Donaueschingen – Für eine 20 000-Einwohner-Stadt hält Donaueschingen ein bemerkenswertes Kulturangebot vor. Da sind zum einen die Musiktage, die Mitte Oktober ein 10 000 Besucher großes und internationales Publikum in die Stadt lockten. Neben dieser Leuchtturmveranstaltung sind es aber die vielen hausgemachten Ereignisse, die den kulturellen Charme Donaueschingens ausmachen: die Kleinkunst- und Konzertreihen der Gesellschaft der Musikfreunde, die vom Kulturamt organisierte Regionale, die alle zwei Jahre einen Überblick über die Gegenwartskunst der Region bietet, das private Museum Art Plus mit seinen hochkarätigen Ausstellungen oder die Bilderschauen in der Rathausgalerie und der Galerie im Turm. Und auch Klassik-Orchester kommen gerne in die Stadt, seit es mit dem Strawinsky-Saal in den Donauhallen einen professionellen Ansprüchen genügenden Aufführungsort gibt. Nicht zu vergessen die Fürstenberg-Sammlungen. Eine Konstante im gestalterischen Portfolio der Stadt sind die Ausstellungen der einheimischen Künstlergilde. Vernissage der diesjährigen Werkschau im Bartók-Saal der Donauhallen ist am Freitag, 16. November, die Finissage ist am Sonntag, 25. November.

Charly Walter, 2012
Charly Walter, 2012 | Bild: Hon

Seit 47 Jahren spiegelt die Jahresausstellung der Künstlergilde das kreative Schaffen der Stadt. Sie ist immer ganz bewusst themenfrei gehalten, denn jeder – egal ob Maler, Bildhauer, Plastiker oder Fotokünstler – „macht bei uns sein Ding“, wie Jörg Michaelis, der stellvertretende Vorsitzende der Künstlergilde, erklärt. 34 aktive Mitglieder zählt der Verein.

Reinhold Moch, 1996
Reinhold Moch, 1996 | Bild: Hon

Die wohl wichtigste und gleichzeitig anspruchsvollste Vorarbeit für die Gilde-Werkschau liegt in den Händen von Charly Walter. Er verteilt die Stellwände im Bartók-Saal und weist jedem Künstler seinen Platz zu. Damit setzt er die Kunstwerke in Szene und übernimmt damit die Funktion eines Kuratoren. Um diesen Job zur Zufriedenheit aller zu erfüllen, schicken ihm die Teilnehmer im Vorfeld Fotos ihrer Werke zu. Dann beginnt seine knifflige Arbeit. Es geht beispielsweise gar nicht, ein eher zurückhaltendes Werk neben einem farbenprächtigen zu platzieren. Gibt's da nicht gelegentlich Beschwerden? Michaelis verneint. Die Gilde-Mitglieder hätten großen Vertrauen in das Know-how von Walter.

Ruth Marlier, 2011
Ruth Marlier, 2011 | Bild: Hon

Überhaupt gehe es bei der Künstlervereinigung äußerst basisdemokratisch zu, alle Entscheidungen träfen die Mitglieder im Kollektiv. Der Streit unter den Aktiven, der vor rund zehn Jahren die Gilde zu sprengen drohte, sei längst überwunden, betont Michaelis, der selbst seit rund zehn Jahren dabei ist.

MWA Hoffmann, 2002
MWA Hoffmann, 2002 | Bild: Hon

Die Jahresausstellung ist der Höhepunkt im Vereinsleben. Einmal im Monat treffen sich die Gildemitglieder und machen die City-Pizzeria zum Künstler-Treff. Gegenseitige Atelierbesuche gehören zum Programm und dann natürlich gemeinsame Ausflüge zu Galerien oder Museen. Im Museum Frieder Burda in Baden-Baden lernte die Gilde Tamara Tziroulnikoff kennen, die für das renommierte Kunsthaus arbeitet. 2013 sprach sie bereits zur Ausstellungseröffnung, am Freitag, 16. November, wird sie wieder die Laudatio halten. Auf die trefflichen Worte der gebürtigen Belgierin und gelernten Vermessungs-Ingenieurin freut sich Michaelis besonders.

Aus dem Rahmen gefallen: Jörg Michaelis, der stellvertretende Vorsitzende der Künstlergilde, präsentiert das aktuelle Ausstellungsplakat, das aus seiner Hand stammt. Bild: Privat
Aus dem Rahmen gefallen: Jörg Michaelis, der stellvertretende Vorsitzende der Künstlergilde, präsentiert das aktuelle Ausstellungsplakat, das aus seiner Hand stammt. Bild: Privat | Bild: Künstlergilde

Ein bis drei Gastaussteller bereichern immer die Werkschauen. Dieses Jahr haben zwei Künstler Gnade vor den Augen der Gildemitglieder gefunden. Es gab auch schon Jahre, da konnte kein Auswärtiger ein Ticket für die Donauhallen buchen. Die Gastauftritte können aber auch mit einer Gilde-Mitgliedschaft enden. "Neben dem Künstlerischen muss es aber auch im Zwischenmenschlichen klappen, um aufgenommen zu werden", unterstreicht Michaelis.

Alle Fakten zur großen Gilde-Schau

  • Öffnungszeiten: Die Jahresausstellung der Donaueschinger Künstlergilde ist jedes Jahr der Höhepunkt des kreativen Schaffens der Gildemitglieder. Den Besuchern wird die Vielfalt des Themas zeitgenössische Kunst präsentiert. Geöffnet ist die Ausstellung im Bartók-Saal der Donauhallen von Samstag, 17. bis Sonntag, 25. November, täglich von 15 bis 18 Uhr, an Samstagen und Sonntagen von 10 bis 18 Uhr.
  • Ausstellungsplakat: Schon zur Tradition geworden ist es, dass jedes Jahr ein Künstler aus der Gemeinschaft der Gildemitglieder gewählt wird, um das Plakat der Jahresausstellung zu gestalten. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Jörg Michaelis. Im Gegensatz zu den Plakaten der Vorjahre nahm er keines seiner Werke als Motiv für das Plakat, sondern fotografierte extra für diesen Zweck den Eingangsbereich und die Front der Donauhalle. Zum einen wollte er so zeigen, wo die Ausstellung ist und zum anderen damit auch die Verbundenheit der Künstlergilde zu Donaueschingen dokumentieren.
  • Programm: Die öffentliche Vernissage der Jahresausstellung der Gilde ist am Freitag, 16. November, um 19.30 Uhr. Oberbürgermeister Erik Pauly wird die Ausstellung eröffnen, musikalisch wird „Jazz by Schnitzer & Basler“ geboten. Die Einführung in die Ausstellung übernimmt Tamara Tziroulnikoff. Die Finissage am Sonntag, 25. November, wird ebenfalls vom Jazzduo Schnitzer & Basler begleitet. (sk)