Gut gelaunte Bewohner treffen sich freitags zur Singstunde im Donaueschinger Pflegeheim Sankt Michael. Aber auch diesen Eindruck nimmt Marcel Klinge, Bundestagsabgeordneter aus Villingen-Schwenningen (FDP) mit nach Berlin: Der Pflege geht zunehmend das Personal aus. Die meisten Pflegekräfte leisten Mammut-Arbeit. Nur ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass sich der Betrieb noch aufrecht halten lässt.

Klinge war gemeinsam mit Stadtrat Niko Reith und Patrick Leismann, der das Wahlkreisbüro des Abgeordneten leitet, auf Informationstour in Donaueschingen. Und weder Heimleiter Dieter Münzer, noch Pflegedienstleiterin Margot Pollinger, noch Qualitätsmanager Markus Albert, noch die examinierte Altenpflegerin Maria Dokic ließen einen Zweifel daran, dass die Pflege in Not ist. „Es wird immer schwieriger, unser Level und unsere Qualität zu halten“, sagt Albert, der seit 2004 in Sankt Michael arbeitet.

Es sei ein Teufelskreis: Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend, die Belastung nehme zu, Mitarbeiter gehen, weil sie unter diesen Umständen nicht mehr arbeiten wollen.

Maria Dokic macht deutlich, dass die Arbeit in der Pflege im Grunde eine tolle Arbeit sei, aber fehlendes Personal mache den Alltag immer schwieriger. Auch Heimleiter Dieter Münzer blickt sorgenvoll auf die unzureichende Personalsituation: Er könnte sofort sechs bis sieben Fachkräfte dauerhaft einstellen. „Aber wir finden keine.“ Zur Not würden dann freiberufliche Kräfte eingesetzt. Diese seien teuer, müssten aber keinerlei fachliche Qualifikation nachweisen. Obendrein suchen sie sich die Dienste nach Belieben aus und kommen von heute auf morgen nicht mehr zur Arbeit, wenn ihnen etwas nicht passt, sagt Münzer. Er müsse dann versuchen, kurzfristig Ersatz zu finden, um die Dienste abzudecken.

Münzer räumt ein, dass er vor wenigen Jahren noch eine stolze Fachkräfte-Quote von 85 Prozent vorweisen konnte, diese sei inzwischen deutlich abgesunken. „Viele Dinge laufen in der Pflege in die falsche Richtung“, hielt Münzer nicht hinter dem Berg mit seiner Kritik. „Wir brauchen dringend Personal, gut ausgebildetes Personal, „alles andere sind nur Notlösungen“.

In einem Gespräch mit dem Heimbeirat wurde auch Kritik laut an der vom Land Baden-Württemberg geforderten „Einzelzimmer-Verordnung“. Sankt Michael habe zwar eine Übergangsfrist bis 2028. Trotzdem stünden viele Heime vor finanziellen Problemen: Es sollte die freie Entscheidung der Bewohner und der Heime sein, ob sie ins Einzel- oder ins Doppelzimmer einziehen.