Das Konto wird bald zum Bersten gefüllt sein. Unglaublich, aber wahr. Aus heiterem Himmel kam eine Nachricht, die angeblich dafür sorgt, dass bald eine Menge Geld in die eigene Brieftasche wandert.

Am Freitagabend gegen 20 Uhr ploppte die Email plötzlich im Postfach auf: "Es ist mir eine Freude, Sie zu kontaktieren", so der Betreff. Das klingt ja erst mal auch richtig angenehm. Das Öffnen der digitalen Post offenbart einen vermeintlichen Glücksfall. Eine gewisse Ann Daniel freut sich, mich zu kontaktieren. Sie sei das einzige Kind des verstorbenen Gilbert Daniel.

Sie schreibt, weil sie jemanden sucht, der mit ihr eine Investitionspartnerschaft machen möchte. Anscheinend hat sie eine Erbschaft von 3,8 Millionen US-Dollar bekommen, die sie, aus welchem Grund auch immer, nach Deutschland transferieren möchte – mit meiner Hilfe. Als Entlohnung winken 20 Prozent des großen Geldbatzens.

Irgendwie komisch. Wir kennen uns ja gar nicht, Ann und ich. Das scheint für sie jedoch kein Problem zu sein. "Obwohl ich mich vorher noch nicht mit dir getroffen habe, aber ich glaube, man muss riskieren, jemandem zu vertrauen, der manchmal im Leben Erfolg hat", schreibt sie. Die schlechte Grammatik ist zu entschuldigen, sie ist immerhin Ausländerin.

Ich berichte freudig von meiner baldigen Finanzspritze, da meldet sich der Kollege zu Wort. Auch er habe eine entsprechende Mail bekommen. Ann Daniel scheint nicht nur mich angeschrieben zu haben. Jetzt war ich doch kurz davor ihr zu antworten, immerhin verabschiedet sie sich ebenso freundlich: "Kontaktieren Sie mich für weitere Details und Erklärungen, damit wir fortfahren können. Meine besten und lieben Grüße an Sie und Ihre Familie, Grüße Ann."

Komisch. Das wirkt alles irgendwie so, als meine sie das gar nicht ernst. Gibt es etwa keine 20 Prozent, gibt es gar auch keine 3,8 Millionen US-Dollar? "Möge Gott Sie für Ihre sofortige Aufmerksamkeit segnen", schreibt Ann. Danke liebe Ann, ich habe die in solch einem Fall. Deine Mail wird abgehakt und wandert in den Papierkorb. Tut mir wirklich leid. All deinen Versprechungen zum Trotz. Irgendwie lässt sich über solche Mails immer wieder schmunzeln, sind sie doch mittlerweile fast zum Klischee geworden. In regelmäßigen Abständen melden sich vermeintliche Millionen-Erben, die dringend ihr Geld an ihnen unbekannte Privatpersonen loswerden möchten.

Das Lachen vergeht einem allerdings, wenn man sich die Absicht dahinter wieder bewusst werden lässt – und die Tatsache, dass etliche Leute auf diese Scharlatanerie immer wieder hereinfallen und dadurch abgezockt werden. Dann wird aus dem Klischee schnell bitterer Ernst. Und der kann wehtun.

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