Ölspuren kommen so oft vor, wie sie lästig sind. Wo sie auftreten, gefährden sie Umwelt und Verkehrssicherheit, ihre Beseitigung hat Priorität. Auch nachts. Und hier fängt der Ärger an. In den Nachtstunden sind in den Kommunen zwar die eigenen Feuerwehren im Einsatz, um Ölflächen, oft Resultat aus Unfällen oder Nachlässigkeiten, trocken abzubinden oder aufwendiger zu entschärfen. Wenn aber Ölhavarien auf Kreis- Landes- und Bundesstraßen gemeldet wurden, rückten die Wehren in Vertretung der Straßenmeistereien aus. Diese waren, so die Regel, nach Dienstschluss nicht zu erreichen und die Lage drängte.

Bei der Beseitigung von Ölspuren in der Nacht werden die Feuerwehren seit Jahresanfang entlastet. Soweit eine Übereinkunft. Doch die Wehren sind da nicht einer Meinung.
Bei der Beseitigung von Ölspuren in der Nacht werden die Feuerwehren seit Jahresanfang entlastet. Soweit eine Übereinkunft. Doch die Wehren sind da nicht einer Meinung. | Bild: Wursthorn, Jens

Die Neuregelung: Zum Jahreswechsel installierten Straßenbauamt, Polizei und Kreisbrandmeister eine Lösung, die den Feuerwehren Entlastung bringen soll. Bei kleineren Unfällen mit Ölverschmutzungen sollen die Feuerwehren gar nicht mehr alarmiert werden. Die Polizei werde selbstständig eine Reinigungsfirma beauftragen, welche die Ölbeseitigung abwickelt. Bei größeren Unfällen werde die Feuerwehr alarmiert, die dann über ein Reinigung in Eigenregie oder die Beauftragung einer Spezialreinigungsfirma entscheidet. Die Beauftragung auf Straßen, bei denen der Landkreis Straßenbaulastträger ist, erfolgt laut Landkreis-Sprecherin Heike Frank über Polizei und Straßenmeisterei. Bei Gemeindestraßen gelten jeweils unterschiedliche Regelungen. Die Entscheidung liegt hier auf kommunaler Ebene.

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Polizei: Drei Monate läuft der Notfallplan. Positive Reaktionen überwiegen. "Das funktioniert im Schwarzwald-Baar-Kreis problemlos und "rund um die Uhr", meinte Thomas Kalmbach, Polizeisprecher des Präsidiums Tuttlingen. Gerade bei Verkehrsunfällen komme das neue Prozedere zum Tragen.

Feuerwehr Hüfingen: "Jetzt haben wir kein Risiko mehr, auf den Kosten sitzen zu bleiben", lobte der am Montag verabschiedete Gesamtkommandant Martin Weiß. Zudem seien die Einsatzzahlen merklich zurückgegangen. Freihändig einen Reinigungsauftrag zu initiieren, das wäre ihm zupass gekommen, als im Spätjahr 2018 eine kilometerlange Ölspur zwischen Hausen vor Wald und Dögginger Tunnel anstand. "Der Kreisbrandmeister hat uns damals abgeraten." In Hüfingen greift seit vergangenem Oktober eine weitere Erleichterung. Seither kümmert sich der Bauhof während der Dienstzeiten um Ölspuren innerorts. Angenehm insbesondere im Hochsommer, "wenn man in voller Montur die Ölspur eines Mähdreschers beseitigen muss".

Feuerwehr Donaueschingen: Wer bestellt, bezahlt, heißt es auch bei der Einbindung von Spezialfirmen. Wenn der Verursacher nicht ermittelt wird, kann das schmerzen. So wirkt die Erfahrung aus der Vergangenheit nach. "Deshalb haben wir dann halt doch die großen Ölspuren selbst beseitigt", meinte Gesamtkommandant Edgar Schiesel. Erfahrungen habe man mit der neuen Regelung noch nicht gemacht. In Donaueschingen regeln die Technischen Dienste laut Landes-Straßengesetz auch sämtliche Ortsdurchfahrten. Außerhalb der Dienstzeiten übernimmt das die Feuerwehr.

Feuerwehr Bräunlingen: Nachts werde die Feuerwehr weiterhin von der Polizei beauftragt, bilanziert Gesamtkommandant Martin Frey das vergangene Quartal kritisch. Ganz unabhängig davon, ob der Verursacher ermittelt ist, ist ihm schleierhaft, nach welchen Kriterien die Polizei die Feuerwehr dann doch alarmiert. Etwa als sie am vorvergangenen Wochenende direkt aus der Versammlung zur Beseitigung einer Ölspur auf der Straße nach Donaueschingen ausrücken musste.

Ohnehin gilt in Bräunlingen eine strenge Regelung, deren Hintergrund Hauptamtsleiter Jürgen Bertsche erklärt. Bei einem Ölunfall auf der Kreisstraße nach Döggingen habe die Polizei vor Jahren der Feuerwehr empfohlen, eine Spezialfirma zu beauftragen. Indes blieb der Verursacher unbekannt und die Rechnung ging an die Stadt. Bertsche konnte die rund 3500 Euro an den Kreis weiterreichen, legte aber kategorisch fest, nur die Polizei dürfe die Spezialfirma anrufen. Das sei nachvollziehbar. "Es ist ja auch die Polizei, die nach einem Unfall das Abschleppunternehmen beauftragt."

Die Spezialfirma: Die Kerler Ölspurreinigungs- und Dienstleistungs GmbH mit Sitz in Titisee-Neustadt hat einen Vertrag mit dem Schwarzwald-Baar-Kreis. "Wir werden immer wieder geholt, aber eine Zunahme der Aufträge seit Jahresanfang kann ich nicht feststellen", sagte auf Anfrage Geschäftsführer Friedrich Kerler, der den Notfallplan nur vom Hörensagen kennt. Offenbar müsse sich der neue Modus noch einspielen. Im Irrglauben, es gelte das alte "wer bestellt, bezahlt", schöben sich Polizei und Feuerwehr vor Ort die Beauftragung der Spezialisten gegenseitig zu. Dabei zahle der Verursacher, andernfalls der Straßenlastträger, so Kerler.