Leise surren Stromer durch die Karlstraße. Die Luft in Donaueschingen ist komplett sauber, denn weder Autos noch Produktionsbetriebe und Privathaushalte stoßen Schadstoffe aus. Die meisten Neubauten produzieren dank Solarzellen und Sonnenwärmekollektoren mehr Energie, als sie verbrauchen und speisen sie in intelligente Netze ein. Lärm, Staus und gesundheitsgefährdete Abgase kennen Kinder nur noch aus den Erzählungen ihrer Eltern. Schönes, neues Donaueschingen.

Der britische Staatsmann Winston Churchill hat einmal gesagt: "Lasst uns an die Stelle von Zukunftsängsten das Vordenken und Vorausplanen setzen." Um nach diesem Sinnspruch handeln zu können, hat die Stadt Donaueschingen bei der Energieagentur Schwarzwald-Baar-Kreis eine Studie anfertigen lassen. Sie benennt die Donaueschinger Dreckschleudern und Energiefresser.

Die Stadt unterhält zahlreiche Schulen und Kindergärten. Sie beheizt die Donauhallen und die Mehrzweckhallen in den Ortsteilen. Sie bringt das Wasser im Parkschwimmbad auf angenehme Badetemperatur und sorgt dafür, dass in der Stadtbücherei oder der Musikschule die Lichter nicht ausgehen – öffentliche Liegenschaften, so könnte man angesichts deren hoher Anzahl denken, gehören zu den Energieschleudern in Donaueschingen und blasen reichlich CO2 (Kohlendioxid) in die Atmospähre. Denkste! Bürgermeister Bernhard Kaiser hat vor Kurzem bei seinem Grußwort zur Eröffnung der Baumesse aus den Ergebnissen der Energie- und CO2-Bilanz zitiert. Daraus geht hervor und das überraschte auch Kaiser: In einer Gesamtbetrachtung spielen die kommunalen Gebäude und Einrichtungen eine untergeordnete Rolle.

Zum Endenergieverbrauch tragen die öffentlichen Liegenschaften nur ein Prozent bei, 45 Prozent entfallen auf die Wirtschaft, 25 Prozent auf private Haushalte und 29 Prozent auf den Verkehr. Ähnlich sieht es beim Stromverbrauch aus: kommunale Liegenschaften drei Prozent, Wirtschaft 77 Prozent, private Haushalte 19 Prozent und Verkehr ein Prozent. Auch bei den CO2-Emissionen ist der Beitrag der Stadt mit nur einem Prozent fast zu vernachlässigen. Ozonschicht-Killer Nummer eins ist die Wirtschaft (49 Prozent), es folgen der Verkehr (27 Prozent) und die privaten Haushalte (23 Prozent).

In Sachen Energiemanagement und Klimaschutz werde die Stadt ihrer Vorbildfunktion gerecht, sagte Kaiser – weil das vor mehr als 25 Jahren zusammen mit Hüfingen und Bräunlingen gegründete Umweltbüro immer wieder Impulse setzte. Dazu gehörten ein konsequentes und erfolgreiches Energiemanagement. Donaueschingen investiere viel Geld in Wärmedämmung, Heizungssteuerung oder auch in die LED-Technik für die Straßenbeleuchtung. Die ordentliche CO2-Bilanz erkläre sich auch mit dem Nahwärmenetz der Brigachschiene, die sich aus Kraft-Wärme-Koppelung speist.

Die Lehren aus der Untersuchung, die in Kürze dem Gemeinderat vorgelegt wird: Es sind vor allem die in Donaueschingen ansässigen Betriebe, die innerhalb ihrer eigenen Produktionsprozesse Einsparpotenziale bei der Energie haben. Weitere Potenziale sieht Kaiser darin, dass benachbarte Betriebe sich energetisch austauschen könnten. Es gebe noch einiges zu tun, Vieles sei möglich – um in der Zukunft in einem noch lebenswerteren Donaueschingen zu wohnen.