Der aus Pfohren stammende katholische Pfarrer Jens Fehrenbacher hat sein Amt aufgegeben. Ab sofort sei Fehrenbacher von seinen priesterlichen Aufgaben entpflichtet, lässt sich einer Pressemitteilung des Erzbischöflichen Ordinariat der Erzdiözese Freiburg entnehmen. Zu seinen Beweggründen wollte sich der 47-Jährige gegenüber dem SÜDKURIER zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Seine in den Gottesdiensten am Wochenende mitgeteilte Entscheidung, übermittelt das Ordinariat.

Demnach habe Fehenbacher gesagt, er könne und wolle nicht länger zölibatär leben. Um "ehrlich und wahrhaftig weiter leben zu können", habe er deshalb Erzbischof Stephan Burger gebeten, ihn zu entpflichten. Fehrenbacher betonte, die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, weil er gerne Pfarrer und Seelsorger war. Dabei habe er sich sehr wohlgefühlt. Gleichzeitig richtet er eine Entschuldigung an alle, deren Erwartungen er nicht entsprochen habe.

Fehrenbacher war sieben Jahre lang Leitender Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Mittleres Elz- und Simonswälder Tal. Fünf Pfarrgemeinden gehören 4940 Katholiken an. Fehrenbacher wurde am 14. Mai 2006 vom damaligen Erzbischof Robert Zollitsch zum Priester geweiht. Nach der Priesterweihe war Fehrenbacher Vikar in Markdorf (2006-2009) und Buchen (2009-2011). In Gutach und Simonswald bekleidete er seine erste Pfarrstelle. Bis die weitere Besetzung der Pfarrstelle geklärt ist, übernimmt Dekan Hans-Jürgen Decker Fehrenbachers bisherige Verwaltungsaufgaben.

Fehrenbacher hatte sich erst mit 28 Jahren für ein Theologiestudium entschieden. Zuvor hatte er eine Fotografenlehre absolviert und längere Zeit als Fotograf gearbeitet. Obwohl der den Beruf geliebt habe, sei er der anderen Berufung gefolgt. Fehrenbacher ist in Pfohren verwurzelt, Als Musiker spielte er auf dem Tenorhorn im Musikverein mit. Bis heute ist er im Vorstand des Hilfsvereins "Elimu4Akfrika" engagiert, den der Pfohrener Roland Ketterer gegründet hat.

In seiner Heimatgemeinde wurde Fehrenbachers Werdegang in der katholischen Kirche bewundernd begleitet und gefeiert. Angefangen bei der Primiz im Jahr 2006. Erstmals nach 65 Jahren stammte ein Primiziant aus Pfohren. Hunderte von Gläubigen feierten mit dem kurz zuvor in Freiburgt geweihten Priester. Das ganze Dorf war auf den Beinen, der Empfang in der Festhalle zählte 650 Ehrengäste und nahezu alle Vereine halfen mit das große Glaubensereignis zu stemmen.

Einer Entpflichtung geht in der Regel ein längerer Entscheidungsprozess voraus. Wenn jemand zum Beispiel sagt, er könne die mit dem Priesteramt verbundene zölibatäre Lebensform nicht mehr leben, wird er offiziell vom Priesteramt suspendiert, erläuterte auf Anfrage Lisa Maria Pleske. Das bedeutet, dass er keinen Eucharistiefeiern mehr vorstehen darf. Er kann keine Sakramente mehr spenden oder andere, dem Priester in der katholischen Kirche vorbehaltenen Aufgaben erfüllen, so die stellvertretende Pressesperecherin im Erzbischöflichen Ordinariat.

Der Betroffene kann außerdem im Vatikan einen Antrag auf Laisierung stellen. Verbunden mit diesem Antrag wäre dann auch die Bitte an den Papst, den Betroffenen vom Stand der Ehelosigkeit zu entbinden. Wenn dieser Antrag angenommen wurde, hätte der Betroffene auch die Möglichkeit, kirchlich zu heiraten.

Die Priesterbesoldungsordnung sieht vor, dass in einer solchen Situation finanzielle Überbrückungshilfen gezahlt werden. "Das Erzbistum Freiburg lässt niemanden fallen und überprüft, wo im Einzelfall welche Unterstützung nötig ist", so Pleske weiter. Diese kann auch für Umschulungen genutzt werden.

Entpflichtungen sind in der Erzdiözese Freiburg Einzelfälle. Unter den Gründen für den Wunsch zur Entpflichtung sind relativ häufig Schwierigkeiten der betroffenen Priester, die mit dem Priesteramt verbundene zölibatäre Lebensform dauerhaft zu leben oder Probleme, sich in ausreichendem Maße weiterhin mit der Institution Kirche zu identifizieren.