Die Stadtkirche St. Johann konnte am Sonntagnachmittag kaum die große Allmendshofener Chorfamilie des Männergesangverein fassen, als die Chöre ihr traditionelles Adventskonzert gaben. Nach dem prächtigen Präludium G-Dur von Johann Sebastian Bach, das Andreas Rütschlin feierlich an der Münchorgel intonierte, stimmte der Gesamtchor festlich mit Hammerschmidts bekanntem "Machet die Tore weit" in das vorweihnachtliche Konzert ein.

Jochen Kiene hatte für dieses vorweihnachtliche Konzert eine wunderschönes Programm mit alten und traditionellen Weihnachtsweisen, mit alten Liedern in neuer Form und neuen Sätzen komponiert, und dabei ging er auf die Besonderheiten der verschiedenen MGV Chöre ein.

Klangschön trug der Frauenchor, unterstützt von Lea Sophie Decker und Daniel Preis, klassische Weihnachtweisen wie "Es kommt ein Schiff geladen" oder "O Heiland reiß die Himmel auf" vor. Letzteres hatte Jochen Kiene selber neu gesetzt, wobei sein Satz recht nachdenklich anhob, in einer zum Teil dramatischen Weise die Ängste und Furcht der Menschen unserer Zeit der frohen Erwartung – "Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser" – entgegen.

Für eine kleine Kostbarkeit sorgte VocAllmende zusammen mit den Solisten Lea Sophie Decker, Daniel Preis und Martin Laufer mit Johann Sebastian Bachs Adventskantate "Nun komm der Heiden Heiland". Die homogenen Stimmen des Chors im Eingangschor und im Schlusschoral, die Solisten mit ihren schönen Stimmen sowie das harmonisch musizierende Ensemble con Diletto machten die Aufführung dieser Kantate zu einem Höhepunkt. Auch das geistliche Konzert von Hammerschmidt "Vom Himmel hoch" als Zwiegesang zwischen Sopran und Chor war erhebend.

Jochen Kiene verstand es vorzüglich, auch beim Männerchor neue Akzente zu setzen. Die traditionellen Weihnachtsweisen wie "In dulci jubilo", "Herbei, o ihr Gläubigen" traten in neuer Form und neuen Klangbildern in Erscheinung. Besonders in Wolfram Buchenbergs neuem Satz von "Es ist für uns eine Zeit angekommen" erklang die alte frohe Botschaft in neuen Tönen.

Zum besonderen Schmankerl geriet das dänische "Ak, Julesne fra Bethlehem" von Carl Nielsen mit seinen zarten Klängen. Zuvor schon hatte der A-Capella Chor, der Star unter den MGV Chören, nach dem innigen "Es ist ein Ros entsprungen" und weiteren unbekannteren, aber doch vertrauten Weisen die Herzen der Zuhörer erreicht. Die Solisten hatten immer wieder mit Zwischensätzen für schöne Glanzpunkte gesorgt: mit dem "Freut euch und jubiliert" aus dem Bachschen "Magnificat", mit Händels Arie "Lord, to thee" aus "Theodora", in der man das seltene Erlebnis in St. Johann hatte, eine schöne Countertenorstimme, nämlich die von Stefano Guadagnini zu genießen.

Mit dem jubelnden und festlichen Händelschen "Tochter Zion", prächtig gesungen vom Gesamtchor, und dem zu Herzen gehenden "O Heilige Nacht" des A-Capella Chors von der Orgelempore aus bei abgedunkeltem Kirchenraum wurden die vielen Besucher in die kalte Adventsnacht entlassen.

Die Mitwirkenden

Das Chorkonzert zum Advent in der Stadtkirche St. Johann gestalteten die Chöre des MGV 1876 Allmendshofen: Frauenchor, VocAllmende, der A-Capella Chor (Leitung: Daniel Preis) und der Männerchor. Die Solisten waren: Lea Sophie Decker und Karolina Eurich (Sopran), Stefano Guadagnini (Countertenor), Daniel Preis (Tenor), Martin Laufer (Bass) und Andreas Rütschlin (Orgel). Es spielte das Ensemble con Diletto mit Jonathan Föll, Friederike Hasselberger, Vivian Krause, Maike Kumpf, Maximilian Stelzer, Lena Thanner, Sebastian Walser. Die Gesamtleitung hatte Jochen Kiene. (bom)