1967 war es, als der amerikanische Psychologe Stanley Milgram das Kleine-Welt-Phänomen prägte. Das besagt, dass über rechnerisch 6,6 Ecken jeder Mensch jeden beliebig anderen auf der Welt kennt. Der Erdball ist also nichts weiter als ein Dorf – was die Bekanntschaften betrifft.

Das bedeutet natürlich, dass man die anderen Dorfbewohner auch ab und zu mal trifft. So eine Ortschaft ist ja immerhin nicht allzu groß. So geschehen auf dem Flughafen in der amerikanischen Stadt Atlanta, mit ihren fast sechs Millionen Einwohnern. Was sich dort ereignet hat, schreibt Mike Lange der Donaueschinger SÜDKURIER-Redaktion. Er hat 1990 sein Abitur am Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasium gemacht, lebt jetzt in den USA und ist mittlerweile Pilot bei der Fluggesellschaft Delta Air Lines.

Lange sei während des Boarding-Vorgangs zufällig hinter einigen Schülern gestanden, als er die deutsche Flagge bemerkt habe, die sie dabei hatten. "Natürlich konnte ich da nicht anders – ich sprach sie an", sagt er. "Yeah, we were in Doughnaaheshinghen" – habe er zur Antwort bekommen: "Ja, wir waren in Donaueschingen." Wie es der Zufall will, war er auf dem Flughafen in Atlanta auf die texanischen Schüler getroffen, die einige Zeit am Fürstenberg-Gymnasium in der Donaustadt zugebracht haben. "Als Donaueschinger musste ich sofort ein paar fies-feixende Fragen stellen, bis die Augen bei den Schülern immer größer wurde", berichtet der Pilot von dem Treffen.

Die Freude bei der Klasse ist schließlich groß, besonders als klar wird, dass der Steuermann für den Flug in die Heimat in den Neunzigern sein Abitur in Donaueschingen gemacht hat, an eben jener Schule, die sie gerade erst besucht hatten. Die Höflichkeit gebietet, seinen Gast bis an die Tür zu bringen. In diesem Fall hat ein Eschinger die Texaner schließlich bis nach Hause geflogen – zum Flughafen Dallas Fort Worth. Bei Schüleraustauschen dürfte es nicht die Regel sein, dass die Gastgeber auch auf der Rückreise mit dabei sind. Der Service hat wohl ordentlich Eindruck gemacht, immerhin haben die Schüler wohl angekündigt: "Wir wollen wiederkommen." So geht Gastfreundschaft. Das muss den Eschingern erst mal einer nachmachen.

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