Rund 120 große und kleine Fans sitzen gemütlich auf den Stufen der Stadtbibliothek und machen große Augen: Vor ihnen steht ja immerhin Paul Maar, der berühmte Kinderbuchautor, der das "Sams" erfunden hat. Und dieses freche Fabelwesen aus der Fantasiewelt Maars wandelt nicht nur durch seine Bücher, sondern auch durch eine ganze Reihe von Filmen. Umso spannender ist das Ganze an diesem Sonntagmorgen, weil die Traumfiguren des Schriftstellers auch noch als überlebensgroße Drachen an den Wänden der Galerie im Turm hängen.

Die zum Teil 14 Meter großen Flugobjekte werden bald sogar am Himmel fliegen, wenn der Drachenclub Baar (DC Baar) wieder zum großen Drachenfest am 20. und 21. Mai auf dem Donaueschinger Flugplatz aufruft. Oberbürgermeister Erik Pauly, Vereinsvorsitzender Wolfgang Karrer und Peter Hespeler, der Erbauer der Drachen, eröffneten die Ausstellung – und machten schon einmal "gutes Wetter" für das bevorstehende Ereignis.

Die Ausstellung zeige eine ganz besondere Kunst für Jung und Alt, freut sich OB Pauly. Die Drachen fliegen alle, versichert ihr Erbauer Peter Hespeler und freut sich mit Wolfgang Karrer darauf, wenn Herr Taschenbier und Frau Rotkohl gemeinsam mit dem Sams im Mai am Himmel stehen. Der 79-jährige Maar hat zwei Musiker dabei, die in seiner Lesung musikalische Akzente setzen: Mit Gitarren, Saxophon, Flöten oder Schlagwerk, mit Gesang und manchmal auch dem Baaremer Dialekt auf den Lippen und roten Zwergenmützen auf dem Kopf: So unterstreichen Wolfgang Stute und Konrad Haas die Lesung.

Maars Geschichten werden dadurch lebendig und begeistern seine jungen Fans. An diesem Morgen freilich geht es nicht um das freche Sams mit der Schweinenase und den Schwimmflossen an den Füßen. Auch Herr Taschenbier, Frau Rotkohl und Herr Mon bleiben dort in den Buchseiten versteckt.

Denn heute liest Paul Maar aus seinem neuen Werk mit dem Titel "Schiefe Märchen und schräge Geschichten". Die alten von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchengeschichten kriegen einen neuen, zeitgemäßen Anstrich verpasst und kommen so auch bei seinen jungen Lesern an. Da gibt es eine Geschichte vom Gestiefelten Kater Adelbert, der sich nach und nach zum einem perfekten Skater-Kater auf dem Skateboard entwickelt.

Natürlich kommt auch die witzige Fassung von Hänsel und Gretel an: Diese haben immerhin ein Handy dabei, wenn sie durch den finsteren Wald geistern. Sie wollen bei der alten Hexe zwei Currywürste bestellen, damit sie nicht trockene Kekse und Pfefferkuchen wie im Märchen bekommen, wenn sie an dem Häuschen knabbern. Aber sie machen die Rechnung ohne die moderne Technik: Im Wald ist leider kein Handy-Netz verfügbar. Ob das respektlos-modern interpretierte "Schneewittchen" oder die Geschichte von Rumpelstilzchen, der Stroh zu Gold rumpeln kann: Maar trifft den Ton, der die Kinder strahlen lässt.

Drachentage im Anflug

Peter Hespeler, Rektor und Kunstlehrer, ist seit einiger Zeit auch Zweiter Vorsitzender beim Drachenclub Baar (DC Baar). Er ist mit Paul Maar befreundet und hat die Figuren aus den Büchern des Autors in große bunte Flugobjekte umgewandelt, die im Mai am Himmel über dem Donaueschinger Flugplatz schweben. Die Drachen-Flugschau, die Tausende Besucher anzieht, leidet inzwischen unter Sponsoren-Mangel. Der DC hofft auf Verbesserung. Es haben schon Gäste aus vielen europäischen Ländern und sogar von der südlichen Halbkugel – aus Tasmanien – ihre Teilnahme an dem Spektakel angekündigt.