Die Türen müssen noch eingesetzt werden, einige Möbel fehlen, Lampen, die Treppe. Aber Paul und Carola Wischnewski leben seit einer Woche in ihrem eigenen Holzhaus in der Ludwig-Kirsner-Straße. Dort haben sie quasi in einer Baulücke rund eineinhalb Jahre an ihrem Eigenheim gearbeitet. Entstanden ist das Gebäude in der sogenannten Ständer-Bohlen-Bauweise. Diese Methode wird schon seit hunderten Jahren benutzt, um Holzhäuser zu errichten.

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Aber wie lebt es sich nun in einem Holzhaus?

„Ich finde es richtig gut“, sagt Carola Wischnewski. Sie finde es toll, dass sie beim Bau auch den ein- oder anderen Nagel in die Wand geschlagen hat: „Es ist schön, wenn man am eigenen Haus auch mitgearbeitet hat“. Ganz besonders finde sie jedoch das angenehme Klima im Haus. Es strahle eine Wärme aus, die es so in einem Steinhaus nicht gebe. Was jetzt noch genau ausgetüftelt werden müsse, sei die Regelung der Heizung. Das gehe erst richtig, wenn auch die Türen installiert sind.

Die Fenster sind drin und die Familie wohnt bereits in ihrem Holzhaus. Jetzt fehlen noch einige Details. Etwa der Balkon auf der Gerüstseite oder die Treppe vor der Tür.
Die Fenster sind drin und die Familie wohnt bereits in ihrem Holzhaus. Jetzt fehlen noch einige Details. Etwa der Balkon auf der Gerüstseite oder die Treppe vor der Tür. | Bild: Simon, Guy

Ist das teurer?

Wenn Besuch komme, werde das Haus zwar immer bewundert, aber der Preis thematisiert: „Viele sagen, dass sie es schön finden, sich so was aber nie leisten könnten. Meistens leiste ich da Überzeugungsarbeit. Es ist nicht teurer als ein Steinhaus. Es kommt natürlich immer darauf an, was man haben möchte“, so Wischnewski. Ihr Partner ergänzt: „Wir hätten auch günstiger bauen können, hatten aber Extra-Wünsche, wie etwa eine moderne Küche, viel Glas sowie eine Galerie.

Dass man sich am Holz sattsehe, glaubt das Paar nicht. Allerdings sind einige Wand-Elemente auch weiß verputzt, am Boden befinden sich Fliesen. Durch diese Mischung wirkt es lockerer: „Außerdem ist es morgens herrlich, mit dem Geruch von Holz und der Optik aufzuwachen“, so Carola Wischnewski

Knacken gehört dazu

Das Holz als Naturstoff arbeite und bewege sich auch. Zudem verändere sich die äußere Erscheinung, es wird dunkler. „Klar kommt es vor, dass es knackt. Aber bewusst habe ich das noch nie gehört, denke ich“, sagt Paul Wischnewski. Durch die Bauweise werde auch verhindert, dass die Bewegungen zu stark werden: „Bei einem Blockhaus gibt es etwa Veränderungen von 25 bis 30 Zentimetern, weil das Material sich absetzt“, erklärt der Bauherr. Dass es Risse gebe, störe jedoch nicht. Das gehöre eben zum Baustoff.

Es werden zwar Schrauben benutzt, zum Großteil sind die Holzteile jedoch ineinander gesteckt oder mit Zapfen verbunden.
Es werden zwar Schrauben benutzt, zum Großteil sind die Holzteile jedoch ineinander gesteckt oder mit Zapfen verbunden. | Bild: Simon, Guy

Keine Sonder-Versicherung

Über die Versicherung sei auch keine besondere Klausel notwendig: „Wir haben lediglich spezielle Sicherungen, die selbstlöschend sind“, sagt Carola Wischnewski. Die befinden sich allerdings im Keller, die Regelung orientiere sich daher wohl eher an Sicherungskästen, die sich ebenfalls im Holzbereich befinden. Dass das Holz schnell brenne, sei auch nicht der Fall: „Dafür ist es einfach zu massiv“, erklärt Paul Wischnewski.

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Das Haus hätte auch schneller gebaut werden können, allerdings sorgte die derzeitige Situation auf dem Handwerker-Markt für die Zeitspanne: „Die Auftragsbücher sind einfach randvoll. Wir hätten das sicher auch in einem halben Jahr weniger gestemmt“, so Wischnewski.

Viele Stunden selbst mitgearbeitet

An Eigenleistung seien etliche Stunden in das Vorhaben geflossen: „Jeden Urlaubstag, jeden Feierabend und jede freie Minute haben wir hier verbracht. Jetzt freue ich mich auf die Ruhe und darauf, einfach mal Feierabend zu haben“, sagt Wischnewski. Bis dahin werden aber sicher noch ein bis zwei Jahre ins Land ziehen.

Pflege muss sein

Dazu zählt etwa der Anstrich der Außenwand: „Jetzt werden wir erst einmal mit einer Grundierung streichen.“ Das passiere mit einem Öl, das Additive enthält. „Alles lebensmittelecht“, so Paul Wischnewski. Es sei transparent und schütze gegen Ungeziefer, Austrocknung und Schimmel. Danach kommen noch zwei Anstriche mit Farbe. „Das ist ein Schutz vor dem Wetter. Zudem würde das Holz ansonsten ausgrauen.“ Das Grau wandle sich etwa in 40 Jahren in eine Art Dunkelbraun. Die Familie will das nicht: „Die Wetterseite streicht man etwa alle fünf Jahre.“

Ökobilanz

Die ist dem Paar besonders wichtig. Jene ihres Holzhauses kann sich auch sehen lassen. Es besteht aus Fichten- und Weißtannenholz, das aus Urach bei Vöhrenbach kommt. Der Weg der Arbeitsmaterialien ist also ein recht kurzer. Manches Holz wird aus dem Ausland, etwa Norwegen angeliefert. Die Wischnewskis haben die Bäume noch im Wald liegen sehen und haben sich im Sägewerk angeschaut, wie sie zugeschnitten wurden.