den Vorkriegs-Sportwagen unter ein Propellerflugzeug, Gary Bryan komponiert seine Trilogie „Car, Glass, Girl“, und Franz Lazi lichtet rauchende Herren ab vor einer 300er Limousine mit Dame auf dem Beifahrersitz, symbolisiert damit das beginnende Wirtschaftswunder in Deutschland.

Dietmar Henneka hat seine ganz persönlichen Favoriten für die Ausstellung zusammengetragen. Henneka und seine Kollegen haben durchaus ihr Handwerk gelernt, aber in der Ausstellung geht es in Zeiten, in denen täglich das Auto-Fahren in Frage gestellt wird, um Bild-Geschichten. Der Werber Dietmar Henneka nennt das eben „Story-Telling“. Zum Beispiel, wenn eine Familie wie bei Ben Oyenes „Sea of Love“ mit ihren Mopsen Taxi fährt. Das Auto scheint also fast zu verschwinden und zieht gerade deswegen umso mehr die Blicke auf sich. Wenn sich das Auto bei Hans Hansen in einem impressionistischen Feuerwerk aus Lichtreflexen auflöst. Oder wenn, wie in Dietmar Hennekas „Kuergehennec“, nur ein Ausschnitt aus dem dichten Grün der Umgebung blitzt. Letztlich geht es aber auch um Leidenschaft, die auch von Anfang das Motto des Museums Art-Plus ist. Bei der Hauptausstellung wird sie bildhauerhisch und malerisch umgesetzt und in der ergänzenden Präsentation fotografisch.