Als Musik- und Kunststadt sieht sich Donaueschingen gerne. Aber wenn es zur Tat geht, scheiden sich die Geister traditionell sehr schnell. Gerne erinnert man sich an die herrlichen Diskussionen, als es seinerzeit um die Kunst von Bonifatius Stirnberg ging. Zunächst beschenkte die Sparkasse die Stadt. Ein Musikantenbrunnen sollte es für die Musiktagestadt sein. Die putzigen und gelenken Kerle, an denen seither ungezählte Touristen und Kinder gespielt haben, mussten anfangs viel Spott ertragen, weil der Brunnen vielen zu bieder war.

Deutlich größer war der Aufschrei, als Kreisel-Inseln als Kunstplätze entdeckt wurden und das damalige Stadtoberhaupt Bernhard Everke zwei kämpfende Hengste von Stirnberg als Symbol für Pferdestadt mit seinem CHI-Turnier im Kreisel an der Pfohrener Straße platzieren wollte. Gemeinderäte brachten damals kleine eigene Kreationen, etwa ein aufgespießtes Matchbox-Auto, mit in die Sitzung, um zu demonstrieren, wie einfallslos sie die geplante Pferdeskulptur hielten.

Nicht der Gemeinderat, dafür Volkes Stimme jaulte auf, als der alte Kaiserbrunnen eine rote Plastikhaube von Künstler Paul Schwer erhielt. Gar teils in Rauch aufgegangen nach einer Brandattacke und inzwischen abgebaut ist dessen Strandgutkunst "Home" an der Schützenbrücke.

Jetzt ist wieder ein Kunstwerk in der Diskussion: die Johannes-Figur von Iskender Yediler, die ein anonymer Spender der Kirche schenkt. Seit 2002 schafft er Heiligenskulpturen, die man etwa vor dem Bonner Münster, vor St. Benno in München oder St. Gerion in Köln und nach der Enthüllung und Weihe ab 27. August auch in Donaueschingen vor der Stadtkirche betrachten kann.

Das alles schien kein Problem, schließlich stellte Pfarrer Erich Loks im Oktober Geschenk und Pläne vor. Erst Ende Juni kritisierten GUB und Grüne das "martiale Kunstwerk" im Gemeinderat und kommenden Dienstag, 19.30 Uhr, in den Donauhallen will man nochmals über den Kunsteingriff in die Millionen-Sanierung im Residenzviertel diskutieren. Seltsam, denn bei der Vor-Ort-Tour im Oktober schaute keiner der anwesenden Räte dem geschenkten Gaul ins Maul. "Es kamen keine negativen Reaktionen", meinte Loks gestern im Rückblick. Der Pfarrer nimmt die Kritik gelassen. "Die einem Medaillon gleich geschaffene Skulptur wird niemanden erschrecken. Die Stadt selbst hatte hier Kunst, etwa ein Brunnen, vorgesehen. Ich bin mir sicher, dass die Skulptur ein Gewinn für die Stadt wird."