Das war die wichtigste Debatte für die Grünen-Fraktion?

Besonders wichtig war für die Grünen in der vergangenen Legislaturperiode der Neubau der Realschule. Das hat drei verschiedene Gründe: „unserem Wunsch nach einer Gemeinschaftsschule, die finanziellen Dimensionen und das räumlich-pädagogischen Konzept“, zählt Fraktionssprecher Michael Blaurock auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Welches Thema führte innerhalb der Grünen-Fraktion zu den heftigsten Diskussionen?

Nicht nur bei den Bürgern hat das Verkehrskonzept für heftige Diskussionen gesorgt, sondern auch die Grünen-Fraktion hat über dieses Großprojekt, das das Ziel hat, die Innenstadt aufzuwerten, heftig diskutiert. Besonders das Zusammenspiel von Parkplatzreduzierung, Stadtbus und geplantem Parkdeck war bei den Grünen Thema. Der Neubau eines teuren Parkdecks, das hinter dem blauen Rathaus entstehen soll, sei kontraproduktiv für den Stadtbus. Außerdem gebe es jetzt schon innerhalb von fünf Minuten Fußmarsch, die laut der ehemaligen Citymanagerin von Nagold durchaus den Kunden zuzumuten wären, um die Innenstadt herum eine Vielzahl von Parkmöglichkeiten.

Wo sehen die Grünen die Schwerpunkte in den vergangenen fünf Jahre?

Stadtbus: „Wir wollten den Stadtbus schon immer“, sagt Blaurock. Vor allem nachdem dann die Konzession, an der die ersten Stadtbus-Pläne gescheitert sind, kein Hindernis mehr war.
Konversion: „Schon nach Fallen des Eisernen Vorhangs haben wir versucht, das Kasernengelände in städtische Hand zu bekommen“, blickt der Grünen-Fraktionssprecher zurück.
Landschaftsverbrauch: Klar hat sich die Grünen-Fraktion in der vergangenen Legislaturperiode dafür ausgesprochen, die Ortskernförderung zu erhalten und das Errichten von Wohnraum in den Ortskernen gezielt zu unterstützen. Anstatt mit neuen Baugebieten auf der grünen Wiese immer mehr Landschaft zu verbrauchen, sollten in den Ortsteilen und aber auch in der Kernstadt Baulücken geschlossen werden.
Verkehrskonzept: Außerdem hat sich die Grünen-Fraktion dafür ausgesprochen, dass der Individualverkehr reduziert werden müsse und stattdessen andere Bereiche wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. So sollte nicht nur der öffentliche Personennahverkehr gestärkt werden, sondern auch auf Radfahrer und Fußgänger geachtet werden.

Die größte Niederlage: Mit dem neuen Stadtviertel „Am Buchberg“ müssten müssten laut Grünen keine neuen Baugebiete mehr erschlossen werden.
Die größte Niederlage: Mit dem neuen Stadtviertel „Am Buchberg“ müssten müssten laut Grünen keine neuen Baugebiete mehr erschlossen werden. | Bild: Simon, Guy

Welches Thema war für die Grünen-Fraktion das Wichtigste in der Legislaturperiode?

Die Realschule sei das wichtigstes Thema der vergangenen fünf Jahre gewesen. Warum? „Weil sich um die Finanzierung des Realschulneubaus der ganze Haushalt drehen wird“, sagt Blaurock. Schließlich würden die Kosten vier Investitionshaushalten entsprechen, das müsse auch erst einmal finanziert werden – mit Blick auf laufenden Unterhalt und andere Projekte wie beispielsweise das Parkschwimmbad. „Wir brauchen dazu die Steuereinnahmen“, erklärt Blaurock. Doch ob die wirtschaftliche Situation so gut bleibe, wie sie aktuell ist?

Was war der größte Erfolg, was die größte Niederlage?

Als größten Erfolg der vergangenen Legislaturperiode wertet Michael Blaurock die Einführung des Stadtbusses. Die größte Niederlage sei, dass weitere Neubaugebieten erschlossen würden, obwohl in der Kernstadt das 14 Hektar große Konversionsgelände ausreichend Platz bieten würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Wo sieht die Grünen-Fraktion noch dringenden Handlungsbedarf, den sie in den vergangenen Jahren nicht durchsetzen konnte?

Dringend müsste das Thema Personal im Donaueschinger Rathaus in Angriff genommen werden. Hier gelte es in den Bereichen Entlohnung und der modifizierte Stellenbewertung und -besetzung zu arbeiten. Außerdem müsse die Qualifikation der Mitarbeiter gefördert werden. Auch beim Energiesparen sieht Blaurock Handlungsbedarf. Entsprechende Maßnahmen müssten intensiviert werden, städtische Gebäude unter die Lupe genommen werden und beispielsweise nach Möglichkeiten gesucht werden, den Stromverbrauch zu reduzieren. Außerdem müsste bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden: Hier gelte es mehr auf Miet- und Geschosswohnungsbau, als auf Einfamilienhäuser zu setzen. Und dann gibt es noch den Bahnhof: Elisabeth Blaurock hatte sich in der vergangenen Legislaturperiode dem Thema Öffnungszeiten des Ticketschalters gewidmet und sogar Unterschriften gesammelt, dass diese wieder ausgeweitet werden. „Unter Einbindung aller politischen Kräfte“ soll dieses Ziel nun weiterverfolgt werden.

Als größten Erfolg werten die Grünen die Einführung des Stadtbusses.
Als größten Erfolg werten die Grünen die Einführung des Stadtbusses. | Bild: Simon, Guy

Welche Themen brachten Sie selbst auf die Agenda?

Die Grünen-Fraktion hat laut Michael Blaurock die Debatte über das Rathauspersonal und die Ortskernförderung auf den Weg gebracht. Außerdem das Thema Bahnhof, wo die Öffnungszeiten des Ticketschalters reduziert worden sind. Eine weitere Idee der Grünen: „Beginn des Donauradwanderwegs am Bahnhof mit umfassendem Konzept statt Fahrradständer am Lammplatz“, so Blaurock. Außerdem wurde von seiner Fraktion der Antrag gestellt, dass Donaueschingen sich um das Siegel „Fair Trade“ bewerben sollte.

Wo kritisiert sich die Grünen-Fraktion selbst?

Bei der Öffentlichkeitsarbeit der Grünen sieht Blaurock durchaus noch Verbesserungspotenzial. Außerdem hätten die Versuche, politikverdrossene und politikferne Kreise einzubinden, bislang zu wenig Erfolg gezeigt. Und noch einen dritten Punkt führt der Grünen-Fraktionssprecher an. „Wir sind manchmal zu nachlässig, wenn es darum geht, von der Verwaltung immer belastbare Informationen, Daten und Konzepte zu fordern.“

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?

„Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung war gut bis sehr gut, und zwar auf allen Ebenen in (fast) allen Ämtern und Sachgebieten“, blickt Michael Blaurock auf die vergangene Legislaturperiode zurück.

Welche Themen sind für die Grünen-Fraktion in der kommenden Legislaturperiode wichtig?

Wichtig sei, die Finanzierung des Haushaltes bei den anstehenden Aufgaben, wozu Blaurock die Schulen – und zwar nicht nur der Realschule, das Parkschwimmbad, den Stadtbus und die Eigenbetriebe zählt. „Wir müssen den Stadtbus zu einem vollkommen selbstverständlichen Fortbewegungsmittel in der Stadt machen“, führt Blaurock als weiteres Ziel für die kommenden Legislaturperiode an. Außerdem müssten in der nächsten Legislaturperiode sowohl das Reitturnier, als auch das Tourismus- und das Verkehrskonzept weiterentwickelt werden. Für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum möchten sich die Grünen ebenso einsetzen wie dafür, dass Donaueschingen das Fair-Trade-Siegel erhält.

„Das Konversionsareal müss mit einer guten Mischung aus Bildungsstätten, Wohnen in und mit zukunftsträchtigen Formen, Gewerbe- und Kunst- Kultureinrichtungen gefüllt werden“, sagt Blaurock zum neuen Stadtviertel „Am Buchberg“. Prinzipiell müssten die Lärmemissionen reduziert werden, sowie Wohn- und Umweltqualität gesteigert werden. Außerdem wollen die Grünen sich dafür stark machen, dass ein dichtes Netz aus Blühstreifen für die Insekten in der ganzen Stadt angelegt wird. Und dann haben die Grünen noch ein zwischenmenschliches Ziel, das sie in der kommenden Legislaturperiode gerne angehen würden: „Den sozialen Gedanken und Zusammenhalt in der Stadt auf allen Ebenen stärken“, sagt der Grünen-Fratkionssprecher Blaurock.

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt App aufs Handy laden: Über die SÜDKURIER Online-App informieren wir Sie direkt per Push-Nachricht auf Ihrem Smartphone über die Wahlergebnisse Ihrer Gemeinde – und natürlich auch über all das, was in Ihrem Heimatort und in der Umgebung sonst noch geschieht. Hier können Sie die SÜDKURIER Online-App auf Ihr Handy laden: