Es ist jeden Tag aufs Neue eine Überraschung: Wenn Elmar Mayer morgens durch seinen Garten in der Talstraße läuft, dann zieht er sich vorher Handschuhe an und nimmt eine Tüte mit. Die Quadratmeter hinter seinem Haus sind nämlich regelmäßig gespickt mit Unrat: Angeknabberte Brötchen, Papierfetzen, Bälle, Dosen, Schuhe – alles Material, das der Fuchs angeschleppt hat. Täglich muss Mayer derzeit seinen Garten wieder aufräumen, neuen Müll aufklauben.

Besonderen Ärger haben er und seine Frau Beate auch wegen der Pflanzen, die sie anbauen: Rhabarber, Beerensträucher, Lauch. "Man traut sich ja nicht mehr, das zu essen" sagt Beate Mayer und zeigt auf eine Stelle unter dem Johannisbeerstrauch. Dort hat offensichtlich ein Tier gegraben und es sich anschließend gemütlich gemacht. Fuchsbandwurm lautet das Schlagwort für die Eheleute.

Keine Scheu: Am hellichten Tag macht ein Fuchs im Garten von Familie Mayer einen Mittagsschlaf. Bild: Elmar Mayer
Keine Scheu: Am hellichten Tag macht ein Fuchs im Garten von Familie Mayer einen Mittagsschlaf. Bild: Elmar Mayer

Anfangs habe sich das Paar noch über den Besuch des Fuchses gefreut: "Letztes Jahr war das ja noch possierlich, ihn zu beobachten", sagt Beate Mayer. Von der Terrasse aus habe man zuschauen können, wie ein Fuchs tagsüber in der Sonne fläzte, ohne Scheu oder Hemmungen vor den Menschen.

Seit etwa zehn Tagen hat sich die Auffassung jedoch geändert. Denn dann begann der Müll im Garten aufzutauchen und gewisse Dinge verschwanden dafür: "Es ist jetzt eine feste Regel für uns, dass wir keine Sachen mehr draußen liegen lassen. Schuhe oder Handschuhe holen wir nachts ins Haus, sonst sind sie weg", erklärt Elmar Mayer. Ihm sei auch schon bei der Gartenarbeit ein Handschuh geklaut worden: "Ich habe ihn nur kurz zur Seite gelegt, dann konnte ich noch den Fuchs beobachten, wie er mit dem Handschuh in der Schnauze in den Büschen verschwand."

Diese Beute eines Fuchses fotografierte ein SÜDKURIER-Kollege in einem Wohnquartier in Donaueschingen.
Diese Beute eines Fuchses fotografierte ein SÜDKURIER-Kollege in einem Wohnquartier in Donaueschingen. | Bild: Simon, Guy

Der Zustand ist mittlerweile für die Familie untragbar geworden. Auch ein Blick in die Gärten der Nachbarn zeigt: Hier verteilen Füchse den Müll aus der Gegend. Daher hat sich Mayer jetzt hilfesuchend in einem Schreiben an die Stadt gewandt: "Es ist wirklich eine Zumutung und Plage. Aufgrund dieser Vorkommnisse haben wir keine Lust mehr auf das, was im Garten wächst." Verbunden damit auch die Fragen: Was tun mit dem Müll, denn die Tiere anschleppen? Und kann denn überhaupt irgendwas dagegen gemacht werden? "Wir müssen jetzt einfach mal etwas unternehmen", so Mayer.

Der 67-Jährige ist sich sicher, dass sich in der Gegend mehr als nur ein Fuchs rumtreibt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur einer ist. Vorher gab es einmal im Vierteljahr etwas Müll im Garten. Jetzt ist das täglich der Fall." Von einem Bekannten habe er gehört, dass sich weiter die Talstraße hinauf eine Fuchsfamilie unter einer Garagenreihe häuslich eingerichtet und eine Höhle gegraben habe. Auch hegt er die Vermutung, dass die Tiere teilweise auch von Leuten in der Nachbarschaft gefüttert werden: "Die würden doch sonst nicht immer im gleichen Karree umherziehen", sagt Beate Mayer.

Nahe am Haus hat die Familie klein Lämpchen, die mit Solarenergie funktionieren und man habe sich auch schon überlegt, mal nachts das Licht auf der Gartenterrasse anzulassen. Bringen tut das jedoch nichts. "Es kann kein Dauerzustand sein. Vielleicht können die ja mit einer Lebendfalle gefangen und woanders hingebracht werden", so Beate Mayer. In irgendeiner Form müsse jetzt etwas passieren.

Was die Stadt zu den Füchsen sagt

Füchse sind sogenannte Kulturfolger und auch im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren immer häufiger zu beobachten. Daher hat die Stadt ein Mekrblatt herausgegeben, wie mit dem Tier umzugehen ist.

  • Der Fuchs: Die in unseren Wohngebieten lebenden Füchse gehören zur einheimischen Art Rotfuchs. Es sind dieselben Tiere, die auch im Wald leben. Sie sind sehr anpassungfähig und haben keine Hemmungen und dringt immer weiter in die menschlichen Gebiete ein. Die überlappen immer stärker mit denen der Füchse. Füchse sind Allesfresser. Beeren, Fallobst, Mäuse, Regenwür-mer gehören genauso zu ihrer Nahrung wie auch Abfälle von uns Menschen. Besonders beliebt sind Nahrungsreste in Abfallsäcken oder auf Komposthaufen.
  • Der Umgang mit dem Tier: Wichtigste Regel ist hierbei, die Tiere nicht zu füttern. Zahme Füchse können zu einem Problem werden. Laut städtischem Merkblatt sollen Füchse, die keine Scheu vor Menschen zeigen aus dem Garten vertrieben werden. Das geschieht durch: Wasser spritzen, Steinchen werfen, Lärm machen. Das ist einfach möglich, denn Füchse sind nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an.
  • Schutz für den Garten: Am wichtigsten sei dabei, dass die Tiere dort keine Nahrung vorfinden, da sie in der Gegend umherstreifen und danach suchen. Ansonsten gilt es, den Garten zu sichern. Das ist etwa möglich durch eine ausreichende Gartenumzäunung. Es sollten keine Reste gekochter Nahrungsmittel auf den Komposthaufen, Müllsäcke sollten erst am Tag der Abfuhr bereitgestellt werden. Schuhe, Gartenhandschuhe, Kinderspielsachen und ähnliche Gegenstände sollten über Nacht weggeräumt werden.
  • Können Füchse aus meinem Garten entfernt werden? Füchse gehören zu den herrenlosen Tierarten, die bejagt werden dürfen. Allerdings darf nur auf bestimmten Flächen auch gejagt werden. In Wohngebieten, die zu den sogenannten befriedeten Flächen zählen, darf aus Sicherheitsgründen nicht gejagt werden. Sonderregelungen gibt es jedoch auch hier: Das Kreisjagdamt kann in Ausnahmefällen eine beschränkte Jagd genehmigen, die dann üblicherweise mit der Lebendfalle erfolgt.