Es ist schon notwendig, keine Angst vor dem Wasser zu haben, will man im Kajak-Freestyle erfolgreich sein. Die Freestyler (engl.: Freistil) stürzen sich in die Gischt einer Welle und versuchen dort innerhalb von 45 Sekunden so viele anspruchsvolle Figuren zu zeigen, wie möglich. Das Ganze wird dann von Schiedsrichtern bewertet.

Mit dem Kajak gilt es, sich im wilden Wasser nicht nur zu halten, sondern dort auch sein Programm an Manövern zu zeigen.
Mit dem Kajak gilt es, sich im wilden Wasser nicht nur zu halten, sondern dort auch sein Programm an Manövern zu zeigen. | Bild: Helmut Wolff

Spaß an der Sache

Die Figuren sehen spektakulär aus. Beim sogenannten Space Godzilla macht der Kajakfahrer eine Schraube durch die Luft. Um so etwas zu können, müsse man schon ein bis zwei Jahre intensiv an der Figur üben, erklärt Helmut Wolff, der in Donaueschingen groß geworden ist. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist Wolff dem Kajak-Freestyle verfallen. Hat viele Stunden in seiner Freizeit investiert, um in dem Sport weiter zu kommen. Im Vordergrund immer der Spaß an der Sache.

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Viele Erfolge

Mittlerweile hat er etliches an Erfolgen vorzuweisen. Er war bereits mehrfach Deutscher Meister, ging schon etliche Male für die Nationalmannschaft an den Start und trainiert sie auch: „Ich bin schon in unzähligen Ländern gepaddelt, war bei Rodeos, Weltcups und Europameisterschaften mit dabei.“ Heute gehe es ihm darum, den Sport weiterzugeben, ihn an Jugendliche zu vermitteln. Das macht er auch in seinem Verein, dem Kanusport-Club (KSC) Villingen. Als Trainer habe er dabei schon alles erreicht, bis hin zum Weltmeistertitel. „Das hat Suchtpotenzial“, beschreibt Wolff begeistert seinen Sport. Was ihm dabei besonders gefällt, sei die Freiheit, die er dabei verspürt. Außerdem sei es eine andere Art von Konkurrenz: „Wenn wir im Wettkampf sind und ein Kontrahent eine gute Figur macht, dann freue ich mich für ihn.“

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Was notwendig ist

Was muss ein Interessent mitbringen, will er im Freestyle durchstarten? „Er sollte schwimmen können und keine Angst vor dem Wasser haben“, sagt Wolff. Die Eskimo-Rolle wird benutzt, um ein gekentertes Kajak schnell wieder aufzurichten. Für Laien sieht sie immer sehr anspruchsvoll und schwierig aus: „Für uns ist das wie ein Paddelschlag“, so Wolff. Wer mit dem Freestylen anfangen wolle, habe meist bereits schon Erfahrung mit dem Kajak, etwa im Slalom oder der Wildwasserfahrt. „Wer zu uns kommt, der will etwas mehr.“ Als Trainer sei es seine Stärke zu erkennen, was in der notwendigen Situation gebraucht werde: „Muss ich einen Witz machen, motivieren oder einfach nur in den Arm nehmen.“ Was Wolff zu anderen Bundestrainern, wie etwa Jogi Löw unterscheidet? „Mir liegt das am Herzen und ich mache das ehrenamtlich. Vier bis fünf Wochen meines Jahresurlaubs sind dafür meistens schon fest eingeplant.“

Helmut Wolff ist in Donaueschingen groß geworden. Seine Welt ist das Kajak-Freestyling. Dort hat er bereits mehrere international erfolgreiche Titel gewonnen – als Fahrer und als Trainer. Bild: Guy Simon
Helmut Wolff ist in Donaueschingen groß geworden. Seine Welt ist das Kajak-Freestyling. Dort hat er bereits mehrere international erfolgreiche Titel gewonnen – als Fahrer und als Trainer. | Bild: Simon, Guy

200 Tage im Kanu

Das wollte Wolff damals selbst auch. Zu seinen besten Zeiten verbrachte er rund 200 Tage des Jahres im Kanu, fuhr tausende Kilometer von Turnier zu Turnier. „Nach der Arbeit ins Auto und ab nach Prag, um dort an einem Turnier dabei zu sein“, erklärt Wolff, der beim TÜV arbeitet. Obwohl sich das mittlerweile ein wenig reduziert habe, gebe es wieder ein Ziel: „In zwei Jahren will ich bei der Weltmeisterschaft unter die zehn Bestplatzierten kommen.“ Vor etwa vier Wochen war Wolff bei der Weltmeisterschaft im spanischen Sort mit dabei. Dort erreichte er den 16. Platz. Bei der Qualifikation für die kommende Veranstaltung sei er dann wieder weitergekommen: „Ich würde nie an einem Berg stehen bleiben. Quälen tut mir einfach gut“, schmunzelt er.

Noch nicht olympisch

Bisher sei Kajak-Freestyle noch keine olympische Disziplin, die Chancen stehen allerdings nicht schlecht: „Slalom ist bereits olympisch und dafür wurde viel Geld in die Hand genommen, um entsprechende Strecken zu bauen. Die sollten noch intensiver genutzt werden.“ Der Deutsche Kanu-Verband wolle das erreichen, in London sei Freestyle bereits präsentiert worden.

Die Gefahr bei dem Sport sei relativ. Man setze sich dem Element Wasser aus, das immer eine gewisse Gefahr berge. „Es passiert, dass ich mir durch einen Felsen eine Delle an meinem Helm zuziehe. Ich merke dann immer, wie wichtig es ist, hier einen zu tragen“, so Wolff.

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