„Jedes Jahr dasselbe. Leider.“ Thomas Knörr, Leiter des Polizeireviers Donaueschingen kennt das üble Beiwerk der dunklen Jahreszeit. Es heißt Wohnungseinbruch. Die kürzeren Tage ziehen Kriminelle an. Die Statistik im November scheint das zu bestätigen.

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Ein Wohnungseinbuch fand am 4. November an der Talstraße statt, weitere Einbrüche gab es am 14. November an der Kardinal-Bea-Straße und am Lindenweg in Wolterdingen. Zuletzt drangen Unbekannte am 27. November in ein Haus am Steinweg ein, ein Tag später war ein Haus in der Klenkenreute dran.

Statistik bewegt sich im mittleren Bereich

Dennoch bewege man sich dieses Jahr bei der Zahl der Einbrüche im Revierbereich im Mittel der vergangenen fünf Jahre. Bekannt sind die Zahlen für 2015 (34), 2016 (24), sowie 2017 und 2018 (je 13). Man habe sicher kein massives Problem. Dennoch lasse sich anhand einiger Punkte die Gefahr fürs Eigentum verringern.

Blitzschneller Rückzug über Fernstraßen

Eine niedrige Aufklärungsquote? Das lasse sich so nicht sagen, so Knörr. Hinter Wohnungseinbrüchen stünden meist organisierte Banden. Wegen der Nähe zu Autobahn und Bundesstraßen sowie zur Grenze zu Frankreich und die Schweiz lädt die Baar geradezu ein zu organisierten Beutezügen und blitzschnellem Rückzug über die Fernstraßen.

In Sachen Einbruchssicherheit kann der Leiter Thomas Knörr im Revier Donaueschingen mit Beratung und Broschüren aufwarten.  Bild: Jens Wursthorn
In Sachen Einbruchssicherheit kann der Leiter Thomas Knörr im Revier Donaueschingen mit Beratung und Broschüren aufwarten. | Bild: Wursthorn, Jens

Die Täter direkt zu fassen, sei schwierig. Die Polizei setzt auf Ermittlungen. Bekommt sie es mit einem Tatverdächtigen zu tun, hilft die Technik. Mit rechtlicher Vorgabe das Smartphone des Verdächtigen auszulesen, sei ein probates Mittel um ein ganzes Netzwerk, aber auch weitere Einbruchsdelikte in Blick zu bekommen. Was sprunghaft die Aufklärungsquote erhöht.

Mehr Fußstreifen

Nach dem Einbruch bleibt es der Polizei, Fälle zu analysieren und daraus Lagebilder zu erstellen, wo weitere Einbrüche drohen. Dort, wo schon mal eingebrochen wurde, haben wir die Fußstreifen erhöht“, so der Revierleiter.

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Das verschafft Bürgern möglicherweise ein besseres Sicherheitsgefühl und schreckt eventuell Täter auf der Lauer ab, bleibt aber eine Randerscheinung . Bei einer Revierfläche von 325 Quadratkilometern und 45 000 Einwohnern sei die Begegnung mit einer Streife vor dem eigenen Anwesen eher unwahrscheinlich.

Der „wachsame Nachbar“

Wenn sich die Präsenz der Polizei nicht wirklich auf die Häufigkeit von Einbrüchen auswirkt, kommt der „wachsame Nachbar“ ins Spiel, wie Knörr eine frühere Kampagne zitiert. Der Revierleiter empfiehlt, auf Ungewöhnliches zu achten.

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fremdes Auto, das scheinbar ziellos durch die Straße fährt. Eine Person, die gleich an mehreren Wohnungen klingelt, ein anderer, der in beleuchtete Fenster späht: „Uns ist es uns lieber, wir werden einmal mehr statt einmal zu selten angerufen.“ Ob das spießbürgerlich sei mit einem Schuss Denunziantentum? Knörr verneint. „Das ist ein Beitrag zum Allgemeinwohl.“

„Da lassen wir alles stehen und liegen“

Und wenn die Meldung eintrifft „Täter am Werk“, „dann lassen wir alles stehen und liegen“, fährt Knörr fort. Bestes Beispiel dieses Jahr im Mai. Als ein Augenzeuge einen Einbruch in eine Apotheke in Bräunlingen meldete, nahmen mehrere Streifen samt Hundeführer den Ganoven auf frischer Tat fest. Dem Täter konnten gleich mehrere Taten zugeordnet werden.

Der schlimmste Fall

Und wenn man selbst Opfer eines Einbruchs wird? Eine solche Tat dringe in den Kernbereich der Privatsphäre ein, sagt Knörr. Der psychische Schaden sei da mitunter schlimmer als der materielle. „Wir geben den Geschädigten Empfehlungen, an welche Organisationen sie sich wenden können“, so der Polizist weiter.

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Wie dieses Angebot genutzt wird, darauf habe die Polizei keinen Einfluss. Noch schlimmer die Belastung, wenn es zur Beinahe-Begegnung von Täter und Opfer kommt: die berüchtigten verdächtigen Geräusche, die aus dem Flur ins Schlafzimmer dringen. Diese Situation, so Knörrs Einordnung, komme selten vor.

Tatorte werden ausbaldowert

Vor ein einem Einbruch werde das Zielgebiet von den Tätern ausbaldowert, wie das Auskundschaften in der Gaunersprache heißt. Einbrecher scheuten das Risiko. Zumal sich das Strafmaß unter dem Tatvorwurf Raub und/oder Körperverletzung deutlich erhöhen würde. Der Einbruch in eine bewohnte Wohnung gilt deshalb eher als „Betriebsunfall“ der Kriminellen. Wer dennoch betroffen ist, sollte „in keinem Fall Rambo spielen“, rät Knörr. Wichtiger sei, bei aller Aufregung, die Sinne zu schärfen, um der Polizei möglichst viele Hinweise liefern zu können.

Mal ein Licht brennen lassen

Prävention: Was den vorbeugenden Schutz von Haus oder Wohnung anlangt, existiert bei den Investitionen in Einbruchssicherheit nach oben kein Limit. Einfache, nahezu kostenlose Tipps hat der Revierleiter. „Bei Abwesenheit ein Licht brennen lassen, Fenster nicht gekippt halten, den Hausschlüssel nicht im Eingangsbereich verstecken“, sind Bausteine.

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Eine wichtige soziale Komponente sei es, eine gute Nachbarschaft zu pflegen. „Da gehört es dazu, sich gegenseitig über Abwesenheiten zu informieren mit der Bitte, ein Auge auf den verwaisten Besitz zu werfen.“ Mit Beratung, Broschüren, Anschauungsobjekten gäbe die Polizei vom Posten bis zum Revier jedem Bürger kostenlose Empfehlungen, wie er sich gegen Einbrecher schützen kann.