Morgen, Freitag, sitzen sie im Flieger, der sie von Bukarest nach Zürich bringt. Oder – in diesem Fall sind es die Ruheständler im Team – sie machen sich dran, die vier Begleitfahrzeuge zurück auf die Baar zu überführen. Nach zwölf Tagen einmaliger Erlebnisse, schwerer Strapazen, mitunter belastender Enge, stets grandiosem Teamspirit und einem Riesen-Erfolgserlebnis zum Schluss endet das Donaulauf-Projekt des Lauftreffs Pfohren.

Zwei Minuten vor dem im Vorfeld ausgeklügelten Zeitplan ging die Zielankunft am Mittwochabend in der rumänischen Kleinstadt Murghiol über die Bühne. Die ganze Gruppe legte die letzte, acht Kilometer umfassende Etappe gemeinsam zurück. Mit Bengalos in den Händen und zwei fröhlich lärmenden Familien am Straßenrand ging die Lauf-Reise zuende. Das i-Tüpfelchen dann am Donnerstag: Von Murighiol, das am Rande des Donaudeltas liegt, fuhr die Laufgruppe auf drei Booten sechs Stunden durch das Donaudelta bis ins Schwarze Meer hinein. Erholsam dabei, die Füße ins Wasser zu strecken. Natürlich durfte die kurze Passage zum Kilometer Null nicht fehlen, wo sie die Donau ganz offiziell mit dem Schwarzen Meer vermengt.

Wasser zu Wasser: Eine „Flüssig-Spende“ aus der Donaueschinger Donauquelle rieselt beim Kilometer Null in die kaum noch als Fluss wahrnehmbare Donau.
Wasser zu Wasser: Eine „Flüssig-Spende“ aus der Donaueschinger Donauquelle rieselt beim Kilometer Null in die kaum noch als Fluss wahrnehmbare Donau. | Bild: Lauftreff Pfohren

Von Anfang an sei es klar gewesen, dass die Mission gelingen werde. „Da gab es keine Zweifel“, so Thomas Schneider in der Rückschau. Gab es doch deutlich weniger Schwierigkeiten zu bewältigen, als die Gruppe, deren Altersdurchschnitt exakt 50 Jahre betrug, erwartet hatte. Vor allem aber zahlte sich die zwei Jahre umfassende Planung und die halbjährige intensive Vorbereitung aus.

Unvorhergesehenes konnte man vor Ort reparieren, wie einen Fahrzeuganhänger, dessen Radlager trotz langsamer Fahrt den Unebenheiten der südosteuropäischen Straßen Tribut zollen musste. Oder Läufer mussten, abweichend von der Regie der GPS-Daten, hier und da mal über eine nicht eingezeichnete Absperrung klettern. „Einmal landete ein Läufer plötzlich in einem abgezäunten Industriegelände“, schildert Schneider ein kurioses Erlebnis. In der Summe verlief sich auf den 291 Etappen am Tag und in der Nacht kein einziger der 16 Läufer und fünf Läuferinnen. Die unliebsamen Überraschungen für die Fahrradbegleitung über 3145 Kilometer von Breg- und Brigachquelle bis ans Schwarze Meer beschränkte sich auf zwei Plattfüße.

Jetzt hat das Lauf-Event ein Ende. Marc Schneider auf seiner Etappe entlang der Donau in Rumänien.
Jetzt hat das Lauf-Event ein Ende. Marc Schneider auf seiner Etappe entlang der Donau in Rumänien. | Bild: Lauftreff Pfohren

Und auch das staatsrechtlich-bürokratische Beiwerk gestaltete sich dank guter Vorbereitung reibungslos. Bei den Grenzkontrollen konnten Läufer und Biker, nachdem sie sich mit ihren Pässen ausgewiesen hatten, mittels eines in sechs Sprachen verfassten Flyers den Sinn ihres Laufs erklären. „In Rumänien führte das dann so weit, dass wir entlang der Donau, die über viele Kilometer als Landesgrenze fungiert, nachts unter Aufsicht der Grenzpolizei ausruhen konnten.“ Wobei die Donau als zwei Kilometer breiter Strom kaum noch Ähnlichkeit hatte mit der jungen Donau in Pfohren. Doch egal. Ein Running Gag begleitete die Donauläufer vom Start bis zur Mündung. Die Donau blieb im Sprachgebauch „der Bach“, seit so die Breg im Laufschritt bei Vöhrenbach betitelt wurde.

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Und eines ist am Ende klar: Steigern lässt sich das Projekt Donaulauf in seinen Dimensionen nicht. Schon gar nicht im Ausmaß der Vorbereitungen. Da war für Schneider der für den Lauf bedingte Urlaub nur eine Art Zugabe. Er blickt auf das Abenteuer sehr zufrieden. Auch und besonders, weil der Benefizpart die Erwartungen im Vorfeld vermutlich übertreffen wird. Ausstehende Abrechnungen aus Kartenzahlungen erlauben noch keinen abschließenden Kassensturz. „Doch die erwarteten 15000 Euro werden wir übertreffen.“ Vermutlich werde sich der Reinerlös in Richtung 20000 Euro bewegen.

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Was bleibt? Mal wieder andere Leute sehen nach zwölf Tagen, in denen sich die Beteiligten in vier Autos zwängen mussten. Mal wieder im eigenen Bett schlafen. Und mal ein, zwei Tage nicht laufen müssen. Kulinarische Wünsche äußert Thomas Schneider im Telefongespräch nicht. Im Gegenteil: Die Landesküche hat ihm und den anderen geschmeckt. „Überall haben wir sehr interessant und gut gegessen.“ Ein Steak Stroganoff mit Beilagen für zehn Euro, ein Bier für 90 Cent. Wohl bekomm‘s! Was schmeckt und wichtig ist für den Krafterhalt. Denn am Dienstag trifft sich der Lauftreff Pfohren zum ersten Training nach dem Donaulauf 2019.