Ein Frühjahreskonzert voller Überraschungen mit musikalischer Abwechslung bot jüngst der Musikverein Aufen seinen Gästen in der Donauhalle. Zeitverzögert feierte Dirigent Florian Reis seine Premiere, als er während des Heimkonzerts erstmals die musikalische Leitung der Gastgeber übernahm.

Als Florian Reis im September 2017 sein Amt antrat, traf er in Aufen eine musikbegeisterte Bevölkerung an. Weit über die Hälfte der Bevölkerung des Stadtteils hat in irgendeiner Form mit Musik oder Gesang zu tun, was ihm den Einstieg ungemein erleichterte. Der Musikverein zählt aktuell 64 Musiker. Viele von ihnen starteten nach der musikalischen Ausbildung ihre Laufbahn als Musiker in der Jugendkapelle, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert.

Vielfalt war damals ein Fremdwort

„Die Gründung im Jahr 1969 erfolgte zu einer Zeit, als es kaum in einer derartigen Vielfalt Jugendkapellen gab wie heute“, erläutert die Musikverein-Vorsitzende Roswitha Schleicher. Doch wie immer in derartigen Situationen braucht es kreative Köpfe mit der notwendigen Courage, derartige Vorhaben umzusetzen. In diesem Fall hatte der Musikverein Aufen Glück, Erfahrung und Können auf seiner Seite. Der inzwischen 81 Jahre alte Aufener Leander Binder, heute noch am Tenorsaxophon aktiv, erkannte gemeinsam mit ein paar anderen Aufener Musikern die Zeichen der Zeit und rief eine Jugendkapelle ins Leben.

Pionierarbeit bei der Frauen-Förderung

Vier Jahre war er Jugendleiter, danach übernahm mit Heinrich Langenbacher ein weiterer Routinier und ebnete den Weg für erfolgreiche Anfangsjahre. Ein Novum für die damalige Zeit betraf auch die Aufnahme von Jungmusikerinnen. „Wir waren einer der ersten Musikvereine in der gesamten Region, der Mädchen und jungen Frauen die Aufnahme in die Jugendkapelle ermöglichte“, erzählt Roswitha Schleicher stolz über eine Entwicklung, an der der damalige Vorsitzende Hans Dufner großen Anteil hatte.

Theorie ganz früh im Repertoire

Um diese Zeit war es auch, dass die ersten Musiker Theorieunterricht erhielten. Die Verantwortlichen erkannten, dass eine theoretische Grundausbildung auch für die praktische Weiterentwicklung am Instrument von Nutzen ist. Als der Blasmusikverband vor rund 35 Jahren nach dem Freiwilligkeitsprinzip die Prüfungen zum bronzenen Leistungsabzeichen einführte, nahmen auch einige Aufener Aktive daran teil. Eine von ihnen war Klarinettistin Edeltraud Rist, die heute als Einzige aus der ersten Generation junger Frauen im Musikverein mitspielt, die einst der Jugendkapelle beitraten.

15 Jahre gute Nachbarschaft mit Grüningen

Vor 15 Jahren fusionierte die Jugendkapelle Aufen mit Grüningen. Bislang leiteten mit Marcus Hildebrand und Benedikt Hauger zwei Dirigenten die Jugendkapelle Aufen-Grüningen, deren Zugangsvoraussetzung heute mindestens das bronzene Leistungszeichen ist. Für die Aktiven ist es sogar der silberne Leistungsnachweis. Derlei Hürden kennt Eigengewächs Elena Langenbacher nicht. Die Es-Saxophonistin begann im Jahr 2011 ihre Ausbildung und absolvierte im jährlichen Rhythmus zwischen 2013 bis 2015 die Prüfungen in den Kategorien Junior, Bronze und Silber.

Seit wenigen Wochen ist die 16 Jahre Elena Langenbacher die jüngste Trägerin des goldenen Leistungsabzeichens in den Reihen des Musikvereins Aufen.
Seit wenigen Wochen ist die 16 Jahre Elena Langenbacher die jüngste Trägerin des goldenen Leistungsabzeichens in den Reihen des Musikvereins Aufen. | Bild: Rainer Bombardi

Als Lehrgangsbeste war sie prädestiniert für die Prüfungen zum goldenen Leistungsabzeichen. Doch aus Altersgründen musste sie ihren Tatendrang bremsen. Vor wenigen Wochen war es dann soweit. Die 16 Jahre alte junge Frau absolvierte die Prüfungen mit Bravour und war im Konzert als jüngste Goldträgerin in den Reihen der Gastgeber zu hören.