Engagiert in seinem Beruf als Gymnasiallehrer, vier Jahrzehnte in der Kommunalpolitik und hochprofessionell als Historiker und Autor historischer Werke unterwegs: Rüdiger Schell wird morgen, am 19. April, 80 Jahre alt. Er ist nach wie vor aktiv, auch wenn er zurzeit körperlich nicht mehr ganz so fit ist wie einst als junger Lehrer im Team des Fürstenberg-Gymnasiums.

Aktivposten der Stadt

Und auch wenn er sich etwas zurückgezogen hat in sein Haus in Aufen, gehört Rüdiger Schell bis heute zu den Aktivposten in der Stadt, zu den Menschen also, die geistig hellwach und rege am Donaueschinger Leben teilnehmen. 2008, fünf Jahre nach seiner Pensionierung aus dem Schuldienst, hat er mit einer Dissertation über das "Dominikanerinnenkloster Auf Hof bei Neudingen" gerade mal so mit "magna cum laude", auf Deutsch: "sehr gut", seinen Doktortitel erworben. Es folgte ein Buch über die Geschichte des Reichsarbeitsdienstes und das Hüfinger Lager mit dem Namen "Heinrich von Fürstenberg". Und schließlich soll demnächst noch eine Art Kriegs-Tagebuch herauskommen: Bart Heyning, ein holländischer Zwangsarbeiter, der von 1943 bis zum Kriegsende 1945 im fürstlichen Sägewerk in Hüfingen arbeitete, hat dieses Tagebuch geführt. Seine Erlebnisse schildert er in zahlreichen Notizen, ein eindrucksvolles, regional bedeutsames Zeitdokument über das Dritte Reich.

"Ein junger, dynamischer Lehrer"

"Ich habe Rüdiger Schell als jungen, dynamischen Lehrer kennengelernt", sagt zum Beispiel Hubert Kaiser, selbst auch ein langjähriger Kollege von Rüdiger Schell am FG. "Er war streng, hat den Schülern vieles abverlangt, war zielgerichtet, geradlinig, aber immer gerecht und korrekt", sagt Kaiser, "aber er war auch ein geselliger Typ." Kaiser, in der Allmendshofener DJK aktiv, erwähnt vor allem Schells Qualitäten als Mittelfeld-Sechser im Fußballteam des Gymnasiums.

Ein Sozi alten Schlages

Der Kommunalpolitiker Rüdiger Schell hat sich von 1968 bis 1999 als Stadtrat in der SPD Verdienste erworben, davon 17 Jahre als Fraktionssprecher der Sozialdemokraten und fünf Jahre als OB-Stellvertreter. 1971 wurde er in den Kreistag gewählt, war zunächst im früheren Landkreis Donaueschingen und später im Schwarzwald-Baar-Kreis an vorderer Stelle aktiv. Von 1992 bis 2004 war Schell Sprecher der Kreistagsfraktion der SPD.

1997 das Bundesverdienstkreuz

Rüdiger Schell ist seit 1967 mit seiner Ehefrau Johanna verheiratet, hat zwei verheiratete Töchter mit eigenen Familien. 1997 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 1939 in Gengenbach im Kinzigtal geboren, wuchs Schell aber in Waghäusel im Kreis Karlsruhe auf. Da sein Vater Josef Schell Bankdirektor war, musste die Familie 1954 erneut umziehen, dieses Mal nach Radolfzell. Nach dem Abitur in Konstanz studierte er Geschichte, wissenschaftliche Politik, Deutsch und Philosophie in Freiburg, München und Heidelberg. Seit 1967 war er Lehrer am Fürstenberg-Gymnasium.