Informativ. Seriös. Sachlich. Diese Wörter fallen immer wieder, nachdem die knapp 30 Teilnehmer einer Informationsfahrt zu den drei Windrädern in Wiechs am Randen den Bus verlassen haben und in kleinen Gruppen auf dem Parkplatz an der Fürstenbergstraße zusammenstehen. Eingeladen zu der Tour hatte Bene Müller, Geschäftsführer der Singener Firma Solarcomplex, die auf der Länge sieben Windräder aufstellen möchte. Mit an Bord auch Sonja Rajso vom Münchner Energiedienstleister Green City. Dieses Unternehmen plant fünf Windräder auf dem Ettenberg. An der dreistündigen Exkursion nahm kein Windkraftgegner teil – jedenfalls gab sich keiner zu erkennen. Edgar Feder aus Neudingen zu seiner Motivation, mitzufahren: "Ich war schon bei der Informationsveranstaltung der Windkraftgegner in Neudingen, jetzt wollte ich die andere Seite hören. Ich habe viel mitgenommen."

Zu Beginn der Busfahrt verteilt Karina Christen von Solarcomplex die Animationen, mit denen die Winkraftgegner die Sichtbarkeit der Windräder aus verschiedenen Blickwinkeln und aus verschiedenen Entfernungen darstellen. Dreimal lässt Bene Müller den Bus deshalb anhalten: in knapp sechs Kilometern Entfernung zum Windprojekt Verenafohren kurz hinter dem Restaurant Waldfrieden, in drei Kilometern Entfernung bei der Bushaltestelle Hauhof und in Wiechs in 1400 Metern Entfernung. "Sie sollen sich mit ihren eigenen Augen und ihren eigenen Ohren einen Eindruck verschaffen", sagt Bene Müller. Schnell wird klar: Je näher man den Windrädern kommt, desto weniger sieht man sie – weil sie auf einem Bergrücken mitten im Wald stehen.

So wie auf der Länge und dem Ettenberg. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass die Windkraftgegner die Windräder in ihren Animationen einfach auf den Wald aufgesetzt haben. Denn: Jedes Windrad muss auf 40 Metern Höhe aus Gründen der Flugsicherheit einen roten Markierungsring aufweisen. In der Realität ist diese Markierung nur aus großer Distanz zu erkennen, bei den Animationen aber auch aus kurzer. Ein Fake also.

Über eine geschotterte Straße erreicht der Bus sein Ziel. Die Straße ist 4,50 Meter breit, die lichte Höhe (der von Hindernissen freizuhaltende, vertikale Raum) beträgt sechs Meter. Ein normaler Waldweg sieht zwar anders aus, von einer dreispurigen Autobahn, von der die Windkraft-Gegner sprechen, kann aber auch nicht die Rede sein. Und was verbirgt sich hinter der weißen Plane auf halbem Weg zu den Windrädern? Der Frauenschuh, eine seltene Orchideenart, die so geschützt wird.

In 300 Metern Entfernung zu einem der drei Windräder im Gewann Verenafohren hält der Bus, die Passagiere steigen aus. "Hören Sie das leise Pfeifen des Windrads?", fragt Bene Müller. Den Minen der Infotour-teilnehmer ist ein Nein zu entnehmen, erst bei 150 Metern Abstand hören alle das Geräusch. "Wenn hier ein Haus stünde und man würde das Fenster zumachen, hätte man seine Ruhe", sagt ein junger Mann. Dann, direkt unter den Flügeln, beginnt die Fragerunde. Wie auf Bestellung kommt ein Flugzeug vorbeigeflogen. Es übertönt das Pfeifen der Rotorblätter.

Bene Müller lässt keine Frage unbeantwortet und überrascht mit einigen Fakten: Dass die Haftpflichtversicherung für ein Windrad bei rund 100 Euro im Jahr liegt – ein Beleg dafür, wie gering die Versicherungswirtschaft die Gefahr einstuft, dass Windräder Fremdschäden verursachen. Dass für das Projekt Verenafohren 2,9 Hektar Wald gerodet worden sind und 5,3 Hektar wieder aufgeforstet werden. Dass für 11 000 Euro Ameisenhaufen umgesiedelt wurden. Dass das häufig stillstehende Windrad in Fürstenberg nicht als Vergleich taugt – weil aktuelle Windräder zwei Generationen weiter seien und mit viel weniger Wind auskämen und dass die Behörden ein zweijähriges Fledermausmonitoring auferlegt haben.

Informationen satt, über die sich die Teilnehmer bei der Rückkehr austauschen. Wilfried Dreher hat gefallen, dass Bene Müller nicht den Versuch unternommen hat, die Teilnehmer zu manipulieren. Bodo Groß hatte befürchtet, eine Werbeveranstaltung zu besuchen. Umso glücklicher war er über die "seriöse Informationsvermittlung".

Zahlen, Fakten und zwei Mitfahr-Angebote

Der Windpark: Solarcomplex möchte sieben Windräder auf der Länge betreiben. Ursprünglich waren es acht, doch von dem Windrad direkt an der Längewiese hat das Unternehmen Abstand genommen, weil dafür wegen des Rotmilans ein weiteres, sehr aufwändiges Gutachten hätte erstellt werden müssen. Die Investitionssumme liegt bei 38 Millionen Euro, erwartet wird eine Leistung von 48 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Green-City plant fünf Windräder auf dem Ettenberg und gibt eine Investitionssumme von 29 Millionen Euro an.

Das Münchner Unternehmen erwartet eine Stromproduktion von 35,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Beide Energiedienstleister setzen auf Windräder der neusten Generation, die rund 230 Meter hoch sind (zum Beispiel Typ Nordex N-131).

Infotouren: Eine weitere Infotour zum Windpark Verenafohren bieten Solarcomplex und Green City Energy am heutigen Samstag, 22. Juli, an. Start ist um 15 Uhr ab Blumberg vom Parkplatz am Werner-Gerber-Stadion. Wer sich noch kurzfristig anmelden möchte, kann dies tun unter der Telefonnummer 0176/11 82 74 22. Die dritte Tour nach Wiechs gibt es am Donnerstag, 27. Juli, um 18 Uhr ab Hüfingen. Auch hier wird um Anmeldung gebeten unter wind@solarcomplex.de oder 07731/8274-125.